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Deine Welt (Teil 1): Sag es allen weiter!

24. September 2009 - 17:48

Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro. Rede von Severn Suzuki (12 Jahre). Sie fordert sofortige Veränderungen. Für alle die mehr wissen wollen, klickt einfach auf: weiterlesen.

Text von Lisa Roderer

Severn Suzuki war 9 Jahre alt als sie zusammen mit ein paar anderen Mädchen erst einen Club und dann die ECO (Environmental Children's Organisation - Umweltorganisation der Kinder) gründete. Um auf ihre Organisation aufmerksam zu machen, modellierten sie Anstecker in Form eines Geckos, das zu ihrem Markenzeichen wurde. Die Einnahmen aus dem Verkauf – auch an Studenten und Lehrer – brachte 150 Dollar ein. Ein Jahr später verkündete Severn ihrem Vater, dass sie noch mehr Geld sammeln möchte, um Vertreter von ECO zum Umwelttreffen nach Rio de Janeiro zu schicken, weil sie der Meinung war, die Kinder müssten den Erwachsenen dringend ins Gewissen reden. Ihr Vater nahm sie nicht ernst. Nur zwei Monate später hatte sie einen Scheck von über 1.000 Dollar erhalten und am Ende ihrer Sammelaktion waren es ganze 13.000 Dollar. So reisten fünf Mädchen und drei Eltern zum Umweltgipfel in die brasilianische Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Am 11. Juni 1992 hielt sie folgende Rede – keine Sorge, die komplette Übersetzung könnt ihr später weiter unten nachlesen - seht und hört sie euch erst einmal an und beobachtet ruhig auch mal die Politiker dabei.

Hallo, ich bin Severn Suzuki, ich spreche für die ECO, die Environmental Children's Organization (Umweltorganisation für Kinder). Wir sind eine Gruppe von 12 und 13-jährigen Kindern aus Kanada, die versuchen etwas zu verändern: Venessa Suttie, Morgan Geisler, Michelle Quigg und meine Wenigkeit.

Wir haben das Geld selbst gesammelt, mit dem wir 5000 Meilen hierhergereist sind, um euch Erwachsenen zu sagen, dass ihr eure Gewohnheiten ändern müsst. Ich bin ohne Hintergedanken hierher gekommen. Ich kämpfe für meine Zukunft. Meine Zukunft zu verlieren ist etwas anderes, als eine Wahl oder ein paar Punkte an der Börse zu verlieren. Ich bin hier, um für alle nachfolgenden Generationen zu sprechen. Ich bin hier, um im Namen der hungernden Kinder auf der ganzen Welt zu sprechen, deren Schreie ungehört verhallen. Ich bin hier, um für die zahllosen Tiere zu sprechen, die auf diesem Planeten sterben, weil sie keine Zufluchtsorte mehr haben.

Wegen des Ozonlochs habe ich Angst, nach draußen an die Sonne zu gehen. Ich habe Angst, wenn ich Luft atme, weil ich nicht weiß, was für Chemikalien sie enthält. Früher bin ich oft mit meinem Vater in Vancouver, wo ich herkomme, angeln gegangen, bis vor ein paar Jahren die Fische voll von Krebsgeschwüren waren. Heute hören wir jeden Tag von Tieren und Pflanzen, die aussterben - die für immer verschwinden.

Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt riesige Wildtierherden, Dschungel und Regenwälder voller Vögel und Schmetterlinge zu sehen, aber mittlerweile frage ich mich, ob sie noch lange genug existieren, dass auch meine Kinder sie sehen können. Mussten Sie sich um solche Sachen Sorgen machen, als Sie so alt waren wie ich?

All dies geschieht vor unseren Augen, und doch handeln wir, als hätten wir alle Zeit der Welt und für alles eine Lösung. Ich bin nur ein Kind und kenne all diese Lösungen nicht, aber ich will, dass Sie erkennen, dass Sie sie auch nicht kennen! Sie wissen nicht, wie das Ozonloch geschlossen werden kann. Sie wissen nicht, wie man Lachse in einen toten Fluss zurückbringt. Sie wissen nicht, wie man die ausgestorbenen Arten wiederbelebt. Und Sie wissen nicht, wie man Wälder zurückholt, die früher dort wuchsen, wo heute Wüste ist. Wenn Sie nicht wissen, wie sie etwas reparieren können, dann hören Sie bitte auf, es kaputt zu machen!

Das war die beste Rede während des Umweltgipfels in Rio. Friedensnobelpreisträger Al Gore

Hier mögen Sie zwar Delegierte Ihrer Regierungen, Geschäftsleute, Veranstalter, Journalisten oder Politiker sein, aber in Wirklichkeit sind Sie Mütter und Väter, Schwestern und Brüder, Tanten und Onkel - und Sie alle haben Eltern!

Ich bin nur ein Kind und doch weiß ich, dass wir alle Teil einer Familie sind, die 5 Milliarden Mitglieder, ja, sogar 30 Millionen Arten zählt. Grenzen oder Regierungen werden daran nichts ändern können.

Ich bin nur ein Kind und doch weiß ich, dass wir davon alle betroffen sind und als vereinte Welt zu einem gemeinsamen Ziel hinarbeiten sollten. In meiner Wut bin ich nicht blind, und in meiner Furcht habe ich keine Angst, der Welt zu sagen, wie ich mich fühle. In meinem Heimatland machen wir so viel Müll. Wir kaufen und werfen weg, kaufen und werfen weg, und doch sind die nördlichen Länder nicht bereit, mit den Bedürftigen zu teilen. Sogar, wenn wir Überfluss haben, haben wir Angst, ein Stückchen unseres Reichtums zu verlieren, haben wir Angst davor, zu teilen.

In Kanada leben wir ein privilegiertes Leben mit viel Essen, Wasser und einem Dach über dem Kopf - wir haben Uhren, Fahrräder, Computer und Fernseher. Als wir vor zwei Tagen mit ein paar Straßenkindern hier in Brasilien etwas Zeit verbracht haben, waren wir sehr schockiert. Eines der Kinder sagte zu uns: „Ich wünschte, ich wäre reich. Wenn ich reich wäre, würde ich allen Straßenkindern Essen, Kleidung, Medikamente, ein Zuhause, Liebe und Zuneigung schenken. Wenn ein Straßenkind, das nichts hat, dazu bereit wäre, zu teilen, warum sind wir, die wir alles haben, trotzdem so gierig?

Ich muss immer wieder daran denken, dass diese Kinder so alt sind wie ich, dass es einen unglaublichen Unterschied macht, wo man geboren wird, dass ich eines der Kinder sein könnte, die in den Favelas von Rio leben; dass ich eines der Kinder sein könnte, die in Somalia Hunger leiden; dass ich ein Kriegsopfer im Nahen Osten oder ein indischer Bettler sein könnte.

Ich bin nur ein Kind und doch weiß ich, was für ein wundervoller Ort diese Erde wäre, wenn all das Geld, das in Kriege gesteckt wird, für die Bekämpfung der Armut und Lösungen für die Umweltprobleme verwendet werden würde. In der Schule, sogar im Kindergarten, bringt Ihr uns bei, wie man sich in der Welt benimmt. Ihr lehrt uns, nicht mit anderen zu streiten, Probleme mit dem Kopf zu lösen, andere zu respektieren, unseren Müll zu beseitigen, keine anderen Lebewesen zu verletzen, zu teilen und nicht gierig zu sein. Warum um alles in der Welt tut Ihr dann genau die Dinge, die Ihr uns lehrt, nicht zu tun?

Vergessen Sie nicht, warum Sie an solchen Konferenzen teilnehmen und für wen Sie es tun - wir sind Ihre eigenen Kinder. Sie entscheiden genau jetzt, in was für einer Welt wir aufwachsen. Eltern sollten ihre Kinder beruhigen können, indem sie sagen: «alles wird gut», „das ist doch kein Weltuntergang“ oder „wir tun unser Bestes“. Ich glaube nicht, dass Sie das immer noch zu uns sagen können. Sind wir überhaupt noch auf Ihrer Prioritätsliste aufgeführt? Mein Vater sagt immer: «Du bist nicht, was du sagst, sondern was du tust.» Nun, was Sie tun, bringt mich nachts zum weinen. Ihr Erwachsenen sagt, ihr liebt uns. Ich fordere Sie auf, bitte lassen sie ihren Worten Taten folgen.

Danke, dass Sie mir zugehört haben.

Hat Severn mit dieser Rede etwas erreicht? Sechs Minuten Beifall und Tränen in den Augen einiger Delegierter. Noch am selben Wochenende entstand der Vorläufer des Kyoto-Protokolls (Protokoll zur Ausgestaltung des internationalen Klimabkommens).

Heute ist Severn Cullis-Suzuki 30 Jahre alt und immer noch für den Schutz der Erde aktiv und fordert unter anderem dies:

«Wirklich ökologischer Wandel hängt von uns selbst ab. Wir können nicht auf unsere „Anführer“ warten. Wir müssen uns auf unsere eigenen Verantwortlichkeiten konzentrieren, und darauf, wie wir echten Wandel wahr machen können. Die Herausforderungen sind riesig, aber wenn wir die Verantwortung des Einzelnen wahrnehmen und nachhaltig sinnvolle Entscheidungen treffen, werden wir an den Hürden wachsen und Teil einer positiven Flut des Wandels werden.»

Verstehen und danach handeln, das macht sie auch durch die Projekte deutlich, in die sie involviert ist: Skyfishproject und ROR, eine Willensbekundung der jungen Generation.

Und für uns von dein.gs heißt das: Wir müssen nicht nur handeln, sondern auch mehr darüber aufklären.

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Willkommen in Rio de Janeiro ...
Foto: cc nc-by svenwerk


hier ist immer ein Zimmer frei.
Foto: flickr.com Alicia Nijdam


«Tell the world», erschienen im Doubleday Canada


Severn Cullis-Suzuki bei einem Vortrag an der University of Alberta.
Foto: cc nc-by 2.5 von Nick Wiebe


Nicht zusehen, handeln!
Bild: Ruth Simmons

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Wow eine tolle Rede und wie aktuell =(

When you are little, it's not hard to believe you can change the world. I remember my enthusiasm when, at the age of 12, I addressed the delegates at the Rio Earth Summit. "I am only a child," I told them. "Yet I know that if all the money spent on war was spent on ending poverty and finding environmental answers, what a wonderful place this would be. In school you teach us not to fight with others, to work things out, to respect others, to clean up our mess, not to hurt other creatures, to share, not be greedy. Then why do you go out and do the things you tell us not to do? You grownups say you love us, but I challenge you, please, to make your actions reflect your words."

I spoke for six minutes and received a standing ovation. Some of the delegates even cried. I thought that maybe I had reached some of them, that my speech might actually spur action. Now, a decade from Rio, after I've sat through many more conferences, I'm not sure what has been accomplished. My confidence in the people in power and in the power of an individual's voice to reach them has been deeply shaken.

Sure, I've seen some improvements since Rio. In my home city of Vancouver, most people put out their recycling boxes. The organic grocery and café on Fourth Avenue is flourishing. Bikes are popular, and there are a few gas-electric hybrid cars gliding around. But as this new century begins, my twentysomething generation is becoming increasingly disconnected from the natural world. We buy our drinking water in bottles. We eat genetically modified organisms. We drive the biggest cars ever. At the same time, we are a generation aware of the world—of poverty and social imbalance, the loss of biodiversity, climate change and the consequences of globalization—but many of us feel we have inherited problems too great to do anything about.

When I was little, the world was simple. But as a young adult, I'm learning that as we have to make choices—education, career, lifestyle—life gets more and more complicated. We are beginning to feel pressure to produce and be successful. We are learning a shortsighted way of looking at the future, focusing on four-year government terms and quarterly business reports. We are taught that economic growth is progress, but we aren't taught how to pursue a happy, healthy or sustainable way of living. And we are learning that what we wanted for our future when we were 12 was idealistic and naive.

Today I'm no longer a child, but I'm worried about what kind of environment my children will grow up in. In Johannesburg the delegates will discuss the adoption and implementation of documents by governments. Yes, important stuff. But they did that at Rio. What this meeting must really be about is responsibility—not only government responsibility but personal responsibility. We are not cleaning up our own mess. We are not facing up to the price of our lifestyles. In Canada we know we are wiping out the salmon of the West Coast, just as we wiped out cod from the East Coast, but we continue overfishing. We keep driving our SUVs in the city, even though we are starting to feel the effects of climate change—a direct result of burning too much fossil fuel.

Real environmental change depends on us. We can't wait for our leaders. We have to focus on what our own responsibilities are and how we can make the change happen.

Before graduating from college last spring I worked with the Yale Student Environmental Coalition to draft a pledge for young people to sign. Called the Recognition of Responsibility, the pledge is a commitment from our generation to be accountable and a challenge to our elders to help us achieve this goal and to lead by example. It includes a list of ways to live more sustainably—simple but fundamental things like reducing household garbage, consuming less, not relying on cars so much, eating locally grown food, carrying a reusable cup and, most important, getting out into nature. (For the full text, go to www.skyfishproject.org.) Three friends and I will take the Recognition of Responsibility to Johannesburg, where we will meet with South African students and then present the pledge to the World Summit as a demonstration of personal commitment.

But in the 10 years since Rio, I have learned that addressing our leaders is not enough. As Gandhi said many years ago, "We must become the change we want to see." I know change is possible, because I am changing, still figuring out what I think. I am still deciding how to live my life. The challenges are great, but if we accept individual responsibility and make sustainable choices, we will rise to the challenges, and we will become part of the positive tide of change.

S. S.

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