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Ausstellung 2.0

13. August 2009 - 14:32

Am 14. November 1980 eröffnet in München eine der herausragendsten Ausstellungen des Jahrhunderts: Erstmals werden die kulturhistorisch einmaligen Kunstwerke der Grabkammer Tutanchamuns außerhalb Ägyptens der breiten Öffentlichkeit gezeigt. Dieses erste Mal soll damit aber auch das letzte Mal gewesen sein – zu groß die Gefahr eines Diebstahls. Und dennoch ist der weltberühmte Kindkönig dieser Tage erneut zu Gast in der Landeshauptstadt ...

Text von Andreas Gebauer | Bildergalerie von Lisa Roderer

Noch bis zum 6. September dieses Jahres präsentiert dort der in Bayreuth ansässige Veranstalter Semmel Concerts die schon im Vorfeld stark beworbene Ausstellung über Tutanchamuns Grabschätze in Bayern.

Es ist wohl – neben der groß angelegten Werbekampagne - dieser dem Namen vorauseilende Zauber, der nach Angaben des Veranstalters bereits 210.000 Besucher in die Ausstellung getrieben hat, ein Zauber, der selbst 87 Jahre nach der Entdeckung der letzten Grabstätte im Tal der Könige durch Howard Carter die Kraft besitzt, Millionen Menschen zu fesseln. Der Zauber einer seit Jahrtausenden vergangenen Epoche, der sogar uns aufgeklärte, moderne Menschen immer noch in seinen Bann zieht: Der Fluch der Pharaonen.

Dabei wäre das Grab Tutanchamuns beinahe unentdeckt geblieben. Nach quälenden Jahren der Misserfolge galt das Tal der Könige 1922 als abgesucht, als abgegriffen – ein längst uninteressant gewordenes Territorium. Ein letztes Mal gelang es Carter, seinem Geldgeber Lord Canarvon die finanziellen Mittel für eine Grabungskampagne abzuringen, deren schlagartiger Erfolg Geschichte schreiben sollte. Tutanchamun selbst, ein bis dahin weitgehend unbekannter und vergleichsweise unbedeutender Pharao, konnte für diesen Umstand, für diese ihm post mortem zukommenden Ehren freilich denkbar wenig – vielmehr ließ ihn die Tatsache, dass sein Grab als Einziges beinahe vollkommen unangetastet mehrere Jahrtausende überdauerte, über Nacht zur Legende werden.

At first I could see nothing, the hot air escaping from the chamber causing the candle flame to flicker, but presently, as my eyes grew accustomed to the light, details of the room within emerged slowly from the mist, strange animals, statues, and gold – everywhere the glint of gold.Howard Carter, Entdecker des Tutanchamun-Grabs

Dieses goldene Schimmern beschäftigte Carter von nun an zehn Jahre lang, in denen er Stück für Stück aus dem lapidar mit dem Kürzel KV62 umschriebenen Grab die heute wohl bekanntesten Schätze der frühägyptischen Hochkultur barg. Und es ist ebendieses Schimmern, das im Augenblick ebenso wie vor 29 Jahren erneut Hunderttausende fasziniert.

Doch zwei Faktoren unterscheiden die diesjährige Ausstellung deutlich vom Jahr 1980: Zum einen die Möglichkeiten, die den Organisatoren zur Verfügung stehen; und zum anderen die Anforderungen, denen sie sich gestellt sehen. Keines der originalen Kunstwerke wird in absehbarer Zeit wohl Ägypten verlassen können – eine schwer zu lösende Problematik.

Doch auf diese Weise erarbeitet sich die Ausstellung aus ihrer größten Schwäche gleichzeitig ihre größte Stärke und zeigt damit, wie nahe Hell und Dunkel, Sein und Schein beieinander liegen können. Entstanden ist – obwohl die Originale nicht ausgestellt werden können – eine didaktisch hervorragende, zeitgemäße und ansprechende Ausstellung, eine Ausstellung des 21. Jahrhunderts, die sich eben nicht mehr darauf beschränkt, Fundstücke zu präsentieren, sondern die zu jedem Fund eine Geschichte erzählen möchte. Umrahmt von Einführungsfilmen sowie einer effektvollen Licht- und Tonkulisse schimmern die täuschend echten Repliken der Kunstwerke aus Tutanchamuns Grab nicht unter Panzerglas, sondern frei im Raum, wie Howard Carter sie wohl einst vorgefunden hat. Der Pharao kommt den Besuchern somit näher als jemals zuvor. Es fällt schwer, sich dieser Magie zu entziehen – jüngeren wie älteren Ausstellungsbesuchern gleichermaßen.

Und doch. Ein enttäuschendes Gefühl verbleibt – soviel Lust, soviel Interesse die Ausstellung zu erwecken vermag: Es waren, sind und bleiben Repliken. Für die Originale muss man eben doch weiter reisen als bis München … Aber vielleicht ist das auch gut so, damit der Fluch der Pharaonen auch für künftige Generationen lebendig bleibt. Die Ausstellung «Tutanchamun – sein Grab und seine Schätze» gastiert noch bis zum 6. September 2009 auf dem Münchner Olympiagelände. Danach wird die Ausstellung in Hamburg zu sehen sein.

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Totengott Anubis auf einem Goldschrein


Der berühmteste Schrein der Ausstellung


Tutanchamuns goldener Thron
Fotos: Semmel Concerts GmbH


Das Ausstellungsgeläde im Münchener Olympiapark
Foto: Andreas Gebauer

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Abend weiß ich mehr ... Entweder bekommst du lieber Andreas eine Rechnung über 70 EUR für die Fahrt, die sich evtl. nicht gelohnt hat oder 509 EUR für ein Flugticket nach Kairo. Na dann fang mal das Sparen an :P.

du hättest auch sagen können, dass man die Karten am besten vorher bestellt. Die Schlange war seeehhhr lannnnggg (Wartezeit am WE um die 1 1/2 Stunden ... Außerdem kostets am WE auch noch Aufpreis!). Haben wegen der sengenden Sonne abgebrochen und sind lieber nach Kloster Andechs und dann zum E-Boot fahren an den Ammersee, war auch schön :o) Für die Ausstellung brauchen wir wohl noch einen Anlauf ...

...ist auch ein Tag.
Es tut mir sehr leid - aber als ich dort war, konnte von keiner Schlange die Rede sein... Am schönen Wetter kann es ja wohl nicht gelegen haben!?
Und vielleicht sollte ich noch hinzufügen: Alle Angaben wie immer ohne Gewähr, der Rechtsweg ist ausgeschlossen - du wirst die Fahrtkosten wohl aus eigener Tasche stemmen müssen ;-).

Schlange am Mittwoch doppelt so lang wie am Sonntag, selbst ab 13.00 Uhr - wie es extra auf der Homepage empfohlen wurde. Heißer Tipp, für uns jedoch zu spät, Karten gibts im Vorverkauf ... Eissporthalle auf dem Olympiagelände. Haben die Info um 17.00 Uhr erhalten und - genau - abgebrochen, bis zum Einlass bzw. Kartenkauf für den nächsten Tag, hätte es immer noch 1 1/2 Stunden gedauert. Sorry, aber für uns ganz persönlich, scheint diese Ausstellung doch verflucht zu sein.

Für alle die nicht aufgeben wollen, nächste Woche ist täglich bis 22.00 Uhr geöffnet (letzter Einlass 1 Std. vor Schluss, also 21.00 Uhr) und natürlich die Karte im Vorverkauf besorgen, dann geht man ganz locker an der langen Schlange der Unwissenden vorbei und hat im Höchstfall eine Wartezeit im Gebäude von ca. 30 Minuten. Na dann, viel Spaß :o)

so ein Quatsch, das hat sich ja mal gar nicht gelohnt!!!

Inwiefern hat sich das nicht gelohnt?

Z. B. die Warterei in der Ausstellung weiter ging ... Da waren in einem dunklen Raum - nach der Filmvorführung - drei Grabkammern aufgebaut, was ja an sich nicht schlecht gewesen wäre, nur war der Platz drumherum nicht genug für die vielen Besucher, d. h. wenn das Band mit der Ansage abgelaufen war, ging der Spot aus und bei der nächsten Kammer an ... In gefühlten 5 Minuten war der Spuk dann ganz vorbei und dann gings in die Halle mit den einzelnen Grabbeigaben. Gut da konnte man alle Gegenstände dann in aller Ruhe bewundern und auch fotografieren - wenigstens was. Doch enttäuschend war es doch, da zwar eine gewisse Nähe zu den Ausstellungsgegenständen möglich war, aber sie waren halt nicht echt. Irgendwie wirkte das ganze wie die Requistenkammer von den Bavaria Filmstudios ... leider.

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