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Deine Welt (Teil 2): CO2 & Co.

4. Oktober 2009 - 18:41

UNFCCC entlarvt Schuldige: CO2, CH4, N2O, HFCs, PFCs und SF6! Gesagt, getan, das CCS-Gesetz muss her. Nein, es handelt sich nicht um ein Lied der «Fantastischen Vier», sondern um die Treibhausgase und ein Gesetz, das die Emissionen verringern helfen soll.

Text von Lisa Roderer

Die Klimaveränderungen kann inzwischen jeder von uns spüren und sehen. So reicht z. B. der Wasserstand von kleineren Flüsse und Seen, die früher im Sommer genug kühlendes Nass zum Baden bereithielten, gerade mal noch bis zum Knie. Der Wind, egal zu welcher Jahreszeit, fegt mit Geschwindigkeiten über unser gesamtes Land, die man früher nur von der Nord- oder Ostseeküste oder aus Berichten aus dem fernen Ausland kannte. Erst in den letzten Wochen haben wir von den katastrophalen Zuständen in den Nationalparks in Afrika – starben dort wegen der langanhaltenden Dürre tausende von Tieren -, dem Sandsturm über Australien, dem Taifun bzw. Tsunami in Südostasien bis hin zu den Überschwemmungen von Sumatra oder Indien gehört. Schuld daran ist der Klimawandel ausgelöst durch den stetig ansteigenden CO2-Ausstoß. Begriffe wie das Kyoto-Abkommen (ein verbindliches Abkommen der Industrienationen zur Reduzierung des Ausstoßes von CO2, etc.) hat inzwischen sicher jeder schon oft genug gehört, oder gelesen und den damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Einhaltung der vertraglich vereinbarten Auflagen.

Die USA verursachen 23,8 %, die EU 14,3 %, und China 13,7 % der weltweiten Emissionen

Ein großer Druck liegt auf den Industriestaaten, die CO2-Emissionen bis 2012 drastisch zu senken. Deshalb sollte die deutsche Bundesregierung kürzlich per Eilantrag ein Gesetz zur Regelung von Abscheidung, Transport und dauerhafter Speicherung von Kohlendioxid erlassen. Doch warum dieses Gesetz kurz vor der Verabschiedung verhindert wurde und warum dies so unheimlich wichtig war, könnt ihr im Folgenden nachlesen.

Gegen Kohle mach ich alles!

... ist der nicht ganz umstrittene Werbeslogan der Greenpeace-Aktivisten in Mainz. Dort ist man seit Monaten recht erfolgreich darin, den Bau eines neuen Kohlekraftwerkes zu verhindern. Kohlekraftwerk? Gehören die nicht schon längst der Vergangenheit an? Hm, das dachte jeder, doch allen voran setzt die Vattenfall Europe AG - fünftgrößtes Energieunternehmen in Europa; der Vattenfall-Konzern befindet sich in schwedischen Staatsbesitz, die von der schwedischen Regierung beauftragt wurden, vorrangig in erneuerbare Energien zur Modernisierung der heimischen Stromwirtschaft zu investieren - in Deutschland dagegen auf die klimaschädliche Kohle. Nach 10 Jahren Forschung und Weiterentwicklung der CCS-Technologie präsentiert Vattenfall nun ein neues Konzept zum Klimaschutz – das Kohlekraftwerk. Warum Kohle? Weil wir davon genug für die nächsten 60 Jahre haben und weil die Zeit drängt, denn die anderen natürlichen Ressourcen werden knapp – Öl und Erdgas beispielsweise reichen nur noch um die 30 Jahre. Daher greift unsere Regierung verständlicherweise zu jedem Strohhalm, denn nur so können die Auflagen des Kyoto-Protokolls eingehalten und die Energieversorgung unseres Landes sichergestellt werden, meinen sie. Das Kohlendioxid mittels CCS-Technik (Carbon Capture & Storage = Abscheidung/Verflüssigung und unterirdische Speicherung von CO2) in Kohleflöze zu verpressen oder auf dem Meeresboden zu lagern, würde sprichtwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Doch gibt es einen Wermutstropfen, denn nach Vattenfalls eigenen Angaben ist die neue Technologie nicht nur sehr kostspielig, sondern zudem auch erst ab 2020 großtechnisch ausgereift. Zur Erinnerung: Beim Abbau von Ölsand in Kanada fallen ebenso Unmengen von CO2 an, deshalb forscht die University of Alberta schon seit Jahren in dieser Richtung, bisher jedoch ohne nennenswerten Erfolg. BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.), Greenpeace und nicht zuletzt jeder verantwortungsvolle Bürger stellten sich daher die berechtigte Frage: Warum sollte im Juni 2009 Hals über Kopf ein Gesetz verabschiedet werden, um die Abscheidung, den Transport und die dauerhafte Speicherung von Kohlendioxid zu regeln, wenn die Technik frühestens 2020 ausgereift ist?

CCS - Das Gesetz

Hier nur die wichtigsten Punkte: Es wird kritisiert, dass wesentliche Teile des neuen Gesetzes direkt aus der Feder von Vattenfall und RWE stammen sollen. Beanstandet wird vor allem, dass die per se auf Gewinne ausgerichtete Wirtschaft dem Staat – also uns allen – den Unternehmerwillen (Lobbyismus) aufdiktiere. Kritisiert wird außerdem, dass der Begriff „Speicherung“ irreführend sei, da es sich eindeutig um eine behälterlose Endlagerung von Kohlendioxid handle. Das heißt, man könne das so gelagerte CO2 weder überwachen (wie z. B. den Druck in einem Behälter oder Lecks) noch umlagern. Weiterhin regt sich Widerstand gegen das Eilverfahren, da mit der Ablagerung von Kohlendioxid im Untergrund absolutes Neuland betreten werden würde. Nicht nur aus der Sicht von Greenpeace, kann ein solches Gesetz – wenn überhaupt - nur für eine begrenzte Versuchsablagerung verabschiedet werden, damit so die notwendigen Erkenntnisse gesammelt und die Risiken besser berurteilt werden können. Außerdem wird stark angezweifelt, ob die Speicherpotenziale, d. h. die Gebiete in Deutschland, die dafür geeignet wären, länger als 50 Jahre ausreichen würden. Und natürlich muss man sich nicht wundern, dass in diesem Zusammenhang das Debakel um das radioaktive Endlager Asse wieder in Erinnerung gerufen wird. So wurde am 13.04.1965 von Geologen bescheinigt, dass die trockenen Salzstöcke der sicherste Tresor für Atommüll wären. Besonders dreist ist das, weiß man, dass bereits 1964 bekannt war, dass Wasser (ca. 700 Liter Lauge täglich, entspricht im Durchschnitt 5 Badewannenfüllungen) in die ehemalige Salz-Schachtanlage eindrang. Eben genau dort, wo anschließend der Atommüll versenkt wurde. Gefälligkeitsgutachten oder kurzfristige Wirtschaftsinteressen würden auch im Fall CCS eine geologische Zeitbombe etnstehen lassen, die dem Staat – also uns allen – zukünftig Kosten in Milliardenhöhe bescheren könnten.

Doch die inzwischen eingekehrte Ruhe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesetz dauerhaft vom Tisch ist.

Und dazu vielleicht noch ungenügend zum Klimaschutz beitrüge, weil das Gas doch wieder langsam aus dem Gestein entweichen oder schlimmer durch eine Explosion zu Tage treten würde. Was an der Gesetzesvorlage jedoch am meisten bemängelt wird, ist, dass bereits nach 20 Jahren die Verantwortung der Betreiber auf den Staat übergehen soll! Die genannten Punkte und jede Menge Druck durch den BUND und die Vetos zahlreicher Mitbürger führten dazu, dass das Gesetz vorerst gestoppt werden konnte. Doch die inzwischen eingekehrte Ruhe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesetz dauerhaft vom Tisch ist. Ein erneuerter CCS-Gesetz-Versuch, wird jetzt nach der Wahl erwartet. Aber vielleicht ist es ungerecht, dieses Gesetz vorschnell zu verurteilen, sehen wir uns deshalb die nun vielzitierten neuen Kohlekraftwerke etwas genauer an.

Kohle ist innovativ!

Bundesweit sind derzeit 33 Stein- und Braunkohlekraftwerke in Planung oder bereits in Bau, natürlich ohne CCS-Technik, weil diese ja noch nicht serienreif ist. So entstehen Mammutanlagen, die nicht nur 10 % weniger Wirkungsgrad erreichen, sondern auch 30 % mehr Kohle benötigen, um die gleiche Menge Energie zu erzeugen, wie die bestehenden alten Anlagen (die übrigens nicht mit der CCS-Technik nachgerüstet werden können). Die Folge sind also größere Kraftwerke mit mehr Kohlendioxid-Emissionen. Außerdem sollte an dieser Stelle auch mit dem Mythos aufgeräumt werden, dass Kohlekraftwerke mit CCS-Technologie kein CO2 in die Atmosphäre abgeben.

Unangenehmer Nebeneffekt: Die Atomlobby erhält für ihre «sauberen» Kraftwerke wieder mehr Zuspruch.

Denn auch das ist nicht ganz richtig, tatsächlich ist der Ausstoß zwar um 70 % geringer (2020 mit CCS), im Moment jedoch durch das Plus beim Ressourcenverbrauch sogar noch höher! Der gestiegene Verbrauch führt seinerseits dann zum Anstieg größerer Mengen an gesundheitsschädlichen Stoffen, wie z. B. Feinstaub, in der Luft, von der zusätzlichen Wärmeentwicklung einmal ganz abgesehen. Viele Bürger und Verbände sind nicht von der Kohle und der CO2-Speicherung angetan und haben vielfach ihrem Ärger Ausdruck gegeben, doch hatte dies einen unangenehmen Nebeneffekt: Die Atomlobby erhält für ihre «sauberen» Kraftwerke wieder mehr Zuspruch.

Speicherung oder auch Sequestrierung

Das kann auf verschiedene Arten geschehen, CO2 in gasförmiger Form verpresst in Kohleflözen oder in Sedimentschichten in einer Tiefe ab 800 m, die mit Salzwasser gefüllt sind. Solches Gelände ist in Deutschland relativ selten und könnte für Emissionen aus deutschen Kraftwerken für höchstens 50 Jahre reichen, die Nutzung für geothermische Kraftwerke (Tiefenwärme aus der Erde) würde dadurch allerdings unmöglich gemacht. Auch eine biologische Sequestrierung als Biomasse könnte in Erwägung gezogen werden. So könnte mann das Kohlendioxid z. B. zu Biokoks oder Schwarzerde binden oder in flüssigem Zustand auf dem Meeresboden lagern bzw. das unter dem Meeresboden lagernde Methanhydrat (Eis, das Methangas enthält) gegen gefrorenes CO2 mittels Konvertierung «auszutauschen».

Letzteres hat uns neugierig gemacht. Deshalb haben wir uns mit dem Pressesprecher des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften unterhalten. Dazu aber mehr im nächsten Teil von Deine Welt.

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Das Steinkohlekraftwerk Altbach stößt z. B. im Jahr 2,6 Millionen Tonnen CO2 aus.
Foto: cc by von Ian Britton


Eine Tonne CO2 in schicker Verpackung.
Foto: cc by von Det Danske Spejderkorps


Durchschnittlicher jährlicher CO2-Ausstoß eines Zwei-Personen-Haushaltes.
Mit freundlicher Genehmigung des IKEE


Schaubild zur Verdeutlichung der CCS-Sequestrierung.
Mit freundlicher Genehmigung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

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jetzt ist es also raus: Die Laufzeitverkürzung soll aufgehoben werden und am sauberen Atomstrom wird festgehalten. Die positive Nachricht ist: Die Hälfte des Gewinns soll in die Förderung von erneuerbaren Energien gesteckt werden ... Wenn es um Lagerstätten für den anfallenden Müll geht, würde ich die Privatgrundstücke der Verantwortlichen vorschlagen, wenn sie doch so am Uran hängen :o)

Seit der Artikel online ist - und die Wahl vorbei - gibt es auf Youtube keine Videos mehr zum Thema CO2, CCS-Sequestrierung etc.! Gut ein paar englischsprachige gibts schon noch und eines mit dem Thema Klimalüge ... Hat die deutsche Politik Einfluss auf Youtube? Man könnte es schon meinen!

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