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Let's green, baby!

9. Februar 2010 - 22:42

Etwa 30 Londoner sind dem Aufruf gefolgt, um wieder einmal aktiv zu werden. Ihr gemeinsamer Nenner ist die Enttäuschung über die Stadtverwaltung, die die öffentlichen Grünflächen ihrer Meinung nach äußerst unzureichend pflegen. Doch Kritiker reagieren, indem sie die Sache einfach selbst in die Hand nehmen.

Text von Stefan Meyer

Ausgestattet mit Pflanzen, Samen, Gießkannen und Spaten ziehen sie los, um ein Zeichen gegen die zunehmende Trostlosigkeit ihrer Umgebung zu setzen. Damit ihr urbanes Umfeld endlich ergrünt, ist reden nicht mehr angesagt, sondern nur noch handeln. Hier eine verwahrloste Verkehrsinsel, dort ein verdorrter Seitenstreifen: Die Freizeitgärtner beheben die Problemzonen ihrer Lebensumgebung selbst. Ein Einzelner kann zwar nur wenig ausrichten, doch zusammen in der Gemeinschaft lassen sie die Straßen ergrünen. Ihr soziales Engagement bleibt auch keineswegs unerkannt. Passanten bleiben stehen, zollen der Gruppe ihren Respekt, entschließen sich zu einer kleinen Spende für neue Pflanzen oder mischen im Idealfall sogar spontan selbst mit. Nach der Schufterei wartet dann eine besondere Belohnung auf die Aktivisten. Die Straßen erblühen jetzt, ab sofort können sich alle an der Farbenpracht der Pflanzen erfreuen und das triste Grau vergessen. London ist ein Stück schöner geworden.

Sollte die graue Umgebung ohne Farbtupfer auskommen müssen? Natürlich nicht.


Einer der notorischen Weltverbesserer, wie sie manchmal von Spöttern bezeichnet werden, ist an diesem Abend sogar noch ein Stück stolzer als die anderen. Und er hat guten Grund dazu, denn Guerilla Gardening boomt. Immer mehr schließen sich der Bewegung an, auch diesmal waren wieder einige neue Gesichter unter den Stadtverschönerern zu finden. Richard Reynolds darf zu Recht stolz sein, vor allem, wenn er an die Anfänge des Guerilla Gardening zurückdenkt.

Eine sonderbare Erfolgsgeschichte

Als Reynolds vor ein paar Jahren seine neue Wohnung in einem Londoner Hochhaus bezog, hat sicherlich noch niemand darin ein Ereignis von weitreichender Bedeutung gesehen. Auch er selbst hatte zunächst einmal gegen Einschränkungen zu kämpfen. In seiner Wohnung war es nicht möglich Blumenkübel aufzuhängen, was dem Naturfreund gewaltig gegen den Strich ging. Sollte die graue Umgebung ohne Farbtupfer auskommen müssen? Natürlich nicht. Ungewöhnliche Menschen finden ungewöhnliche Lösungen und so erwies sich der verkümmerte Blumenkübel vor dem Haus als Ersatzgarten. Ganz auf den Genuss der Natur verzichten wollte er eben doch nicht, und so fand ein Sommerflieder in diesem Kübel sein neues Zuhause. Zumindest kurzzeitig, denn nach ein paar Tagen schien einem Passanten die Pflanze so gut zu gefallen, dass er sie spontan pflückte. Allzu sehr verärgert über diesen Vorfall konnte Reynolds aber nicht sein, zu sehr war er von seiner neuen Passion ergriffen. Mit ungebremster Leidenschaft vergrößerte sich sein Wirkungskreis schon bald von dem Blumenkübel auf die naheliegende Verkehrsinsel und die Seitenstreifen. Sein ungewöhnlicher Beitrag sorgte schon bald für Aufsehen, ein russischer Zeitungsjunge wurde der erste Unterstützer, bevor sich auch andere Mitbürger ihm anschlossen. Heute darf er längst in neuen Dimensionen arbeiten, sein Helfersnetz hat sich auf 300 ständige Helfer ausgeweitet, die große Anzahl der Sympathisanten und Spontanhelfer nicht mitgerechnet.
Synchron mit der wachsenden Anzahl der Unterstützer steigt auch der Bekanntheitsgrad enorm. Große Tageszeitungen, national und international, sowie große TV-Sender haben sich der ungewöhnlichen Idee längst angenommen und somit für globale Aufmerksamkeit gesorgt. Mittlerweile finden sich weltweit Menschen, die von dem Grundgedanken fasziniert sind und ihn weitertragen wollen, dem Gedanken von grünen Städten.

Farbenpracht statt Tristesse

Es ist sehr schwer, dabei alle Motivationen und Motive der vielschichtigen Bewegung unter einen Hut zu bringen. Schon die Namensgebung stellt einen komplizierten Sachverhalt dar.
Im Viertel Elephant and Castle mag vielleicht der Grundstein des neuen Guerilla Gardening gelegt worden sein, schon vorher wurde es jedoch an anderer Stelle ganz unbewusst praktiziert. In den Vereinigten Staaten gibt es bis heute Gemeinschaftsgärten, die sogenannten Community Gardens. Dabei nehmen sich vor allem ärmere Bürger dem Zustand verkommener Grundstücke in den Ghettos an und verwandeln sie ihn blühende Paradiese. Auch in Deutschland, sowohl in der BRD als auch in der DDR, wurden in verkümmerten Hinterhöfen kleine Gärten angelegt. Meist gehörten die Grundstücke den Gärtnern jedoch nicht, so dass sich in den USA dafür der Begriff Guerilla Gardening fand. Das Guerilla symbolisiert dabei zum einen die rein gesetzmäßig betrachtete Illegalität ihrer Aktivität und zugleich die Entschlossenheit, mit der sie sich dem Kampf gegen die Trostlosigkeit der Straßen verschrieben haben. Es gehört viel Mut dazu, sich für den Zustand eines fremden Grundstückes mit so viel Hingabe einzusetzen und dabei nicht nur viele körperliche Anstrengungen zu investieren, sondern das schon so knappe Budget durch die Ausgaben für Samen und Pflanzen noch einmal zu schmälern.
Größeres internationales Interesse verursachte eine Gemeinschaftsaktion im Jahr 2000 schon einmal: Damals trafen sich politische Aktivisten vor dem Londoner Parliament House, gruben den Rasen davor um und pflanzten stattdessen Blumen. Die Aktion blieb jedoch einmalig und verschwand ebenso schnell aus den Zeitungen wie die Blumen von dem Grundstück.
Die neue Bewegung möchte dauerhafter sein. Sie möchte nicht nur kurze Akzente setzen, sondern dauerhafte Veränderungen herbeiführen. Ihren Visionen zufolge sollten die Bürger sich selbst erheben und dem grauen Alltag der Großstädte ein Ende setzen. Somit ist sie eine Art grüne Revolution: Der Bürger soll sein Lebensumfeld selbt gestalten können, soll mit der Natur leben. Sehr idealistisch, aber nicht unmöglich.Ganz im Gegenteil. Denn Guerilla Gardening ist so einfach, dass dieses utopisches Ziel irrsinnnigerweise Zukunft haben könnte.
Sollen heute große Massen angesprochen werden, so muss man sich an den Bedürfnissen und Sehnsüchten orientieren. Der heutige Durchschnittsbürger in den großen Industrienationen besitzt zwar ein schlechtes Gewissen, weil er praktisch tagtäglich mit den drohenden Konsequenzen der Erderwärmung konfrontiert wird, er kann sich jedoch nur bedingt zu aktiven Gegenmaßnahmen aufraffen. In dieser Hinsicht ist er sehr träge, und sollte er doch einmal etwas für den Umweltschutz tun, so sollte das möglichst viel Spaß machen, auf keinen Fall anstrengend sein oder große Einschnitte bedeuten, sofort Resultate zeigen und möglichst einfach sein. Kein Wunder also, dass die Atomkraftwerke immer noch laufen und man auf Öl statt der Solarenergie setzt. Doch Guerilla Gardening ist da anders. Das schlechte Gewissen wird beim Anblick der gepflanzten Blumen sofort besänftigt und kann von dieser Arbeit auch noch lange zehren, denn die Pflanzen bilden ein langfristiges Denkmal für den eigenen Einsatz. Gärtnern kann wirklich jeder, es ist nicht besonders anstrengend, kann aber auch viel Spaß machen. Es ist auch die eierlegende Wollmilchsau der Umweltschutzaktivitäten. Nicht zuletzt deswegen lernen immer mehr Menschen weltweit die Bewegung kennen.

Die Fühler des Kommerz

Doch von diesem Umstand wollen natürlich die Konzerne auch profitieren. Was wäre das, wenn man sein Produkt neben diesem grünen Trend platzieren und somit sein Image reinwaschen könnte? Ein geschickter Schachzug. Und genau das hat ein großer europäischer Sportschuhhersteller auch vor; in Kinospots lässt er seine neue Öko-Schuh-Linie neben Guerilla-Gärtnern platzieren.
Reynolds geht das natürlich gewaltig gegen den Strich. Seine grüne Revolution soll vor allem auch durch seine Besonderheit und seine Originalität leben und der Gesellschaft nutzen, anstatt der profitorientierten Wirtschaft. Es soll also den Menschen nutzen und nicht der Sucht nach Rendite. Wenn man ihn dementsprechend auf den Spot anspricht, reagiert der ansonsten sehr besonnen und ruhig wirkende Naturfreund verärgert. Ihm passt so einiges dabei nicht, schon angefangen bei der Darstellung selbst. Guerilla Gardening wird dabei nach seinem Geschmack zu sehr idealisiert, weitaus aufregender und spannender gemacht, als es in Wirklichkeit ist. Es ist vollkommene Fiktion, dass ein Stadtverschönerer seine Zielobjekte vorher heimlich observiert. Kein normaler Stadtverschöner wird sich Szenen wie aus Agentenfilmen bedienen, sondern den ausgewählten Platz ohne große Heimlichkeit zielstrebig ansteuern. Guerilla Gardening besteht außerdem auch aus einer Prise Spontanität, wenn einem plötzlich ein Schandfleck ins Auge sticht, dann werden dafür nicht erst Absprachen eingehalten, sondern einfach gepflanzt.

Natürlich muss die Werbeindustrie an einigen Stellen mit dem goldenen Pinsel malen, damit die Schuhlinie ein aufregendes Bild erhält und in der Folge so erfolgreich wie möglich vermarktet werden kann. Dabei sind Sie jedoch weit über das Ziel hinausgeschossen.
Abgesehen von der Darstellung selbst erregt auch noch die fehlende Anständigkeit des Unternehmens Verärgerung. Die Lichtgestalt Reynolds wurde praktisch übergangen, und als man sich dann doch entschloss, ihn zu kontaktieren, ging es nur um die Suche nach passenden, gutaussehenden jungen Darstellern, die das beste Bild erzeugen können, anstatt ihn irgendwie um eine Absprache zu bitten. Rein rechtlich betrachtet hat Reynolds natürlich keinen Anspruch auf irgendwelche Rechte am Guerilla Gardening, das Unternehmen sollte jedoch gründlich hinterfragen, ob es wirklich moralisch einwandfrei ist, ihren Werbespot als eine Art Reportage über die Bewegung darzustellen ohne in irgendeiner Hinsicht vorher den Anführer um Einschätzungen oder Erlaubnis zu bitten und somit auch die Authentizität zu wahren.

Die Lichtgestalt

Man kann auch keineswegs behaupten, Reynolds sei nur ein einfacher Gärtner, der keine Ahnung von den medialen Dingen habe. Als Werbefachmann weiß er sehr wohl, welche Gefahren und Chancen die medialen Mögllichkeiten bieten. Dementsprechend vorsichtig und wohlüberlegt versucht er, das Schiff Guerilla Gardening als Steuermann durch die Gefahrenzone zu bringen.
Ein Beispiel für seine Kompetenz in diesen Dingen ist das Blog GuerillaGardening.com. Schon früh erkannte der Brite die Möglichkeiten des Internets für seine Bewegung und setzte sie erfolgreich ein.
Zu der Zeit, als der Internetauftritt entstand, war Bloggen noch nicht so verbreitet wie heute. Allerdings ließ sich schon damals für die Kenner der Materie der große Erfolg dieser neuen Welle erkennen. Auch sprang er auf und vermachte seiner Bewegung eine Plattform, von der sie auch heute noch ungemein profitiert. Der Besucher kann sich dabei nicht nur über Guerilla Gardening informieren, sondern sich im eigenen Forum auch noch mit Gleichgesinnten zu Aktionen verabreden. Es ist sehr mühselig und aufwändig, jedem Interessenten in der realen Welt das gesamte Handwerk zu erklären, dank des Web 2.0 erledigt sich diese Aufgabe aber praktisch von selbst.
Manche Dinge kann er beeinflussen, manchen muss er hingegen ohnmächtig gegenübertreten. Reynolds hat einen Stein ins Rollen gebracht, die Lawine kann er aber nicht mehr steuern. Die alleinige Kontrolle verschwindet, stattdessen liegt die Verantwortung auf mehr und mehr Schultern. Vielleicht ist es ganz gut so, dass der Vater nicht mehr die alleinige Spitze bildet. Denn auch bei Richard Reynolds scheint nicht alles Gold zu sein, was glänzt. Kritikern macht vor allem seine Ausnahmestellung Sorgen.
Zweifellos gebührt dem Gründer eine gewisse Ehre und Aufmerksamkeit. Nur ist sie im Falle Reynolds möglicherweise etwas zu extrem. Sobald über Guerilla Gardening gesprochen wird, wird auch über seine Person gesprochen. Daraus resultiert ein großes öffentliches Interesse, das durch die unzähligen Beiträge, sei es im Rundfunk, Fernsehen oder in den Zeitungen gestillt wird. Problem dabei: Erfolg verdirbt.
Auch die Lichtgestalt der Szene ist nur ein Mensch und hat dementsprechend seine Schwächen. Vor allem bereitet den Kritikern Sorgen, wann Reynolds das Wohl der Bewegung hinter das Wohl seiner eigenen Person stellt. Das Interesse weckt Ruhm, der Ruhm Begehrlichkeiten. Reynolds hat alles, was der Mensch zur Selbstinszenierung braucht: Ein williges Publikum, dessen Interesse nicht abbricht, und das nötige Know-How. Als Werbefachmann ist es sein Job, Produkte ins rechte Licht zu stellen. Er weiß, wie man inszeniert. Wer die Erfolgsgeschichte mit einer gesunden Portion Skepsis verfolgte, dem erschien sie zu Recht etwas geschönt. Es erscheint etwas zu schön, dass ausgerechnet ein armer Migrant sein erster Unterstützer wird. Es wirkt inszeniert, dass er immer noch in jenem Hochhaus in Elephant and Castle wohnt, obwohl er mittlerweile schon so viel Gewinn hätte herausholen können, dass er in eine bessere Gegend zieht. Nein, Richard Reynolds ist sicher kein selbstloser Ritter, der brav hinter dem Grundgedanken der Bewegung steht und selbst leer ausgeht.Ob er aber nun ein rein profitorientierter Strippenzieher ist, muss ebenfalls bezweifelt werden. Die Wahrheit liegt bekanntlich immer irgendwo in der Mitte, auch hier ist es nicht anders.

Chancen und Entwicklungen

Auch wenn das Bild des selbstlosen Vaters geschönt ist: Guerilla Gardening profitiert immer noch ungemein von ihrem Mann an der Spitze, unabhängig davon, ob der Vater auch selbst von seinem Kind profitieren sollte. Beide haben eine Art Bündnis geschlossen, das beiden nutzt. Wieso sollte es auch auch nicht mit dem Kommerz klappen?
Natürlich schickt es sich für eine Revolution nicht, mit dem Mainstream gemeinsame Sache zu machen. Umso unabhängiger und origineller, umso besser. Viele Bewegungen haben jedoch nie den Sprung dorthin gewagt, weshalb sie am Ende untergingen. Man kann keine großen Veränderungen bewirken, ohne die Menge auf seine Seite zu ziehen. Dass dabei nicht alles unverfälscht und im ursprünglichen Sinne bleiben kann, ist klar. Auch die Grünen mußten sich anpassen, damit sie in der Welt der deutschen Politik bestehen können. Integrationsfeindliche Fremdlinge hätten nur wenig bewirken können, aber so können Sie immer wieder für die Rechte der Natur einsetzten. Auch Guerilla Gardening sollte sich deshalb der großen Masse nicht verschließen, sondern sie mit offenen Armen empfangen. Beide sind füreinander geschaffen, und beide müssen zusammenkommen, damit die Welt grüner wird.
Der Kommerz, der natürliche Feind des Authentischen, kann dabei zum ungeahnten Hilfsmittel werden. Denn ist es wirklich schlecht, wenn in den Kinos Guerilla Gardening als Zugpferd verwendet wird? Eigentlich nicht. Wichtig ist primär, dass der Name verbreitet wird. Und sobald man dafür sorgt, dass man bei näherer Recherche auf den wahren Kern des Urbangärtners stößt, eigentlich kann das nur gut sein. Der Firma wird viel daran liegen, dass die Kampagne verbreitet wird - und dabei zwangsläufig auch selbst Guerilla Gardening.
Was aber wird die Zukunft bringen? Wenn sich die Bewegung den neuen Entwicklungen nicht verschließt und immer so authentisch wie möglich bleibt, dann kann sie viel erreichen. Das Ziel grüner Städte kann irgendwann erreicht werden, wenn man sich immer wieder in kleinen Schritten vorarbeitet. Wichtig ist, dass sich auch in anderen Ländern neue Führungspersönlichkeiten herausbilden, welche die Grundidee der guten Sache weitertragen und die grüne Revolution weiterentwickeln. In Deutschland selbst ist die Szene bisher sehr überschaubar, da muss sich noch viel tun. Wer weiß, vielleicht wird ja die Vision Wirklichkeit: Die friedliche Koexistenz zwischen Natur und Mensch, ausgerechnet in den Großstädten.

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alter wie alt bist du? das ist nicht normal schon so gut zu schreiben,wie lange hast du gebraucht? Welklasse 10 p oder so^^

Netter Artikel, brav recherchiert. Zwar ist die Geschichte eher schon ein alter Hut, schließlich gab und gibt es gerade in Deutschland bzw. deutschen Großstädten genug Menschen - meist Rentner - mit grünem Daumen oder entsprechender Lebenseinstellung, die ganz ohne Gedanken an Kommerz, quasi aus reiner "Nächstenliebe", Baumscheiben bepflanzen, Unkraut jäten oder in trockenen Sommern auch noch auf ihre Kosten gießen.
(Nur ein Beispiel: http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/verwaltung/org/natur/ba...)

Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

Höchst politisch, höchst gesellschaftskritisch? Hm, ich denke du hast etwas gegen Revoluzzer! Und das kann und werde ich nicht gutheißen!

Hör' dir den Song einfach mal an und überlege mal haarscharf, was diese Welt ohne Spinner (Revoluzzer werden gemeinhin gerne so bezeichnet) wirklich wäre: http://www.youtube.com/watch?v=kR4MI_8WIrw

Außerdem, wer seine Ziele oder Visionen aufgibt, gibt nicht nur die Sache an sich auf, sondern vor allem sich selbst!

Leider ist das ganz dünnes Eis, auf das Sie mich jetzt hier führen, verehrte Pandora. Es ist sehr einfach auf eine konstruktive, sachliche Kritik neutral zu antworten, allerdings ist es deutlich schwieriger auf eine persönlich gewordene Kritik so zu reagieren, dass man sich nicht selbst auf dieses Feld begeben muss.

Am Besten beginne ich deshalb auch mit einem Lächeln, der einzig vernünftigen Antwort auf die Frage "Schlecht drauf?". Definitiv: Nein, ich fühle mich blendend (übrigens auch unterhalten). Allerdings finde ich es sehr gewagt und auch ein Stück weit zu kurzsichtig, fremde Standpunkte einfach auf temporäre Gemütszustände zurückzuführen.

Wie Sie richtig beobachtet haben, publizieren auf dein.gs (vor allem) Schüler des GCE. Höchstwahrscheinlich sind Sie selbst ja auch Teil unserer Schulfamilie, auch wenn ich nicht über sie mutmaßen will, denn sie werden nicht ohne Grund einen fremden Benutzernamen genommen haben.
Vielleicht haben Sie auch bemerkt, dass die Gymnasiasten längst keine Kinder mehr sind. Meines Wissens wurde dann aber bereits ein Alter erreicht, in dem man von einem reifen und gefestigten Charakter ausgehen darf. Dieser kann auch einmal unvoreingenommen ein Thema angehen und es auch weitgehend sachlich über die Bühne bringen, ohne dafür in einer besonderen Stimmung sein zu müssen.

Der Charakter ist im besten Falle dann auch so weit entwickelt, dass er sich nicht mehr nur vom schöne Schein blenden lässt, sondern auch einmal hinter die Fasse blicken kann. Die von ihnen angenommene Voreingenommenheit meinerseits gegenüber Revoluzzern ist deshalb in Wirklichkeit eine grandiose Fehlinterpretation. Vermutlich meinen Sie, das meine Distanz Ablehnung bedeutet, doch ich sehe es eher als Neutralität an, die ich den Lesern schuldig bin. Im Gegenteil, ich muss sogar eine kleine Schwäche für Innovationen, Rebellen und Revolutionen zugeben, denn nur durch frische Ideen und Meinungen kommt es nicht zu einem Stillstand, sondern so wird der Fortschritt gewährt.
Nur hat uns die Geschichte gelehrt, dass hinter einen revolutionären Bewegung, die auf einer wunderbaren Idee basiert, nicht unbedingt auch ebenso wunderbare Personen stecken können. Deshalb ist es - auch für die Idee selbst - nur gut, wenn man die Aufmerksamkeit auch auf mögliche Missstände richtet und nicht nur jubelnd und geblendet durch die Straßen läuft. So hätte man der Welt sehr viel Leid ersparen können, und deshalb sehe ich das gründliche Hinterfragen und Reflektieren als eines der wichtigsten Pflichte in der heutigen Gesellschaft an.
Da ist es schon seltsam, wenn sie nun mit dem Lied einer besseren 08/15-Indieband antworten, die aber wirklich gar nicht revolutionär, sondern absolut mainstream ist. Daraus könnte man nur mal wieder erkennen, wie sehr die Revolution und das Anderssein doch in unserer Gesellschaft angenommen und salonfähig geworden ist. Aber nun gut, das Leben ist nun einmal widersprüchlich.

Übrigens: Für mich ist eine gründliche Recherche keine Frage eines "braven" Verhaltens, sondern eine absolute Notwendigkeit. Schließlich möchte ich qualitative Beiträge produzieren und mir sicher sein, dass ich in keine Fettnäpfchen trete. Seien sie also sicher, dass ich über die Berliner Rentner bereits Bescheid wusste und im Text auch Hinweise auf meinen Kenntnisstand enthalten sind. Dafür müsste man aber - und diese Spitze muss ich mir einfach erlauben - unglücklicherweise eben auch den gesamten Artikel gelesen haben. Jedenfalls hoffe ich, dass sie zumindest meinen Kommentar nun ganz lesen und ihn auch nachvollziehen können.

Vielleicht kommen wir ja doch noch zu fruchtbaren, höflichen und angeregten Diskussion.

Ste(fan): Vielleicht haben Sie auch bemerkt, dass die Gymnasiasten längst keine Kinder mehr sind. Meines Wissens wurde dann aber bereits ein Alter erreicht, in dem man von einem reifen und gefestigten Charakter ausgehen darf. Dieser kann auch einmal unvoreingenommen ein Thema angehen und es auch weitgehend sachlich über die Bühne bringen, ohne dafür in einer besonderen Stimmung sein zu müssen.

Pandora: Sprüche wie „alter wie alt bist du? das ist nicht normal schon so gut zu schreiben, wie lange hast du gebraucht? Weltklasse 10 p oder so^^“ bringen dich scheinbar nicht aus der Fassung … Aber wieso ein Kommentar von mir? Weil du ein Gymnasiast mit reifem und gefestigtem Charakter – höchstwahrscheinlich gerade mal um die 16 bis 17 Jahre alt - bist? Und keinerlei Art von Kritik vertragen kannst? Wow, das alleine wäre schon Stoff für eine nichtendendwollende Diskussion über die Pubertät, auf die ich jedoch wirklich keine Lust habe.

Ste(fan): Wie Sie richtig beobachtet haben, publizieren auf dein.gs (vor allem) Schüler des GCE. Höchstwahrscheinlich sind Sie selbst ja auch Teil unserer Schulfamilie, auch wenn ich nicht über Sie mutmaßen will, denn Sie werden nicht ohne Grund einen fremden Benutzernamen angenommen haben.

Pandora: Heißt das jetzt, dass ich endgültig draußen bleiben muss?! Na da muss ich dich enttäuschen, das hat schon Xanon vergebens probiert! Ich werde bleiben, egal ob es dir gefällt oder nicht.
Und bitte ist es nicht Usus, dass man sich in den vielfältigen Foren des globalen Netzes mit einem Nicknamen anmeldet, wieso wird mir das jedes Mal wieder angekreidet? Hast du etwa Angst, ich könnte deiner schulischen Karriere in irgendeiner Weise abträglich sein? Außerdem weiß ich nicht, warum du mich respektvoll siezst! Ich tue das schließlich auch nicht und habe es auch nicht vor.

Ste(fan): Die von Ihnen angenommene Voreingenommenheit meinerseits gegenüber Revoluzzern ist deshalb in Wirklichkeit eine grandiose Fehlinterpretation. Vermutlich meinen Sie, das meine Distanz Ablehnung bedeutet, doch ich sehe es eher als Neutralität an, die ich den Lesern schuldig bin.

Pandora: Fehlinterpretation würde ich es nicht nennen, denn gibt der letzte Punkt deines langen Artikels m. M. n. nur deine eigene Meinung wieder. Und wenn ich darauf mit dem Lied einer besseren 08/15-Indieband antworte, dann nicht, weil die Gruppe an sich eine Rolle spielt oder ihr ganz nettes Video, sondern ist es explizit der Inhalt ihres zugegeben einfach gehaltenen Liedes, den man erfassen sollte. Revolution kann nämlich Vieles sein – z. B. auch das Verfassen von Artikeln für dein.gs :o)

Und diese Spitze sei auch mir erlaubt: Qualitativ hochwertige Beiträge zu verfassen und zu publizieren schließt leider niemals aus in Fettnäpfchen zu treten! Gott sei Dank!

Und wie du dir vielleicht schon denken kannst, wird es niemals zu einer höflichen, aber sehr wohl zu einer angeregten Diskussion kommen – fruchtbar möchte ich wohlwissend in diesem Kontext lieber weglassen ;o)

Natürlich will Sie hier niemand vertreiben, liebe Pandora, im Gegenteil, ich will ihre Spitzen und ihre Kritikfreude wirklich nicht missen. Bedauerlich finde ich hingegen ihre Haltung, so wird es wohl tatsächlich nicht zu einer fruchtbaren Grundlage kommen. Das hohe Ross, auf dem Sie es sich bequem gemacht haben, ist allerdings ein gefährlicher Platz, man kann sehr leicht und sehr tief stürzen.

Dessen scheinen Sie sich allerdings auch durchaus bewusst zu sein, Sie erweisen sich in dieser Hinsicht ja als ein geübter Reiter bzw. als ein passionierter Querulant. Bevor Sie mir an dieser Stelle nun wieder Antipathie vorwerfen wollen: Ich habe eine Vorliebe für solche Charaktere, ebenso wie für Revoluzzer. Zumindest ich habe also wirklich kein Problem mit Ihnen.

Als kleine Lebensweisheit würde ich Ihnen trotzdem gerne eine Figur von Heinrich Hoffmann, pikanterweise ein Kinderbuchautor, ans Herz legen: Hans-Guck-In-Die-Luft. Denken Sie einen Moment darüber nach, vielleicht schenken Sie Herrn Hoffmann mehr Gehör als einem Kind.

Die Schiene zwischen Kritikunverträglichkeit und pubertärer Ahnungslosigkeit ist, das muss ich mit aller Bestimmtheit sagen, wirklich zu einfach, das dürften Sie selbst hoffentlich auch einsehen. Selbstverständlich ist mir bewusst, dass eine ernsthafte und selbstverständlich auch negative Kritik mir mehr Möglichkeiten zum Fortschritt eröffnet als die Aussage ihres Vorredners. Ich kann ihnen versichern, dass Sie mich damit nicht von Wolke Sieben heruntergeholt haben. Natürlich mussten sie diese Spitze aber unterbringen, dafür habe ich vollstes Verständnis, auch wenn ich enttäuscht bin, dass Sie sich solcher Mittel bedienen.

Hast du etwa Angst, ich könnte deiner schulischen Karriere in irgendeiner Weise abträglich sein?
Dieser Punkt ist wieder einem Lächeln wert. Hoffentlich muss ich Sie nun nicht enttäuschen, wenn ich ihnen sage, dass Sie es nicht zu meinem Feindbild (falls so etwas überhaupt existiert)gebracht haben, der mir unangenehm werden könnte. Ich sehe die Mitarbeit in der Schülerzeitung viel mehr als eine Freizeitbeschäftigung und eine weitere Übung für das spätere Berufsleben, statt dass es irgendeinen besonderen schulischen Wert hat. Würden Sie einen nähreren Einblick in den schulinternen bzw. redaktionellen Alltag haben, dann dürfte ihnen auch klar werden, dass die Sicht auf die Dinge schon bedenklich grenzwertig getrübt sein müsste, dass es zu so einer Einstellung kommt. Zumal es sich nicht einmal um eines meiner Hauptprojekte handelt, ebenso wie Sie bin ich im Internet an mehreren Stellen unterwegs und aktiv - weswegen ich natürlich auch kein Problem mit dem Usus in der Netzwelt habe.

Beim letzten Punkt handelt es sich um ein Fazit, natürlich spielt hier meine Meinung mit hinein. Trotzdem kann ich keinen Hinweis auf meine Abneigung gegenüber den Revoluzzern erkennen, vielleicht wollen Sie mir da ja auf die Sprünge helfen.

Übrigens: Mein Alter haben sie um einen kleinen Tick überschätzt, ich erreiche erst in guten einem Monat den Bereich, in dem sie mich wähnten. Wie sie das auslegen, ist natürlich ganz ihre Sache. Und das Siezen: Nun, das halte ich für eine respektvolle Umgangsart im Internet, die mir bei schweizerischen Blogs aufgefallen ist. Eine kleine Marotte, die Sie hoffentlich nicht stört, zumal es traditionell ja ein Ausdruck von Respekt ist.

Jetzt bin ich aber wirklich neugierig geworden ... Mit welchen Themen beschäftigst du dich denn sonst so?

Mit Hans-Guck-In-Die-Luft kann ich leben, aber nur, wenn es um neue bzw. andere Perspektiven geht! Und die Worte "traditionell" und "Respekt" sind mir zu altbacken. Wenn du mich siezen willst, ist das in Ordnung, aber dennoch unnötig, Und das mit dem "Fruchtbar" wird noch eher Realität als du vielleicht annimmst, wenn auch auf eine ganz spezielle Weise :o)

Die Fragestellung lässt schon einmal das Allerschlimmste befürchten, aber bitte, wenn Sie es wünschen: Mein Interessengebiet ist sehr weit gespannt und schließt praktisch nichts aus, den Schwerpunkt würde ich jedoch bei Literatur, Politik, Medien und vor allem Sport setzten. Nun bin ich aber gespannt. Am liebsten würde ich jedoch die Fragestellung wieder von meiner Person wegrichten, hin zu ihren Standpunkten: Mich würde nämlich sehr interessieren, welche Revoluzzer Sie denn bewundern, wenn Sie ihre Gattung schon so vehement verteidigen möchten.

__________________________________________________________________________________________________________
Sie entschuldigen hoffentlich, wenn ich diesmal nur mühsam über den Witz lachen kann, dieser war nun wirklich etwas schwach. Haben Sie noch einen besseren auf Lager? Ich hoffe es doch. Ein Zwergenwitz wäre beispielsweise sehr passend, obwohl ich fürchte, da schon alle zu kennen.

Also bevor wir uns nun komplett missverstehen, werde ich schweigen. Und irgendwann ... Vielleicht in vier Wochen ... Wirst du schon verstehen, was ICH mit "FRUCHTBAR" meine. Und du wirst dir ziemlich dumm dabei vorkommen, das kann ich dir jetzt schon versprechen ;o)

Danke, aber ich habe ihren Witz mit Sicherheit verstanden, auch wenn Sie es nicht vorstellen können. Vielleicht noch einmal der Hinweis: Sie reden nicht mit einem Kind.
Und bevor Sie sich auszuklingen versuchen, möchte ich eine Antwort auf meine Frage erhalten: Welche Revoluzzer bewundern Sie?

Wieso sollte ich wohl darauf bestehen, dass wir uns duzen?

Antwort A: Weil ich dir so das Gefühl geben wollte, mit mir auf einer Stufe (Alter) zu stehen.
Antwort B: Weil es sich so offener reden lässt.
Antwort C: Weil ich das Maß aller Dinge bin und du nur ein Kind bzw. Zwerg (besonders guter Witz!) bist.

Es können sehr wohl mehrere Antworten zutreffen :o) Oder eben auch nicht ...

Und nur weil ich etwas über deine Hobbies, Neigungen, etc. wissen wollte, musst du keine Bedenken haben. Das war einfach nur reines Interesse von meiner Seite. Du hast nichts zu befürchten ;o)

Und nicht, weil du dazu in der Lage wärst, irgendetwas von mir zu fordern, sondern einfach weil ich dir antworten möchte, hier die gewünschte Auskunft:

Du erwartest jetzt ganz sicher, eine lange Liste von Persönlichkeiten aus der Geschichte, Stars und Sternchen oder, oder, oder ... Aber für mich sind Revoluzzer all diejenigen, die den Mut haben

- anders zu denken
- ihre Meinung frei zu äußern und auch zu vertreten
- die nicht nur reden, sondern auch handeln.

Und nein, sie müssen deshalb nicht "berühmt" sein. Revolution findet sehr oft "im Stillen" statt und bedarf wahrhaftig keiner großen Fangemeinde. Sollte eine Idee - wie in Richard Reynolds Fall - jedoch größere Kreise ziehen, ist das natürlich begrüßenswert.

Hast du das gelesen? Na was sagen wir denn dazu:

... Sie hat multimediale Inhalte, Videos, Fotogalerien, technische Spielereien wie Schlagwortwolke und bezieht Nutzer über Kommentar- und Bewertungsfunktion mit ein. Dort entwickeln sich tatsächlich teilweise Diskussionen von beachtlichem Niveau. ("Let's green, baby" von Stefan Meyer vom 9. Feb).

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,699258,00.html

Hm ... entschuldige übrigens, dass das mit den Blumen nicht rechtzeitig geklappt hat. Aber ich werde das sicher noch nachholen ^____^

Gerne gebe ich an dieser Stelle zu, dass ich ihren Witz wohl doch nicht hundertprozentig verstanden hatte. Zumindest in dieser Hinsicht sind mir heute Mittag die Augen geöffnet worden. ;-) Vielen Dank für die blumige Überraschung.

Auf der anderen Seite gebürt Ihnen natürlich ein weiteres großes Dankeschön für die ebenso unterhaltsame wie lebhafte Diskussion unter diesem Artikel. Der SPIEGEL scheint wohl eine kleine Schwäche für verbale Konfrontationen zu haben, sonst hätte er nicht auf unser nettes kleines Gespräch hingewiesen.

... auch von der Schülerzeitung aus Pinneberg.

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