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Spieglein, Spieglein an der Wand ...

17. Juni 2009 - 8:10

Für alle Ungeduldigen: Ja, wir haben gewonnen. dein.gs ist die beste deutschsprachige Online-Schülerzeitung im weltweiten Netz, ausgezeichnet beim 13. Schülerzeitungswettbewerb des SPIEGEL. Für alle, die mehr Zeit haben, hier die ausführlichere Fassung.

Text von Philipp Schmieder | Fotos von Lisa Roderer, Uwe Grünefeld

Alles begann mit einem Anruf am 14.05.: Warum wir auf den Brief nicht geantwortet hätten, dass man schon sehr spät dran sei, ob man denn die Daten noch bis spätestens zum nächsten Tag schicken könne. Doch es war kein Brief angekommen.
Die Dame am Telefon stellte sich vor – sie war vom SPIEGEL-Verlag und wollte uns zuallererst beglückwünschen, denn wir hatten gewonnen. Beim SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb. In welcher Kategorie des Wettbewerbs wir gewonnen hatten und welchen der jeweils drei Siegerplätze wir darin erreicht hatten, wollten wir wissen, aber das verriet man uns nicht.
Wie sich schließlich etwa einen Monat später, am 14.06. herausstellte, waren wir nicht die einzigen, die lediglich erfahren hatten, dass sie etwas gewonnen hatten, nicht aber für welche spezielle Leistung: Alle der 45 zum SPIEGEL nach Hamburg eingeladenen Redakteure konnten spekulieren wofür sie ausgezeichnet werden sollten.
Die sehnlich erwartete Antwort darauf bekamen wir aber vorerst nicht, doch das angenehme Abendprogramm am Freitag ließ die meisten die Fragen nach der Platzierung vergessen oder zumindest weniger quälend erscheinen.
Am nächsten Tag stand zunächst einmal die allwöchentliche, sogenannte Heftkritik des SPIEGEL auf dem Programm. Bei dieser Redaktionskonferenz wird die aktuelle Ausgabe bewertet, analysiert und – natürlich – kritisiert, oft von Externen, die einen etwas unvoreingenommeneren Blick auf das Heft werfen können. In dieser Woche war der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zu Gast und sollte also ebendiese Heftkritik durchführen. Dazu kam es jedoch nicht, denn, nachdem er mit einer halbstündigen Verspätung (mit dem Auto) und sichtlich unvorbereitet eingetroffen war, behauptete er glatt, er hätte nichts zu kritisieren. Etwas irritiert wandelte die SPIEGEL-Redaktion die Heftkritik kurzerhand in eine Fragestunde um und löcherte Seehofer mit kritischen Fragen zu seiner Politik und seinem Privatleben, bat um Ratschläge für den Erhalt der SPD. Während Seehofer nicht über sein Privatleben sprechen wollte, plauderte er ein wenig über die alltäglichen politischen Probleme. Arcandor, Schröder, Wähler, man kennt das ja.

Eine spannende, vielseitige Web-Seite, der man anmerkt, dass die Redaktion sowohl großes technisches Know-how als auch journalistische Begabung vorzuweisen hat.
Auszug aus dem Urteil der SPIEGEL-Jury


Danach lud uns SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo ein, selbst Fragen an Horst Seehofer zu stellen. Damit scheinbar überfordert, wusste er nicht nur keine Antwort auf die Frage, wie man denn eher kritische Schüler überzeugen wolle, sondern ließ sich – von dein.gs auf die Internetsperren angesprochen – sogar dazu hinreißen, zu sagen, er würde nicht nur kinderpornografische Seiten, sondern auch Seiten von Rechtsextremisten sperren wollen.
Nach diesem Debakel und dem darauf folgenden reichhaltigen Mittagessen in der SPIEGEL-Kantine (die, das sei an dieser Stelle angemerkt, übrigens sehr lila ist) ging es mit Workshops beziehungsweise Einblicken in den Arbeitsalltag des SPIEGEL weiter: SPIEGEL-Redakteure sprachen dabei etwa über der allwöchentlichen Suche nach einem guten Titelbild, zeigten die Arbeit bei SPIEGEL Online und erzählten richtige Räuberpistolen aus dem investigativen Journalismus.
Am Abend rückte das große Finale schließlich immer näher und im extra aufgebauten, wunderschön mit weiß und rot eingerichteten Festzelt, begann endlich die Siegerehrung.
Nach einer erleichternd kurz gehaltenen Begrüßung begann Georg Mascolo alsdann, die jeweils drei Gewinner nach den verschiedenen Kategorien geordnet bekanntzugeben. Nachdem die Sieger für Heftinhalt, Titelbild, Layout, Reportage, Interview und Foto bekannt sowie die besten Hefte der nicht-gymnasialen Schulformen (Die beste Schülerzeitung an einer Hauptschule ist ganz in der Nähe von Bayreuth, in Auerbach und das beste Heft an einer Berufsschule ging in den hohen Norden nach Leer im Ostfriesland) gegeben waren, betrat SPIEGEL-Online-Chefredakteur die Bühne und es wurde für uns noch einmal besonders spannend. Vier Plätze waren zu vergeben, denn der dritte Platz war doppelt belegt mit dem schweizerischen Magazin NAKT und den Dresdnern von Platonium. Den zweiten Platz eroberte die Marie aus Borken. Damit stand also auch der erste Platz in der Kategorie «Beste Online-Schülerzeitung» fest: dein.gs hatte es geschafft, die Jury mit «journalistischen Texten von beachtlichem Niveau, nah an der Welt der Schüler und dem WWW» zu überzeugen. Als Fazit stellte die Jury fest: «Eine spannende, vielseitige Website, der man anmerkt, dass die Redaktion sowohl großes technisches Know-how als auch journalistische Begabung vorzuweisen hat».
Nach diesen regulären Kategorien wurden von den Kooperationspartnern des SPIEGEL, dem Telefonbuch, der Schaubühne Berlin, dem Bundesverband der Musikindustrie, der Aktion Mensch und der Organisation der SOS-Kinderdörfer noch weitere Sonderpreise vergeben und schließlich der Gesamtsieger (die Schülerzeitung, die sich am häufigsten in den verschiedenen Kategorien unter den Top 10 befindet) bekannt gegeben: Innfloh. In diesem Jahr erhielt das Heft aus Mühldorf am Inn gleich neun Top-10-Platzierungen und lag damit klar vorne.
Nach der Preisverleihung konnten wir uns von der Anspannung mit einem von den SPIEGEL-Köchen zubereiteten Abendessen (unter anderem mit Tofu-Bratwürsten!) erholen – nicht so lange, dass es langweilig werden sollte, denn die mehrfach ausgezeichnete Schülerband «Third Cucumber» (Nach einer Aussage steht das für «Dritter Kuh-Kamm-Bär») spielte zum rockigen Tanze auf. Der Abend klang danach zu den Diskoklängen eines DJ aus und am Dienstag hieß es dann endgültig Abschied von Hamburg nehmen.

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Der SPIEGEL-Online-Chef bei der Laudation für dein.gs


Der SPIEGEL-Wettbewerb findet jedes Jahr statt.


Die «Rickmer Rickmers» ist das Museumssegelschiff im Hamburger Hafen.

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Ihr habt wirklich eine tolle Seite!

Hallo,
liebes gs-team. Ich freue mich für euch und kann euch nur den vollsten respekt ausprechen. Eure Arbeit hat sich gelohnt und wurde auch honoriert.
Die Seite ist sehr ansprechend gestaltet.
Was ich aber insgesamt als großen Kritikpunkt nennen muss, ist die fehlende Bindung zum GCE. Viele der Artikel sind interresant, aber ihr müsst es auch mal so sehen, was versteht ein Schüler aus der fünften Klasse von solchen 3 seitigen, poltisch oder gesellschaftlich anspruchsvollen Artikeln.
Ihr müsst wieder zum GCE zruückfinden und dort wieder um den Preis beste Schülerzeitung kämpfen des GCE (auch wenns nur eine gibt), denn den Titel habt leider etwas aus den Augen verloren.
MFG Hanswurst

... kann ich nun wirklich nicht mehr hören, denn es ist schlichtweg nicht wahr.
Schließlich sieht man, wenn man sich mal den GCE-Bereich ansieht, dass wir stets aktuell über die Geschehnisse am GCE berichten und auch ansonsten so einiges rund ums GCE im Programm haben.
http://dein.gs/gce
Trotzdem Danke für die Glückwünsche :-)

Also über das neue Tor habt ihr z. B. nichts berichtet :D

In der letzten Ausgabe waren keinerlei politische Abhandlungen über 3 Seiten! Außerdem wirst du mir keine Zeitung nennen können, in dem du jeden Artikel liest bzw. gut findest, lieber Hanswurst ;o)

Was habt ihr vor, gibt es eine Zukunft ergo einen Fortbestand?

(Meine Glückwünsche haben euch erreicht, hoffe ich, bevor sie erfolgreich gelöscht wurden)

Deine Glückwünsche habe ich höchstpersöhnlich telefonisch überbracht :)

Danke sehr.

Aber weils mir gerade auffällt, seit wann werden denn Politiker zur Redaktionssitzung bzw. Heftkritik eingeladen? Feiner Zug vom Spiegel ... wird da dann Unbequemes zu Bequemen umgearbeitet, weil es dem gerade eingeladenen Politiker nicht genehm ist? Oder ist das reiner Selbstschutz, damit man die hauseigenen - nehm mal an, dass die sowas haben - Juristen nicht allzu oft bemühen muss, wenn ein Politiker sich total missverstanden fühlt? Ist unser Grundgesetz nach 60 Jahren nur noch eine Farce? Ist die Heftkritik durch Politiker ein bei allen Verlagen gängiges Verfahren (objektive Berichterstattung)? Ich glaub jetzt gehts los ... Wer noch Fragen hat, ich hab die Antwort und die fängt mit "A" an! ^-^

Huhu, es klingt unglaublich, das muss man sich mal vorstellen, mein kleiner Name in einem Online-Portal von Format!!! Und das nur weil ich eine Plastik-Knopf auf einer Kamera ein paar Zentimeter eingedrückt habe. Dankeschön und nebenbei noch: "Herzlichen Glückwunsch!"

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