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Books - Bücher.

10. Juni 2010 - 13:59

Lest ihr auch gerne Bücher? Aber habt ihr euch schon einmal Gedanken gemacht, wie viel Arbeit und Mühe vom Manuskript bis zur fertigen Lektüre tatsächlich dahintersteckt? Wir haben für euch Jungautorin Rahel Abebe, die gerade ihren Debütroman «Die Weltenwandler» veröffentlicht hat, befragt. Langweilig? Nein, ihr hat das jede Menge Spaß gemacht, warum, lest ihr hier ...

Interview und Fotos von Lisa Roderer


Wo schreibst du hauptsächlich?
Rahel Abebe: Ich schreibe am liebsten am Schreibtisch, aber im Endeffekt habe ich bisher überall geschrieben, solange ich einen Block und einen Stift habe - da kann es auch ein Bett oder eine Bank sein.
Was stellst du auf deinen Schreibtisch während du arbeitest?
Rahel Abebe: Stift, Block und das wars. Irgendwann habe ich jedoch festgestellt, dass ich unter Flüssigkeitsmangel leide und deshalb ist nun noch eine Wasserflasche dazugekommen.
Gehst du strukturiert ans Werk oder schreibst du einfach drauflos?
Rahel Abebe: Das ist ganz interessant, denn am Anfang meines Schaffens, so nenne ich das jetzt mal, habe ich einfach drauflos geschrieben, geschrieben und geschrieben, alles was mir gerade so in den Sinn gekommen ist - teilweise sogar Szenen, die erst viel später vorkommen sollten. Dann habe ich aber festgestellt, dass ich einen roten Faden brauche. Also habe ich anschließend detaillierte Pläne gemacht, was passiert wann, wer entwickelt sich wie ... und das hat schon vieles vereinfacht. Das Traurige daran ist allerdings, dass ich die ersten Teile die ich bereits zu Papier gebracht hatte, vernichten musste.
Manche Autoren schreiben sich für diesen Zweck Karteikarten. Wie handhabst du das?
Rahel Abebe: Karteikarten nutze ich nicht, dafür habe ich mir auf einigen DIN A3-Blättern Szenarien geschrieben, verbildlicht in Stichpunkten und die hängen jetzt überall in meinem Zimmer.
Also eher strukturiertes Chaos als kreatives?
Rahel Abebe: Genau, wobei eigentlich beides dazugehört. Struktur ist aber wichtig.
Wie bist du überhaupt dazu gekommen ein Buch zu schreiben?
Rahel Abebe: Mit 14 Jahren habe ich mir gedacht, ich lese viel und fühle mich inspiriert. Außerdem hatte ich den Drang, mit meiner Leselust andere Leute anstecken zu wollen und so kam ich von heute auf morgen auf die Idee ein Buch zu schreiben. Da ich zum Beispiel damals viel Fantasy gelesen habe, was mich schon sehr stark beeinflusst hat, stand fest, dass mein Buch sich in dieser Genre bewegen wird. Außerdem wirkte sich das ganze Lesen positiv auf meinen Schreibstil - auch in der Schule - und auf mein Verständnis der deutschen Sprache aus. Ich komme schließlich ursprünglich aus Eritrea und die deutsche Sprache ist nicht so leicht. Durch das Lesen habe ich einen ganz anderen beinahe spielerischen Zugang zur Literatur gefunden, den ich dann auch unbedingt weitergeben wollte. Denn es macht einfach Spaß so zu lernen und es gibt doch so Viele, die ihre Probleme mit der deutschen Sprache haben. Da habe ich mir gedacht, da kann ich auch einen Beitrag dazu leisten und etwas dagegen tun, dass auch andere die Lust am Lesen gewinnen und ihre Sprachkenntnisse dementsprechend verbessern können.
Weil du schon von der Inspiration gesprochen hast. Wie hast du die bekommen?
Rahel Abebe: Puh ... die Werke die mich am meisten beeinflusst haben, waren zum Beispiel die «Goldener Kompass»-Triologie von Philipp Pullmann, weil eben dort schon mit diesen Parallelwelten gespielt wurde. Dann die Narnia-Chroniken oder eben Herr der Ringe.
Auf deiner Homepage kann man lesen, dass du beim Schreiben eine recht lange Pause eingelegt hast. Wie kam es dazu, dass du wieder angefangen hast zu schreiben?
Rahel Abebe: Das ist eine sehr gute Frage. Die lange Pause war im Nachhinein betrachtet wirklich wichtig, weil man mit 14 noch ein Kind ist - zumindest war ich das. Man hat ganz viele große Ideen und ist eher idealistisch eingestellt. In der Zwischenzeit konnte mein Idealismus und meine Naivität "reifen" und außerdem habe ich mir gedacht: Sag mal, wolltest du nicht ein Buch schreiben? Da hab ich mich wieder hingesetzt und nachgedacht. Als die Struktur verstand, stand fest, dass ich die Figuren und die groben Ideen beibehalte und dann habe ich mich irgendwann ganz diszipliniert hingesetzt und zu mir gesagt: So kann das nicht weitergehen. Ich fange jetzt an richtig zu schreiben.
Wie lange hast du letztendlich an deinem Buch gearbeitet?
Rahel Abebe: Ganz genau weiß ich das nicht, wegen der Pause, aber alles in allem so um die drei Jahre.
Und als du es endlich fertig hattest, wolltest du es sicherlich veröffentlichen. Wie bist du dann zu deinen Verlag gelangt?
Rahel Abebe: Schon während ich mein Buch geschrieben habe, habe ich mir gedacht, dass ich das nicht nur für mich selbst schreibe. Also wollte ich es natürlich herausbringen, obwohl ich natürlich ganz genau wusste, dass die Chancen einen Verlag zu finden, minimal sind. Nachdem ich dann mein Werk fertig hatte, bin ich auf Verlagssuche gegangen. Ich war zum Beispiel auf der Frankfurter Buchmesse, um einen passenden Verleger zu finden. Natürlich habe ich dann ersteinmal die ganzen großen Verlage angeschrieben, obwohl ich eigentlich wusste, dass ich da wohl keine Chance haben werde. Aber Probieren geht über Studieren und so habe ich mein Manuskript weggeschickt und größtenteils Absagen bekommen, was mich aber dennoch nie entmutigt hat, weil ich wusste, dass ich irgendwann einen Verlag finden würde, der mein Buch verlegt. Also habe ich in den verschiedenen Sparten geschaut: Fantasy, Kinder- und Jugendbuch. Zu «Papierfresserchen» bin ich durch eine Freundin, die dort schon einmal eine Kurzgeschichte veröffentlich hatte, gekommen. Außerdem hatte meine Mutter mal KiKa angesehen und mich dann gerufen, weil da «Logo» kam, wo sie einen ganz jungen Autoren interviewt haben - da habe ich dann recherchiert und festgestellt, dass der bei dem gleichen Verlag ist und habe mir gedacht: Gut, ich bin jung und eventuell finden sie das Buch ganz interessant und dass ich eigentlich ganz gut in Ihr Konzept passe.
Wie lange hat es denn so im Durchschnitt gedauert bis eine Antwort von den Verlagen kam?
Rahel Abebe: Manchmal nur einen Monat - allerdings gab es auch welche, die mir erst nach einem halben oder dreiviertel Jahr geantwortet haben. Für jemanden, der so ungeduldig ist wie ich, war das schon eine ziemliche Geduldsprobe.
Die Frage der Fragen: Lohnt es sich denn üerhaupt als Schriftsteller tätig zu sein?
Rahel Abebe: Finanziell muss man ganz klar sagen: Nein. Ich habe auch einmal gelesen, dass nur 5 % der deutschen Schriftsteller von ihrer Arbeit leben können. Aber es lohnt sich definitiv, wenn man das ungeheure Bedürfnis hat zu schreiben. Geld darf definitiv nicht der Motor sein. Ich meine, ich bin momentan Studentin und schreibe sowieso nur nebenbei. Obwohl natürlich ein paar Nebeneinkünfte nicht schaden würden. Aber sich J. K. Rowling als Vorbild zu nehmen wäre definitiv falsch. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste man wirklich Millionen von Büchern verkaufen - zum einen um ihren Status zu erreichen und was das Geld angeht zum anderen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall für all diejenigen, die eine Botschaft haben oder eine weitergeben möchten.
Du studierst momentan Sozialökonomik, was hast du danach vor? Erstmal noch eine Pause einlegen, um das nächste Buch zu schreiben?
Rahel Abebe: Das wäre nicht schlecht, aber jetzt mache ich erstmal meinen Bachelor und Master. Dann will ich entweder in Richtung Öffentlichkeitsarbeit, PR, Marketing oder vielleicht, ich will nicht sagen Politik, aber zumindest in den öffentlichen Dienst. Das Bildungsministerium wäre da mein ganz großer Traum.
Wie stehst du zu dem Fall Axolotl Roadkill von Helene Hegemann?
Rahel Abebe: So etwas finde ich eine Frechheit, denn das, was ich schreibe ist mein geistiges Eigentum. Das ist einfach Diebstahl, wenn ich etwas von jemand anderem abschreibe. Vorallem weil ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt ...
Momentan digitalisiert Google auch Bücher, was im Endeffekt auch nichts anderes ist als eine Urheberrechtsverletzung.
Rahel Abebe: Genau, das sehe ich genauso. Gut, wenn man den positiven Aspekt betrachtet, kommen so Leute, die gar keinen Bezug oder eben nicht die finanziellen Mittel dazu haben, zu den leicht an die gewünschten Informationen. Allerdings bin ich demgegenüber recht negativ eingestellt und finde es eine Dreistigkeit, was Google da veranstaltet.
Das Internet hat aber ja auch positive Seiten. Zum Beispiel die Bewerbung der eigenen Bücher oder?
Rahel Abebe: Genau, denn das Internet ist, trotz seiner vielen Tücken, doch auch ein sehr wichtiges Medium, das man unbedingt nutzen sollte, wenn man sein Produkt vermarkten möchte. Es nutzen eigentlich alle Altersgruppen, vorallem erreiche ich meine Zielgruppe, also die 13 bis 15-Jährigen, die leider Gottes den ganzen Tag vor dem PC rumhängen, spielend damit. Ich nutze das Internet wirklich gerne, weil ich weiß, dass ich auf einfachem Weg ganz viele Menschen erreichen kann.
Wie bewirbst du deinen Roman sonst noch?
Rahel Abebe: Da muss ich sagen, dass ich bisher noch gar nicht so viele Marketing- und Promotionstrategien anwenden konnte. Gerade weil ich momentan etwas gestresst bin, weil in ein paar Wochen wieder Prüfungen auf mich zukommen, was quasi ein Zielkonflikt in meinem Leben ist. Soll ich mich jetzt auf mein Buch spezialisieren? Da gäbe es so viel, das ich machen könnte, aber andererseits kann ich es mir auch nicht erlauben wirklich schlechte Noten zu schreiben, weil ich eben in dieser Assessmentphase bin, da müsste ich sonst das Studium abbrechen. Aber ich vor, mich bei Buchhandlungen direkt vorzustellen, so viele Lesungen wie möglich zu absolvieren. Bisher habe ich Anfragen von einer Schule aus Roth bekommen, die mich bat an ihrem Gymnasium eine Lesung zu halten. Später werde mich auf jeden Fall mehr "auf die Straße" trauen.
Was würdest du einem jungen Menschen raten, wenn er sich dazu entschlossen hat ein Buch zu schreiben?
Rahel Abebe: Auf jeden Fall würde ich ihm zu seinem Enschluss erst einmal sagen: Herzlichen Glückwunsch, das ist eine ganz tolle Idee! Außerdem würde ich ihm mit auf den Weg geben, dass sich diese Entscheidung sehr positiv auf ihn selbst auswirken wird. Aber ich muss ihm auch sagen, dass es seine ganze Lebenseinstellung werden muss. Das klingt jetzt vielleicht ein wenig übertrieben, aber man muss sich im Klaren sein, dass man, wenn man wirklich schreiben möchte, sich für eine ganze Zeit aus dieser Welt zurückziehen muss. Und da liegt die eigentlich Problematik, denn einerseits muss ich ein Teil dieser Welt sein, damit ich die Menschen beobachte, damit ich weiß, wie sich Menschen real verhalten. Schließlich geht es immer um Personen - selbst wenn es eine fiktive Geschichte ist. Denn diese müssen in den Büchern ja auch wie Menschen handeln, damit das Buch authentisch wirkt. Und andererseits ist man viel mit seinen Aufzeichnungen und Gedanken allein. Was ich damit meine ist, dass ich selbst gemerkt habe, wenn ich vor der Entscheidung stand, zu Schreiben oder mit Freunden Wegzugehen, habe ich mich sehr oft für das Daheimbleiben entschieden. Und das ist fast schon ein ganzes Stück Isolation - gut man muss sich deshalb nicht als Außenseiter abstempeln lassen bzw. fühlen, aber es muss schon klar sein, dass man fortan weniger mit Menschen unternimmt und die sozialen Bindungen schon darunter leiden. Was allerdings ziemlich schade ist - aber ich finde, im Nachhinein haben sich diese Opfer gelohnt und dass ich es doch gerne in Kauf genommen habe. Bei der Verlagssuche sollte man sich eher an kleinere Verlage halten, die agieren noch nicht so materialistisch wie die großen Verlage. Leider habe ich feststellen müssen, dass die großen Herausgeber eher daran interessiert sind, sich die Übersetzungsrechte von erfolgversprechenden Büchern aus dem Ausland zu sichern, als dass sie sich dem deutschen Nachwuchs widmen. Deutschland - Land der Dichter und Denker ... Etwas mehr Engagement und etwas weniger Profitdenken von der Verlagsseite würde uns Jungautoren sicher den Start einfacher machen.
Gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Rahel Abebe: Ich möchte ein Autor sein, der nicht abheben möchte, der quasi auch zum Anfassen sein soll. Ich bekomme einige Anfragen für Lesungen und finde es ganz toll mit all diesen Menschen in Kontakt zu kommen. Für Fragen und Anregung stehe ich jederzeit zur Verfügung und werde auch sehr sehr gerne antworten.

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Rahel Abebe mit ihrem Buch «Die Weltenwandler».


Bei ihrem Verlag «Papierfresserchen» kann man das Buch bestellen. Für Kritik ist Rahel Abebe jederzeit offen.


Ihr macht Schreiben Spaß und sie möchte mit ihrem Werk Leuten helfen wieder zum Lesen zu kommen.

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Habe gerade das Buch bestellt, bin schon sehr gespannt ;) Kritik folgt ...

So viel, dass ich eine Rezension darüber schreibe. Also noch ein wenig Geduld bitte^^

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