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Weihnachten - ein Produkt?

30. November 2008 - 2:01

Weihnachten. Die meisten Leute verbinden dieses Wort doch mit einem schönen Fest. Einem Fest, das für gläubige Christen eine ganz besondere Bedeutung hat. Und selbst wenn man nicht religiös ist, sprich Weihnachten keinen tieferen Sinn für einen hat, feiert man es trotzdem. Schließlich ist es deshalb nicht völlig sinnentleert. Es ist immer noch ein schönes Fest, eine Tradition, man trifft die Familie, Freunde, es gibt Geschenke.

Text von Cynthia Spangenberg

Klingt doch nach einer guten Sache, oder? Vielleicht wirkt es bei manchen ein bisschen oberflächlich, vor allem bei denen, die eigentlich nicht daran glauben, aber die Weihnachtsstimmung hat man doch überall. Das, was Weihnachten zu eben diesem schönen Fest macht.
Oder sieht man dabei etwas falsch? Liegt nicht gerade an Weihnachten, wo man sich doch Entspannung wünschen sollte, immer besonders viel Hektik in der Luft? Sind viele Menschen um diese Zeit nicht extrem nervös und angespannt, bis sie sich am Heiligen Abend erschöpft in einen Sessel neben ihrem Weihnachtsbaum fallen lassen?
Und ist das eine passende Art, etwas zu feiern? Wohl eher nicht.
Stellt sich natürlich erstmal die Frage, wieso es bei so vielen überhaupt so weit kommt. Wieso sind die meisten Menschen in der Adventszeit so hektisch? Einmal gibt es viel zu viele überfüllte Terminkalender. Hier eine Weihnachtsfeier, da eine Weihnachtsfeier. Arbeit, die gemacht werden muss, bevor das Jahr zu Ende geht. Geschenke, die rechtzeitig besorgt werden müssen...
Und wenn man sie dann besorgen geht, ist man auch noch gezwungen, sich durch Menschenmassen in überfüllten Geschäften zu quetschen, dort stundenlang Schlange zu stehen und dabei auch noch von stickiger, verbrauchter Luft zu leben. Nicht zu vergessen, dass das Auto wahrscheinlich einen ordentlichen Fußmarsch entfernt steht, weil die Parkplätze in der näheren Umgebung allesamt belegt sind.
Wer wundert sich da noch, wenn er keine Zeit mehr hat?
Es scheint in der Weihnachtzeit ohnehin nur einen einzigen Ort zu geben, wo man mal - zumindest für kurze Zeit - zur Ruhe kommen kann: Innerhalb der eigenen vier Wände. Jedenfalls solange Radio und Fernseher ausgeschaltet bleiben. Schließlich haben die Medien nichts Besseres zu tun, als ihr Programm von morgens um sechs bis Abends um eins mit Weihnachten zu füllen. So kommt es einem auf jeden Fall vor, gerade wenn man sowieso schon bei der altbekannten Weihnachtsunruhe angelangt ist.
Das Seltsame: Offensichtleich stört das viele Menschen gar nicht, was man gerade an dieser ständigen Gegenwärtigkeit Weihnachtens sehen kann. Es gäbe letzten Endes nämlich nicht andauernd Werbespots, die Geschenkartikel oder Weihnachtsschmuck anpreisen, würden ihre Macher nicht denken, die Leute würden darauf anspringen.
Und auch die unzähligen Sendungen in Radio und Fernsehen, die sich mit dem Thema Weihnachten beschäftigen, wären längst aus dem Programm gestrichen worden, wenn sie niemand anschauen würde.
Genauso wenig sind die Weihnachtslieder, die viele Sänger und Sängerinnen anlässlich des nahenden Festes gedichtet haben, von alleine in den Charts eingestiegen.
Muss man daraus jetzt schließen, dass wir alle den Rummel um Weihnachten freiwillig mitmachen, dass wir nur so viel Stress haben, weil wir nichts dagegen tun?
Man kann es kaum anders sehen. Weihnachten ist leider doch in vielerlei Hinsicht ein Produkt geworden, das es zu vermarkten gilt. Und es wird in vielerlei Hinsicht vermarktet. Das Problem dabei: Die meisten gehen darauf ein oder sehen mindestens darüber hinweg. Nur einige wenige treffen vielleicht Abmachungen mit Familie und Bekannten, den ganzen weihnachtlichen Konsum doch mal wegzulassen.
Dabei wäre so viel gar nicht nötig. Alles, was man braucht, um gut durch die Weihnachtstage zu kommen, ist ein offenes Auge. Man muss einfach erkennen, was es sich lohnt zu kaufen, womit man sich getrost beschäftigen kann und wovon man lieber die Finger lässt. An Weihnachten ist schließlich alljährlich so viel Tand auf dem Markt, das man sich wundert, warum doch jeder, der etwas Derartiges anbietet, denkt, es loswerden zu können. Das wäre nämlich ein Ding der Unmöglichkeit, wenn die potenziellen Käufer genau hinsehen und sich fragen würden, ob sie den kitschigen Engel mit der fast noch kitschigeren Harfe wirklich brauchen. Oder was auch immer sie überlegen zu kaufen. Das Überlegen zählt!
Denn wenn man aufpasst, nur zu tun, was sinnvoll ist, und zu lassen, was von Menschen mit dem Wort Kommerz im Unterbewusstsein inszeniert wurde, dürfte man es ganz unbeschadet bis zum 24. Dezember schaffen.
Fazit: Weihnachten ist schön, für jeden der es feiern will, auch ohne religiösen Hintergrund. Man darf auch gerne Geschenke machen, jedoch sollten sie vielleicht besser vom eigenen Kopf als von irgendeiner Werbung inspiriert sein. Und zu guter Letzt tut es jedem gut, sich zur Weihnachtszeit mal zurückzulehnen und nicht noch hektischer als sonst noch mehr Terminen als sonst hinterherzuhetzen. In diesem Sinne kann man sich ruhig besinnliche Weihnachten wünschen, auch wenn es altmodisch klingt, es ist sicher nicht veraltet!

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Viele scheinen bei all der Dekoration den eigentlichen Sinn von Weihnachten zu vergessen ...


... und die Besinnung kommt viel zu kurz.


Dabei gibt es nichts Schöneres, als sich zusammen mit der Familie unterm Weihnachtsbaum einfach Weihnachten zu fühlen.
Fotos: cc by-nc von Cayusa/flickr.com

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Und wie steht es dann mit dem Valentinstag? Die Blumenpreise erreichen zu dieser Zeit regelmäßig ihren jährlichen (Zwischen-)Höhenflug. Oder dem Muttertag? Blumen? Nein, es darf auch schon mal ein Flakon Parfüm namenhafter Hersteller sein. Vatertag? Gutschein über einmal Auto waschen oder etwas Selbstgebasteltes? Nein, es darf schon ruhig auch mal ein MP3-Player o. ä. sein. Wer will an Ostern nur ein Nest mit buntgefärbten Hühnereiern? Lange Gesichter würde man sehen, wenn nicht auch ein buntes Scheinchen dabei wäre. Das gilt auch für die Taufe, Kommunion, Konfirmation und Hochzeit, ja selbst für Beerdigungen.

Und nicht zu vergessen, den 6. Dezember! Denn ein in Schoko gegossener St. Nikolaus macht noch keinen 6. Dezember perfekt, ist in seinem Bäuchlein nicht eine Banknote versteckt ...

Kommerz ist das eine, Beeinflussung durch die Werbung das andere. Haltet ihr es damit, wie ihr es wollt. Meine Devise ist und bleibt: weniger ist mehr!

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