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Der Watzmann ruft: Das Schrill-Schräge «Rustical» der Luisenburg

2. August 2008 - 1:35

«Hoch droben, geduckt unter der Last des mächtig aufragenden Massivs des Watzmanns, haben sich ein paar Bergbauern angesiedelt. Eine unheimliche, nicht greifbare Furcht lastet auf denen, die noch über sind - es ist die Furcht vor dem Berg. Es ist, wie wenn er sie manchmal rufen möcht'. Und wen er einmal gerufen hat, den holt er sich auch: Der Watzmann!»

Text und Fotos von Andreas Gebauer

Mit diesen Worten beginnt eines der bekanntesten Stücke Nonsens der deutschsprachigen Musikgeschichte. Es sind Szenen wie diese, die seit 1974, dem Jahr der Uraufführung von «Der Watzmann ruft», tausende Besucher in ihren Bann gezogen haben. Und dennoch wäre es falsch, das Stück, von seinen Autoren (Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz) «Rustical» getauft, nun aufgrund dieser Einleitung vorschnell einem Genre, wie etwa der Tragödie, zuzuordnen. Es ist auch weder ein Drama noch ein Musical. Es ist etwas dazwischen, etwas Fremdes, Ungewohntes. Ein «Rustical» eben.
Doch gerade die ständigen Brüche innerhalb des Stücks sowie das ständige - gewollte - Abgleiten in die Komik, machen wohl die starke Anziehungskraft aus. Es ist, als ob die Autoren, die das Stück (eigenen Angaben zufolge) in mehr oder weniger trunkenem Zustand erfanden, es zu gut gemeint haben mit der Dramatik, und somit verliert sich sämtliche Tragik des Stücks in der Komik der Übertreibung. Gleichzeitig wird das Verhalten und die konservative Lebenshaltung der beschriebenen Bergbauern überzeichnet und damit ebenfalls ins Komische getrieben. Diese bewusste Gegenposition zu klassischen Stücken mag auch der Grund sein, warum das Stück zunächst als «Gegenveranstaltung» zu den Wiener Festwochen um Mitternacht vor entsprechendem Publikum präsentiert wurde.

Das Schrillste und Schrägste, was auf der Luisenburg je aufgeführt wurde!


Der Vater, der Sohn, drei Mägde, zwei Knechte - und die Gailtalerin; das sind die Protagonisten der eigentlichen Handlung. Alle leben sie unter dem Schatten des Watzmannes, der sie Furcht und Respekt zu lehren weiß, denn alle, die ihn zu besteigen versucht haben, hat er sich geholt. Für immer... Und dennoch packt er immer wieder Bewohner des Tales, und sie versuchen sich am Berg mit dem immer gleichen tragischen Ende. Auch der Sohn des Bergbauern wird verführt - nicht nur vom Berg, sondern auch von der allseits als freizügig bekannten Gailtalerin, die ihn auffordert, doch auch einmal einen Aufstieg zu wagen, denn nur, wenn er stärker sei als der Berg, gehöre sie ihm allein.
Er versucht es, doch das Ende ist absehbar. Zuletzt wird sogar noch die Sterbeszene, eigentlich der berührendste Moment des Stücks, mit dem Lied «Er fällt» für bitterschwarzen Humor missbraucht.
Zu erwähnen wäre noch die von Wolfgang Ambros zu Texten von Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz komponierte Musik, in welche die einzelnen Szenen eingebettet sind, und die ihrerseits die Wirkung des Stückes unterstützt - und auch hier entscheidet der Inhalt nicht über die Qualität; trotz zweifelhafter Texte überzeugt die beeindruckende musikalische Darbietung von Wolfgang Ambros. Ebenso trägt natürlich bei der Inszenierung für die Luisenburg-Festspiele Wunsiedel die atemberaubende Kulisse der Naturbühne ihren Teil dazu bei.
Das Stück geht in jeder Hinsicht an die Grenzen; doch wenn man sich einlässt auf ständige Brüche und eine oft deplaziert wirkende Komik, so stehen zwei Stunden gefüllt mit Nonsens - wenigstens aber heiterem Nonsens - nichts mehr im Wege.
Interessant war darüber hinaus die Zusammensetzung des Publikums, das überwiegend aus Menschen fortgeschrittenen Alters bestand (womit keine Rentner gemeint sind). Offensichtlich scheint der Titel und die Herkunft des Stücks viele junge Menschen zum Gedanken verleitet zu haben, es handele sich hierbei um in jüngeren Altersgruppen verpöntes volkstümliches Kulturgut. Was es aber ganz und gar nicht ist.



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Die hervorragende Band, geleitet von Wolfgang Ambros, begeisterte die Zuschauer


Die Luisenburg war ausverkauft.


Als Zugabe zogen sich die Schauspieler Mützen und Fäustlinge an und präsentierten sich zu den Klängen von «Schifoan»...


Zum Schluss zeigte sich noch einmal die komplette Besetzung auf der Bühne.

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... scheint das zu sein. Insbesondere wenn man sich das Video ansieht, bereut mann, dass man es nicht selbst gesehen hat.

Na da kommen ja die tollsten Erinnerungen zurück. "Der Watzmann ruft" - und ich rede von einer Langspielplatte - war der krönende Abschluss jeder unserer Parties, getrunken wurde Erdinger Weißbier und eine Gailtalerin war auch schnell gefunden ;)

Und "Schifoan" sangen wir auch bei 40 Grad:

... Am Sonntag Auf´D Nacht Montier I Die
Schi Auf Mei Auto
Aber Dann Überkommts Mi
Und I Schau No Amol Aufi
Und Denkt Aber Wo
I Fahr No Net Z´Haus
und Bleib Am Montag A No Do

Schifoan - Schifoan
Oh, Oh, Oh, Oh
Schifoan
Weil Schifoan Is Des Leiwandste,
Was Ma Si Nur Vorstell´N Kann ...

Eine geile Zeit ...

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