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Aus der Rausch!

22. Januar 2009 - 20:11

«Nun ist's vorbei mit der Kräuterräucherei» möchte man angesichts des heute ergangenen Verbots der oft als «Bio-Droge» beschriebenen angeblichen Kräutermischung Spice fast sagen. Doch die Nachahmer und Trittbrettfahrer stehen schon bereit. Wir haben mit einem Experten über das Thema gesprochen.

Text und Interview von Philipp Schmieder

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Marcel M., der seinen vollen Namen hier lieber nicht sehen möchte, viel Zeit mit Spice verbracht hat. Allerdings ist er kein Junkie; er hat die Entwicklung rund um die «Kräutermischung» lange Zeit aufmerksam wie kein anderer in seinem Blog verfolgt und beantwortete dein.gs die interessantesten Fragen zum nun verbotenen Rauschmittel.

War das rasche Verbot von Spice ein richtiger Schritt?
Marcel M.: Der Räuchermix Spice wurde meines Erachtens viel zu schnell verboten. Selbstverständlich war es von der Vertriebsfirma falsch, Spice als "Bio-Droge" zu verkaufen, obwohl nachweislich die chemische Substanz JWH-018 enthalten war. Allerdings ist es NICHT nachgewiesen, dass dieses Cannabinoid schädlich ist. Erstmal verbieten und dann prüfen halte ich für die falsche Lösung. Zudem sollte man immer bedenken, dass die Vertriebsfirma sowie jeder Shop immer darauf hingewiesen hat, Spice nicht oral zu konsumieren - nicht zu rauchen. Wenn ich mir nun Räucherstäbchen kaufe, die Substanz abkratze und mir dies in ein Paper drehe und rauche, liegt es doch in meiner eigenen Verantwortung, oder?
War Spice, gerade weil der Hersteller vorgab, es handle sich um «Kräuter», besonders gefährlich?
Marcel M.: Das der Hersteller Spice als «Bio-Droge» verkaufte finde ich unverantwortlich. Dies erweckte den Eindruck, dass es nicht schädlich sein kann. Ob es dadurch besonders gefährlich war, ist schwer zu sagen. Schließlich wurde Spice nur an Volljährige verkauft, denen man eine gewisse Selbstverantwortung zutrauen sollte. Ebenfalls wurde, wie bereits erwähnt, immer darauf hingewiesen, Spice nicht zu rauchen.
Ursprünglich wurde Spice als «Räucherwerk» angepriesen - wie wurde das Wissen um die berauschende Wirkung verbreitet?
Marcel M.: Spice gibt es eigentlich schon relativ lange. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis es nun verboten wurde. Die Vermarktung von Spice kam langsam, aber effektiv. Anfangs bot der Hersteller sowie diverse Vertriebsfirmen das Spice verschiedenen Headshops & Szeneshops an. Diese nahmen es in ihr Sortiment auf. Schnell sprach sich dann die Wirkung von Spice in vielen Szeneforen rum. Dann ging alles recht schnell: Spice sprach sich als legale Cannabisalternative rum. Viele Personen stiegen auf Spice um, da dies nicht nachweisbar war. Selbst Polizisten, Wehrdienstpflichtige und ähnliche konsumierten plötzlich Spice. Aber erst als die Medien das Thema aufgegriffen wurde es zu einem Massenthema. Ein Headshop beispielsweise erzählte mir davon, dass er durch Spice jeden Tag mehr Umsatz machen würde als mit dem kompletten weiteren Sortiment (Bongs, Papers, usw.).
«Space», «Sence» & Co. stehen schon bereit, das Erbe von Spice anzutreten. Worin unterscheiden sich diese Mischungen vom Original?
Marcel M.: Space und Sence gibt es auch schon seit, zum Teil, mehreren Monaten. Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung. Die Hersteller und Vertriebsfirmen haben Eidesstattlich versichert, dass sich in ihren Produkten keine chemischen Zusätze befinden. Daher wird es diese - nun kann man ja wirklich «Bio-Drogen» sagen - höchstwahrscheinlich immer geben. Für die Drogenbeauftragten unseres Landes wird es fast unmöglich sein, diese Kräutermischungen zu verbieten.
Werden im Fall eines Verbotes immer neue Nachfolgeprodukte auf den Markt kommen?
Marcel M.: Ja - wenn es möglich wird auch diese Kräutermischungen zu verbieten, wird es immer neue Nachfolgeprodukte geben. Meines Erachtens nach hat der Staat gar keine Möglichkeit mehr, dies aufzuhalten. Die Hersteller und Vertriebler haben den Markt erkannt. Die Umsätze sind teilweise utopisch. Demnach wird es immer wieder neue Produkte geben, schneller als sie sich verbieten lassen.
Spice wurde in verschiedenen Variationen angeboten - worin unterschieden sie sich?
Marcel M.: Der Unterschied lag in der Zusammensetzung der Kräuter und der Menge des Cannabinoid.
Spice Silver hatte beispielsweise deutlich weniger als Spice Diamond. Demnach war Spice Diamond auch deutlich stärker und teurer.
Wie lässt sich die Wirkung von Spice beschreiben?
Marcel M.: Diese Frage lässt sich sehr schwer beantworten. Wie bei Haschisch, Alkohol oder jedem Medikament hat jedes eine unterschiedliche Wirkung. Normal lässt es sich sehr gut mit Cannabis vergleichen: Man wird entspannter, müder, lustiger aber auch fauler. Der regelmäßige Konsum ist - wie auch bei Alkohol - keinesfalls zu empfehlen. Langzeitwirkungen wie Gedächtnisstörungen, Wahnvorstellungen, Lustlosigkeit, etc. lassen sich nicht nachweisen.

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«Spice Diamond» hatte die stärkste Wirkstoffkonzentration.
Foto: cc by-sa von Schorle/Wikimedia Commons

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Habe eben gesehen, dass es schon wieder einen Nachfolger von Spice gibt, wieder legal, anscheinend ohne "Syntetik"... Nenn sich Space das ganze und soll wieder der gleichen Wirkung entsprechen. http://www.rauchkraut.net/räuchermischung-space-gewürz.html

Kommen die Leute denn nicht mehr ohne klar?

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