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Frei wie in Freiheit: Die freie Netzkultur

30. März 2009 - 11:47

Groß ist die Verlockung, illegale Softwarekopien zu verwenden, seine Musiksammlung aus dubiosen Quellen zu erweitern und ebenso mit der persönlichen Filmkollektion zu verfahren. Doch das ist eine schlechte Idee, nicht nur weil Unternehmen und Justiz immer härter gegen die so genannten «Raubkopierer» vorgehen, sondern auch, weil es Alternativen gibt, die nicht nur kostenlos sind.

Text von Philipp Schmieder

Das Zauberwort heißt «freie Kultur» und hängt eng zusammen mit der Bewegung der freien Software, die von Richard «RMS» Stallman, dem Gründer der Free Software Founation 1985, maßgeblich geprägt wurde. Eine weitere wichtige Person in diesem Kontext ist der US-amerikanische Jura-Professor Lawrence Lessig, der 2001 das Creative-Commons-Projekt ins Leben rief, dazu gleich mehr.
Sowohl die FSF als auch die Creative-Commons-Stiftung setzen sich dafür ein, Wissen - und das beinhaltet auch Software, Musik, Texte, etc - für alle Menschen frei verfügbar zu machen und ihnen nicht nur die Möglichkeit zu geben, dieses frei von Kosten («free as in free beer», «frei wie in Freibier») zu verwenden, sondern auch, es nach eigenem Gutdünken zu jedem beliebigen Zweck zu verwenden («free as in free speech», «frei wie in Redefreiheit»).
Um das zu ermöglichen, wurden freie Lizenzen geschaffen, die die Autoren von solchem «Wissen» auf ihr Werk anwenden können. Bekannte Beispiele sind die GNU General Public Licence (GNU GPL) der FSF und die verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen.

Schätze deine Freiheit oder du wirst sie verlierenRichard Stallman

Wenn ein Autor ein Werk unter eine solche Lizenz stellt, gibt er dem Benutzer bestimmte Rechte, erlegt ihm gleichzeitig aber unter Umständen auch bestimmte Pflichten auf. Die Rechte bei freien Lizenzen beinhalten zumeist das Recht des Benutzers, das Werk uneingeschränkt und kostenlos nutzen zu können sowie es verändern und weitergeben zu dürfen. Typischerweise ist das verbunden mit der Pflicht, dass ein neu entstandenes Werk, das einen solchen freien Bestandteil enthält, ebenfalls unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden muss - in beiden Punkten gibt es aber, etwa bei einigen Creative-Commons-Lizenzen, Ausnahmen. So schränken manche CC-Lizenzen die Verwendung zum kommerziellen Gebrauch ein, lassen keine Veränderung zu oder verzichten auf die Pflicht, ein so genanntes «abgeleitetes Werk» ebenfalls frei zu lizensieren.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Einschränkungen werden nicht ale Creative-Commons-Lizenzen von der FSF als «freie Lizenzen» akteptiert, sie spielen nichtsdestotrotz eine immer größere Rolle in der freien Kultur.
Die Akzeptanz der Kreativen für die freie Kultur wird dabei immer größer, denn neben den großen freien Softwareprojekten wie GNU/Linux oder OpenOffice.org gibt es mittlerweile auch etliche prominente Künstler, die sich für freie Lizenzen entscheiden. So veröffentlichte beispielsweise Nine Inch Nails die letzten beiden Alben unter einer Creative-Commons-Lizenz und Radiohead verfuhr ebenso mit den Daten eines Musikvideos.
Das Internet spielt hierbei eine wichtige Rolle, es ist sogar die Voraussetzung für den freien Datenaustausch - und so finden sich im Netz auch wahre Goldgruben mit freien Inhalten, die Kreative dort veröffentlichen. Wir haben für euch die Interessantesten herausgesucht.
Die Links zu allen vorgestellten Portalen und Projekten findet ihr am Ende des Artikels.

Jamendo

Das luxemburgische Portal Jamendo bietet seit 2005 unter verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen Musik zum Herunterladen und Streamen an. Mittlerweile gibt es auf der Plattform über 150.000 Songs mit einer Spielzeit von insgesamt mehr als 250 vollen Tagen - genug für jeden Musikliebhaber.
Das Angebot ist erstaunlich abwechslungsreich: Von seichtem Jazz über Techno, HipHop, Rock und vielem mehr reicht die Palette sogar bis hin zu orchestralem Symphonic Metal.
Zusätzlich bietet Jamendo, nach Genre sortiert, mehrere Radios an, die den ganzen Tag über freie Musik spielen. Für diejenigen, die sich gegenüber den Jamedo-Bands erkenntlich zeigen möchten bietet das Portal außerdem eine Möglichkeit, Spenden einem bestimmten Künstler bzw. einer Gruppe zukommen zu lassen.

Flickr

Das zu Yahoo gehörige Portal Flickr ist mit Abstand das größte Fotoportal der Welt. Von den über drei Milliarden dort gespeicherten Fotos sind immerhin mehr als 100 Millionen unter einer der Creative-Commons-Lizenzen veröffentlicht. Damit bietet Flickr eine schier unendliche Auswahl freien Bildmaterials zu nahezu allen Themenbereichen.

Blender OpenMovie/OpenGame

Die Community um das freie 3D-Animationsprogramm Blender und die zugehörige Stiftung, die Blender Foundation, riefen im September 2005 das Open-Movie-Projekt ins Leben. Ziel war es, einen Film komplett mit freier Software zu erstellen - abgesehen von einem Musikmischprogramm wurde dieses Ziel auch tatsächlich erreicht. Im März 2006 feierte der erste Kurzfilm, Elephants Dream seine Premiere. Eineinhalb Jahre später begann die Arbeit am zweiten Film, «Big Buck Bunny», der schließlich im Mai 2008 fertiggestellt wurde. Mit den Charakteren aus diesem zweiten Open Movie kreierte das Team der Blender Foundation schließlich noch ein Open Game, «Yo Frankie!», das im August 2008 veröffentlicht wurde. Die beiden Filme wurden unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, das Spiel unter der GNU GPL der FSF.
Big Buck Bunny erzählt die Geschichte eines riesigen, flauschigen und gutmütigen Häschens, Big Buck Bunny, das eigentlich ein ausgesprochen gutmütiges Herz hat. Doch als die bösartigen Hörnchen Frank, Rinky und Gamera einen Schmetterling töten, beschließt Big Buck Bunny, Rache zu nehmen.

Freie Software-Portale

Die meisten freien Programme sind nicht auf einer einzelnen Plattform versammelt, Portale wie Sourceforge, BerliOS und GNU Savannah beherbergen aber zahlreiche Software-Projekte. Prominente Beispiele für auf solchen Plattformen gehostete Programme sind das Audio-Programm Audacity, der Chat-Client Miranda (beide bei Sourceforge) oder das Jump-and-Run-Spiel Supertux (bei BerliOS).

Große Freie-Softwareprojekte

Viele große freie Softwareprojekte haben dagegen eigene Infrastrukturen.
Hier bieten die «Free/Libre Open Source Software»-Entwickler (FLOSS) viele absolut ebenbürtige Alternativen zu kommerziellen (proprietären) Programmen. Die Bürosuite OpenOffice.org beinhaltet beispielsweise Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, ein Präsentationsprogramm und weitere Elemente, die für das proprietäre Microsoft Office ein vollwertiger Ersatz sind. Auch ein weiteres Produkt aus dem Hause Microsoft, das Betriebssystem Windows, ist für Anwender freier Software obsolet, denn mit GNU/Linux und einer aktuellen Desktopoberfläche hat man heute ein moderneres System als das, was der Großkonzern aus Redmond anbietet - und dazu völlig kostenlos und ohne nervige Gängelungen, Überwachung und Beschneidungen der eigenen Rechte. Auch der Internetbrowser Mozilla Firefox, der je nach Land von bis zu 50 % der Internetanwender verwendet wird, ist freie Software.

Taten ...

Und um nicht nur über freie Lizenzen zu reden, ist auch dieser Artikel unter einer freien Lizenz verfügbar, genauer gesagt unter der von der FSF als «frei» anerkannten Creative Commons Attribution-Share-Alike 3.0:

Creative Commons License
Frei wie in Freiheit: Die freie Netzkultur von Philipp Schmieder steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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Richard Stallman ist der wichtigste «Evangelist» für freie Kultur und insbesondere freie Software.
Foto: gemeinfrei veröffentlicht von Robert Scoble


Stanford-Professor Lawrence Lessig initiierte das Creative-Commons-Projekt.
Foto: cc by-sa von NicoBZH/flickr.com


Die legendärer Band Nine Inch Nails veröffentlichte zwei Alben unter einer Creative-Commons-Lizenz
Foto: cc by-nc-sa von Felipe Ramírez Amigo


Freie Software ist nicht nur kostenlos, sondern proprietärer in vielerlei Hinsicht überlegen.
Screenshot: KDE e. V.


Eine Szene aus «Elephants Dream», dem ersten Open Movie der Blender Foundation.
Foto: Blender Foundation

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Danke für die Tipps!
Ohne große Umschweife gleich zur Frage: Wo genau kann man Audacity bekommen?

Danke!

emm... bookmarked..

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