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Sommernachtstraum

27. August 2010 - 11:46

Eine Stunde und zehn Minuten dauert das aktuelle Album «Tango Bitter Sweet» des Weltmusik-Ensembles Quadro Nuevo. Das reicht bei den meisten zwar wohl kaum für die gesamte Fahrt in den Urlaub aus, ist aber ein ganz guter Anfang. Und wer es einmal gehört hat, hört es sich wahrscheinlich auch ein zweites oder drittes Mal an. Damit kommt man dann immerhin schon zur deutsch-österreichischen Grenze …

Text von Andreas Gebauer | Fotos von Janina Werner

Es ist der musikgewordene Sommer, der zusammen mit Quadro Nuevo die Bühne im Innenhof der Münchner Residenz betritt. Quadro Nuevo – das sind vier leidenschaftliche Musiker, die sich und ihre Leidenschaft ganz der Region des «Mare Mediterraneo» gewidmet haben. Ihre Musik, stilistisch irgendwo zwischen dem Orient und dem Okzident angesiedelt, klingt dabei so entspannt, so sommerlich und gelassen, als säße man auf irgendeiner Piazza in einer Traumstadt Italiens. Eine Piazza, über der sich ein dunkelblauer Abendhimmel schützend wölbt, erfüllt von einer leichten Brise aus der Richtung des ewig rauschenden Meeres. Urlaubsstimmung. Vergessen sind die Gewitterwolken, die sich hoch über München zusammenfinden, vergessen die vereinzelten Regentropfen, die während des Konzerts die Illusion zu stören suchen. Und als die Pause abgesagt wird, damit das Konzert früher enden kann, vertieft sich der Wachtraum in der zweiten Hälfte des Konzerts lediglich, scheint noch plastischer, realer. Und die Musiker auf der Bühne – drei Männer und eine Frau – spielen weiter …
Im Fachjargon mag man ihre Musik – eine Mischung aus Jazz, Tango, Valse Musette, italienischen Canzones und orientalischer Musik – schlicht als «Weltmusik» bezeichnen und läge rein stilistisch möglicherweise damit sogar richtig. Denn sie ist tatsächlich geprägt von einer Vielzahl unterschiedlichster kultureller Einflüsse, die sich auf der Bühne zu einem homogenen Klangteppich zusammenfügen. Doch Musik lässt sich nicht rational fassen, sagt Mulo Francel in dem auf der Live-DVD befindlichen Dokumentarfilm «Reise nach Italien». «Man kann ein Lied sooft proben, wie man will. Aber eine gewisse Restunsicherheit bleibt immer. Und die gibt oft der Musik so etwas Märchenhaftes, etwas Unfassbares …» Selten kann man Musiker erleben, die mit solcher Spqielfreude, solchem Einsatz auf der Bühne ihre Musik leben. Selten kann man Musiker erleben, die trotz ihrer Karriere auf den großen Bühnen Deutschlands und der Welt immer noch zu den Wurzeln ihrer Musik zurückkehren und als Straßenmusiker auf ebenjenen Piazzas Italiens auftreten. Die vier Musiker des Ensembles Quadro Nuevo sind tief verwurzelt in ihrer Musik – und man merkt ihnen ihre Spielfreude in jeder Sekunde des Konzertes an, es ist diese Spielfreude, die diesen aus so unterschiedlichen Elementen bestehenden Klangteppich zusammenhält und dem Konzert seinen Rahmen gibt. «Quadro Nuevo» – «neuer Rahmen»: Der Name, den sich das Ensemble gegeben hat, ist Programm. Ein Rahmen zu sein für ein Meer unterschiedlicher Einflüsse, die sich in ihm vereinen zu einer unglaublich leichten und entspannten Musik, die «irgendwie» nach Süden, nach Meer und Sonne, nach Urlaub und Frieden klingt.
All diese gebündelten, kombinierten und verwobenen musikalischen Einflüsse aus unseren beliebtesten Urlaubsländern, gepaart mit einer schier unbändigen Spiel- und Improvisationsfreude machen das Unmögliche möglich: Mittelmeerfeeling mitten in München.
Dieses Gefühl auf eine DVD oder gar CD zu bannen, mag unmöglich erscheinen – und gewiss lassen sich viele der oben beschriebenen Eindrücke kaum übertragen. Dennoch ist Quadro Nuevo mit ihrem aktuellen Album «Tango bitter sweet» ein außergewöhnliches Werk gelungen, welches dieses unglaubliche Kaleidoskop aus Empfindungen zusammenfasst. Ein Muss für jeden, der eine lange Fahrt in den Urlaub vor sich hat.

Wer sich im September aus dem tristen Herbstwetter entführen lassen will, kann Quadro Nuevo am 17.09.2010 im Kintopp Hollfeld erleben.

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«Quadro Nuevo» in Aktion.


Evelyn Huber ersetzt an der Harfe den bei einem Autounfall verletzten Gitarristen Robert Wolf.

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Sehr wohl! Wenn so eine tolle Seite scheinbar vor die Hunde geht ... :-(

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