main zensurhaus arena 11

Yes, they can!

29. Dezember 2008 - 19:22

Der Countdown läuft. Mit jeder Sekunde tickt George W. Bush seinem Auszug aus dem Weißen Haus entgegen. Und nicht nur Spiegel Online zählt die ihm verbleibenden Minuten, Millionen Menschen warten sehnsüchtig auf dieses Ende, denn ein Ende ist es nur für Bush selbst. Für den Rest der Welt ist es ein Anfang, eine Chance, die vor allem einer nicht ungenutzt verstreichen lassen soll: Barack Obama, der, der mit seiner Frau Michelle und seinen beiden Töchtern Malia und Natasha den bald wieder freien Platz im Weißen Haus einnehmen wird.

Text von Cynthia Spangenberg

Und das steht jetzt endlich fest nach Monaten der Ungewissheit und nach dem teuersten Wahlkampf aller Zeiten. Die Reaktion ist ein globales Aufatmen. Ein Mal mehr hat Amerika sein - wie Obama selbst es ausdrückt - «wahres Talent» bewiesen: «America can change», sagt er bei seiner Siegesrede vor mehr als hunderttausend begeisterten Anhängern in Chicago. Er erzählt weiter von einer 106-jährigen Frau, die lange Zeit nicht wählen durfte, weil sie eine schwarze Hautfarbe hat, und die sich an diesem Tag aufgemacht hat, um ihre Stimme abzugeben, «weil sie nach 106 Jahren in Amerika, mit den besten Zeiten und den dunkelsten Stunden, weiß, wie Amerika sich verändern kann.»
Noch ist dieser Wandel zwar nicht eingetreten, aber die Chance besteht, der erste Schritt ist getan. Amerika hat eine historische Wahl hinter sich. Das Land hat seinen ersten schwarzen Präsidenten gewählt, einen jungen, energiereichen Präsidenten, der die Mengen mobilisieren kann. Die höchste Wahlbeteiligung seit hundert Jahren spricht eine deutliche Sprache. Und Obama verkörpert genau das, was man braucht in den USA: Er ist ein Hoffnungsträger, einer der Amerika wieder zu dem machen soll, was es einmal war. Er ist schon zu einer Art Messias geworden. Doch erwartet man zu viel von ihm?
Schließlich muss er ein schweres Erbe antreten, die globale Finanzkrise und der der Irak-Krieg sind nur Beispiele für die Probleme, die Bush seinem Nachfolger auf dem Schreibtisch des Weißen Hauses hinterlassen hat. Auch der Schuldenberg, den Amerika im Zuge der Finanzkrise angehäuft hat, dürfte Obamas Schwierigkeiten nicht vermindern. Es ist nur natürlich, wenn er nicht alles schaffen wird, was er in seinem Wahlkampf versprochen hat, wenn manche seiner allzu optimistischen Fans ein paar kleine Enttäuschungen erleben werden.
Doch man muss schon sehr spitzfindig sein, wenn man ihm das zur Last legen will. Immerhin ist es nicht seine Schuld, dass er die Suppe auslöffeln muss, die ihm andere eingebrockt haben. Es ist nur seine Schuld, dass er sich bereiterklärt hat, diese Aufgabe zu übernehmen, sollte er denn gewählt werden. Und genau das ist es, was die Welt letzten Endes braucht. Jemanden, der es versucht.
Und die die Amerikaner, zumindest ein großer Teil von ihnen, halten ihn für besser dafür geeignet als seinen Konkurrenten John McCain, wie sie am 04.11.2008 eindrucksvoll bewiesen haben. Den größten Eindruck machten sie dabei wohl mit ihrer Wahlbegeisterung, denn sie wollten diesen «change», diesen Wandel, für den Obama kämpft. In diesem Zusammenhang muss man Bush dann doch noch eine Sache zugestehen: Sein Regime machte eine solche Veränderung erst nötig. Letztendlich hat er damit wahrscheinlich dafür gesorgt, dass Obama als erster Schwarzer das Weiße Haus von innen sehen darf. Und auch die Finanzkrise, die dem zukünftigen Präsidenten wohl noch einige Kopfschmerzen bereiten wird, hat sich erst einmal positiv auf Obamas Prozente ausgewirkt. Schließlich sind es die Republikaner, und damit McCain, die der Wirtschaft völlig freie Hand lassen wollen und Obama, der jetzt mehr Kontrolle und damit vielleicht die erhoffte Sicherheit ins System bringen will.
Von all dem haben sich dieses Jahr unglaublich viele zum Wählen animieren lassen, vor allem viele Junge, die sonst eher zu Hause bleiben würden. Sie sind auf die Straßen gegangen, haben dort in langen Schlangen vor den Wahllokalen gestanden und später gefeiert - zumindest die meisten. Die Grabesstille, die auf der im Hauptquartier McCains in Phoenix, Arizona, herrschte, war nicht gerade ein typisches Bild für den Abend.
Vielleicht haben einige Deutsche dieses Geschehen mit einem Stirnrunzeln bedacht, oder auch mit etwas Neid. Ich konnte das Gefühl nicht ganz verdrängen, denn wann hat man bei uns denn schon mal solche Wähler gesehen und Politiker, die sie so begeistern könnten? Ich versuchte mir vorzustellen, wie Deutsche die Straßen auf und ab gingen, mit «Ja, wir können es, Angi!», oder «Stein-mei-er, Stein-mei-er!» auf den Lippen. Ich scheiterte kläglich.
In Amerika sieht die Sache aber ganz anders aus, etwas, das hoffentlich auch Joe Klein bemerkt hat. Sein 2006 erschienenes Buch «Politic’s lost» ist nämlich offensichtlich nicht mehr zeitgemäß. Vielleicht sollte er eine aktualisierte Version herausbringen, wie «Politic’s brought back - by Obama!» Denn Obama hat sie aus der Krise zurückgeholt und jetzt ist sie wieder da. Mächtiger denn je.
Und Barack Hussein Obama ist ihre neue Hoffnung, wie einst John F. Kennedy, und wenn die neue «First Family» ins Weiße Haus einzieht, dann wird man sehen, wie viel er wirklich erreichen kann. Doch er hat den ersten Schritt schon gemacht. Und wenn die Amerikaner ihm sagen «Yes, we can!», dann können wir antworten: «Ja. Ja, ihr könnt es wirklich.»

0
Deine Bewertung: Du musst dich erst anmelden!

Mosaik der Hoffnung: Barack Obama, zusammengesetzt aus Bildern seiner Unterstützer.


Obama beigeistert die Massen und bringt ehemalige Nichtwähler zu den Wahlurnen.



Fotos: cc by-nc-sa von Charis Tsevis

Kommentar Hinzufügen

Anfangs war ich ja skeptisch, insbesondere nachdem ich seine Rede in Berlin gehört hatte. Aber seit ich die neue Internetseite vom Weißen Haus gesehen habe, bin ich sicher: Er wird es schon richten - zumindest ist der Change auch auf den offiziellen Internetseiten angekommen: http://www.whitehouse.gov/

Barack Hussein Obama führte unbestritten den teuersten Wahlkampf aller Zeiten – denn 1,3 Milliarden Dollar (Expertenschätzung) sind alles andere als ein Pappenstiel – der Großteil der Spenden kam übrigens über das Internet. Geschickt sezte Obama – der Stratege par excellence – jedes Medium, unter anderem auch sein Blackberry ein, über das er mit seinen vielen hundert Wahlhelfern ständig Kontakt hielt und Daten bzw. Termine verwaltete. Außerdem nutzte er taktisch klug die Plattform YouTube bzw. Communitys für seine Zwecke. Reden wurden gekonnt mit Texten von Abraham Lincoln, Martin Luther King oder John F. Kennedy glaubwürdig formuliert. Nichts blieb dem Zufall überlassen, alles wurde von langer Hand vorbereitet, bis ins kleinste Detail geplant und führte exakt zum gewünschten Erfolg: Er wurde der 44. Präsident der USA!

“America can change!“ Natürlich, das hat sicherlich auch keiner bestritten. Denn es hat sich auch bisher geändert, Tag für Tag, wie der Rest der Welt. Aber ändert die Wahl in den USA auch den Rest der Welt? Cut! Abgedroschen und wie aus einem typisch amerikanischen Science-Fiction-Film, in dem China oder Russland – Europa spielt in solchen Dingen nie eine wirkliche Rolle - natürlich alles probieren den Meteoriten, der die Erde zu zerstören droht, aufzuhalten und zum wiederholten Male kläglich scheitern. Die USA in guter alter Superman-Manier schickt dann irgendeinen heruntergekommenen, versoffenen und selbstmörderisch veranlagten Reservisten in die Lüfte, um die Welt zu retten. Und wer hätte es anders gedacht, es gelingt ihm, natürlich. Welche eine Ironie, welch eine Arroganz. Nur weil Amerika gewählt hat, wird sich doch nicht die GANZE Welt ändern ...

Besonderes Augenmerk lege ich allerdings auf den Schluss seiner wirklich rührenden Siegesrede: Ann Nixon Cooper, einer Zahnarztwitwe mit 106 Jahren ... Natürlich ist es beeindruckend, was sie alles miterlebt hat in ihrem langen Leben, das möchte ich keineswegs bemäkeln bzw. schmälern. Doch eines macht mich stutzig, denn sie hat sich bereits 1941 als Wählerin registrieren lassen und hat Jahrzehnte lang NICHT gewählt. Warum? Ist nur ein schwarzer Präsident ein guter Präsident? Hat sie dieses Mal nur gewählt, damit der Weiße (den Namen McCain wusste sie nicht) NICHT gewinnt? Ja, denn genau das waren ihre Worte ... Rassismus funktioniert anscheinend auch andersherum ...

Nichts gegen junge, energiereiche Präsidenten, Cynthia. Aber definiert sich junge, knackige Politik für Dich über eine höhere Staatsverschuldung? (Klappt auch in Deutschland mit Dr. von und zu Guttenberg) Schulden machen kann doch jeder, dafür hätte man keinen „Change” - auch nicht bei uns – benötigt. Doch wie kommst du darauf, irgendjemand könnte Obama vorwerfen, an der Finanzkrise Schuld zu sein? Das entbehrt jeder Grundlage. Doch hat er sich – auch da muss ich dir widersprechen - sehr wohl darum gerissen, die Suppe auszulöffeln, denn sonst hätte er sich wohl nicht zur Wahl aufstellen lassen. Dieser Sachverhalt war ihm durchaus bekannt. Es kann ihm nicht zur Last gelegt werden, wenn er nicht alles halten kann, was er verspricht? Nun dann frage ich dich, was unterscheidet ihn dann letztendlich von anderen Politikern oder seinem Vorgänger? Woher kommt dann diese überschäumende Euphorie über den Messias, von der auch du dich offensichtlich anstecken ließest?
Und nur der Vollständigkeit halber, George W. Bush hat sicherlich keineswegs dafür gesorgt, dass Obama als erster Schwarzer das Weiße Haus von innen sehen darf ... Denn es hat außer schwarzen Butlern auch schon den ein oder anderen schwarzen Politiker oder Popstar, etc., gegeben, der das Weiße Haus vor Herrn Obama und seiner Familie betreten durfte.

Mein Fazit: Obama hat nicht nur Hoffnungen geweckt, sondern auch ganz klar betont, wie sein Konzept zur Realisierung seiner und unser aller Träumen aussieht (aber bitte alle im Chor): Yes, we can! Was ja nichts anderes bedeutet als: WIR können es! Und damit ist ganz klar, wer die Suppe auslöffelt ... Ehrlich ist er also auch ;-)

iwie kommt der Mann nicht in die Gänge bzw. wird schwer ausgebremst ... Aber seine Rede beim UN-Klimagipfel in New York ist ja sehr wohl der Gipfel! Erst fordern, dass endlich etwas zur CO2-Reduzierung unternommen wird, weil es kurz vor 12 Uhr ist, aber sich dann selbst vor Zusagen drücken ... Das ist ja der Richtige, aber ablenken kann er ja schon ... Hat er mal gleich den Zeigefinger in Richtung China gehalten ... Ist ja prinzipiell nicht verkehrt, war aber sicher nur ein Ablenkungsmanöver.

Kommentar hinzufügen

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen