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Theatergruppe: Spiel mit dem Feuer

7. Juni 2009 - 15:35

Am Dienstag den 26. Mai war wieder einmal die «kleine» Theatergruppe unter der Leitung von Jan Ehlenberger im kleinen Haus der Stadthalle Bayreuth zu sehen, diesmal mit dem Stück «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch.

Text und Fotos von Andreas Gebauer

Ein erleichtertes Lächeln gibt es noch, dann verschwindet Nils Pfeufer wieder hinter der Bühne. Ein sehr erleichtertes Lächeln. Ein Lächeln darüber, die vergangenen zweieinhalb Stunden überstanden zu haben, ohne Netz und ohne doppelten Boden auf der Bühne im Kleinen Haus der Stadthalle, ausgeliefert den Augen des begierig starrenden Publikums. Es war ein Spiel mit dem Feuer, doch er hat es – genauso wie die anderen 14 Mitglieder der Theatergruppe unter Leitung von Jan Ehlenberger – überstanden, ohne sich die Finger zu verbrennen.
Auf dem Programm stand «Biedermann und die Brandstifter», Max Frischs zeitlos gültiges «Lehrstück ohne Lehre».

Auch wenn wir es niemals zugeben würden: Wir sind ein Volk von Angsthasen.

Die von Max Frisch in seinem Stück vorgestellten Wahrheiten kennst auch du schon längst. Schon deine Mutter hat es dir immer erzählt. Klar – alles abegekaut. «Wenn du deine Hausaufgaben nicht sofort machst, darfst du heute Abend nicht ins Schwimmbad» – gemacht haben wir sie trotzdem nicht. Du nicht und ich auch nicht. Viel zu schwierig war es, den ersten Schritt zu tun. Aber wenn wir uns schon vor den Hausaufgaben fürchten – was ist dann mit den wirklich großen, den existenzbedrohenden Problemen dieser Welt? Auch wenn wir es niemals zugeben würden: Wir sind ein Volk von Angsthasen.
Dass dieses Verhalten keine Lösung ist, wissen wir alle. Aber wahrhaben wollen wir es immer noch nicht. Zu schwer fällt uns das Aufstehen – und zu leicht ist es, einfach die Augen zu schließen und zu träumen… In diesem Zusammenhang ist Max Frischs «Lehrstück ohne Lehre» tatsächlich ein Solches: Ein Lehrstück, dessen Lehre in der Gesellschaft niemals auch nur annähernd eine vollständige Umsetzung gefunden hat, und vielleicht auch niemals finden wird.
Dennoch versuchen sich Jahr für Jahr wieder verschiedene Schauspielensembles an der Umsetzung von «Biedermann und die Brandstifter», hartnäckig, scheinbar gefangen in der Hoffnung, dass sich vielleicht doch einmal etwas ändern wird, irgendwann in einer fernen, für uns unsichtbaren Zukunft. In diesem Jahr war es die «kleine» Theatergruppe des GCE, die sich am «großen» Max Frisch versucht hat, und daran selbst sichtlich gewachsen ist.

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Vor dem Stück wurden die Gäste in der Stadthalle vom Schulleiter begrüßt ...


... nach dem Stück zeigten sich nocheinmal alle Schauspieler und Crewmitglieder zusammen mit Jan Ehlenberger auf der Bühne.

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"und daran selbst gewachsen ist" - heißt das jetzt, dass es schlecht war, oder was?! Klingt nämlich so, war`s aber nicht!!

Man könnte sagen: Es bedeutet weder, dass die Aufführung schlecht war, noch das Gegenteil. Sondern einfach, dass die Theatergruppe während dieses Projekts sicherlich viele Erfahrungen gemacht hat (und wahrscheinlich ebensoviel Spaß dabei hatte) - "an etwas wachsen" impliziert im Grunde ein ausschließlich positives Resultat.
Und das ist, für sich genommen, ja keine schlechte Sache...

Leider les ich das gerade erst.

Ich denke man muss hier ein Lanze für die Schauspieler brechen.
Ich fande als Ausenstehender die Aufführung große Klasse. Die Schauspieler zeigten eine große Leistung. Ich denke nicht, dass der Redaktuer einige andere Versionen des Schauspiels kennt. Ich schon. Und es war bisher die beste Aufführung (abgesehen vom Fehlen der letzten Szene). Und ganz im Gegenteil zum Autor hatte ich nicht das Gefühl, dass sich der Hauptdarsteller ins Ziel gerettet hat. Viel mehr Leidenschaft und schauspielerisches Können zeigte er hier .

Und was das Motiv der kleinen Theatergruppe angeht lässt sich nur spekulieren. Aber ich dneke nicht, dass sich die kleine Theatergruppe zum Ziel genommen hatte die Geselschaft zu reformieren. Wohl eher, weil man Spaß am Theater hat. Ich hoffe nicht dass dieser Artikel den Schauspielern den Spaß nimmt, damit wir auch in Zukunft derat gute Sttücke sehen.

Ich kann es nur noch einmal betonen - und ich glaube, das wird das letzte Mal gewesen sein: Ich sehe kein einziges Wort in diesem Artikel, welches den Schauspielern eine schlechte Leistung unterstellen würde.
Aber vielleicht täusche ich mich ja auch. Deutschunterricht hat noch niemandem geschadet.

Ich finde ja eine diplomatische Ausdrucksweise an sich nicht schlecht, aber ich finde, dass man gerade in einem Kommentar dann doch mal seine eigene Meinung sagen könnte. Und der Anfang macht wirklich den Eindruck, als hätte der Nils sichtlich keinen Spaß dran gehabt, und das ist Blödsinn, ich war ja dabei. Mal zu was anderem: Wird es eigentlich vor der Aufführung des neuen Stücks mal einen gs-Artikel über den Woody-Allen geben?

Nein - soweit ich weiß, ist nichts weiter geplant, und ich kann in diesem Fall schlecht etwas schreiben; ich wäre ja befangen.
Oh, und was die eigene Meinung angeht: Natürlich lasse ich gerne andere Meinungen zu und freue mich, Kommentare zu finden (was immerhin bedeutet, dass die Artikel gelesen werden!), aber andererseits wollte ich klarstellen, dass ich niemals bezweckt habe, die Aufführung schlechtzureden. Im Gegenteil, mir hat sie sehr gut gefallen. Und dass Nils nach der Aufführung erleichtert gelächelt hat, ist übrigens kein stilistischer Einfall, sondern beruht auf einem wirklichen Erlebnis :-)

Abgesehen davon lieber Redakteur, dass ich das Gerede von " Deutsche Sprache, schwere Sprache " ziemlich erbärmlich finde, hast du dich da in Selbstüberschätzung/ Halbwissen verrannt, zumindest scheint dem so.

1. Persönlich kann ich nur sagen,dass das was ich gesehen habe, wirklich eine gute Leistung war. Man sollte auerdem beachten, dass es sich um 8. und 9. Klässler handelte.

2. Ich erinnere an den Auszug der Kritik der studierten Theaterpädagogin,Autorin und Regisseurin im Rahmen der 4. Bayreuther Schulspieltage im Jahresbericht des GCE`s 08/09.
Habe ihn mal herausgekramt und zitiere:
" So stelle ich mir Schultheater vor - ein Thema, dass allgemeingültig ist, Gegenwartsbezug hat, das engagiert diskutiert werden kann, dazu eine spielerische Umsetzung, die Qualitätsmaßstäbe setzt. "

Man beachte vor allem letzeres.

Natürlich darf jeder seine eigene Meinung haben, aber etwas zu meinen oder zu glauben der Öffentlichkeit eine sachgerechte Meinung entgegenbringen zu können, ist leider nicht genug.

Seien wir gespannt auf dieses Jahr.

Den Schauspielern wünsche ich, dass sie ihre Sache weiterhin so gut machen.

PS:

Zwar taucht im Artikel wirklich kein negatives Wort auf, aber positiv ist er auch nicht.
Geschweige denn deine Kommentar-Antwort " Klarstellung " .

...

Von einem Artikel, der niemals eine Bewertung der Qualität der Aufführung transportieren sollte, kann man auch nicht erwarten, positiv oder negativ ausgerichtet zu sein.
Ich würde es mir nie anmaßen, Schultheater - egal ob qualitativ gut oder schlecht - negativ zu kritisieren. Denn viel wichtiger als eine gute oder schlechte Aufführung ist es meiner Meinung nach, dass die Schüler Spaß dabei haben, Theater zu machen. Erfahrungen außerhalb des Schulalltages erhalten können. In fremde Rollen schlüpfen. Insofern ist Schultheater immer etwas Positives und Lehrreiches. Und das ist es, was der Artikel kommunizieren sollte... Geschafft hat er es offensichtlich nicht. Aber analog zum Schultheater müsste es ja dann bei einer Schülerzeitung weniger darum gehen, Artikel auf ZEIT-Niveau zu schreiben, als Erfahrungen und Beobachtungen beim journalistischen Arbeiten zu sammeln. Ich habe nie Theaterpädagogik studiert.

Mir persönlich hat die Aufführung sehr gefallen. Schön, wenn es anderen genauso geht...

Natürlich geht es beim Schultheater um den Spaß an der Sache selbst.
Da gebe ich dir Recht. Aber die Schauspieler hätten sich vielleicht auch über ein ( ehrliches ) positives Wort gefreut.

Der Artikel selbst ist in Ordnug, nur deine Kommentare klangen sehr verhalten.
Wenn es dir sehr gut gefallen hat, war ja doch wohl irgendetwas dabei, was auch objektiv gut war.
Darüber hätte man meiner Meinung nach einmal ein Wort verlieren können, aber zu sagen, die Aufführung sei werder schlecht noch gut gewesen, fände ich ziemlich enttäuschend.
Du nicht ?

Verbleiben wir dabei, dass es uns beiden gefallen hat.

Schönen Sonntag.

Irgendwie bestätigen manche Kommentare eindeutig das Ergebnis selbiger. Wieso ist es bitte immer wieder sooooo schwierig, Artikel oder Kommentare richtig zu lesen, um deren Inhalte komplett zu erfassen. Zur Not lest halt alles einfach noch einmal ... Dann könnt ihr immer noch in die Tasten hauen - nicht andersherum ...

In dem Artikel ist weder eine Kritik geäußert noch versteckt worden. Und das erleichterte Lächeln - "nach einer bestandener Prüfung" - ist ja wohl auch nur als menschlich zu bezeichnen. Das geht selbst den "ganz großen Stars" so, sie leiden auch nach vielen Jahren Bühnenerfahrung noch unter Lampenfieber.

Und wenn du (GAST) den Artikel aufgrund deiner eigenen Nachlässigkeit beim Lesen, nicht richtig verarbeiten konntest, kann der Verfasser nichts dafür. Traurig daran ist nur, dass du den persönlichen Stil von Andreas als Kritik empfunden hast. Welch ein Fauxpas! (Der Gute kann einfach nicht anders -> er fühlt und er schreibt, was er fühlt, deshalb schätze ich ihn auch so sehr). Vielleicht sollte ich mir die nächste Aufführung des neuen Stücks (???) auch einmal ansehen. Kenne ich Andreas bisher doch nur als Autor und nicht als Akteur ;o)

@redakteur
Das mit den Artikeln auf ZEIT-Niveau in eurer SZ oder hier auf dein.gs müsste ich dir eigentlich persönlich ganz schön krumm nehmen ... Aber ich tue es nicht, verfasst du doch auch gerne selbst einige davon :o)

also leute
es war ein wahrlich brilliantes Stück und wenn ihr so darüber urteilt habt ihr wirklich keine Ahnung.
wisst ihr wie viel Arbeit es bestimmt war dieses Stück auf die beine zustellen??

(siehe auch oben)
...
Verfasst von Redakteur am 16. Januar 2010 - 16:49.

Von einem Artikel, der niemals eine Bewertung der Qualität der Aufführung transportieren sollte, kann man auch nicht erwarten, positiv oder negativ ausgerichtet zu sein.
Ich würde es mir nie anmaßen, Schultheater - egal ob qualitativ gut oder schlecht - negativ zu kritisieren. Denn viel wichtiger als eine gute oder schlechte Aufführung ist es meiner Meinung nach, dass die Schüler Spaß dabei haben, Theater zu machen. Erfahrungen außerhalb des Schulalltages erhalten können. In fremde Rollen schlüpfen. Insofern ist Schultheater immer etwas Positives und Lehrreiches. Und das ist es, was der Artikel kommunizieren sollte... Geschafft hat er es offensichtlich nicht. Aber analog zum Schultheater müsste es ja dann bei einer Schülerzeitung weniger darum gehen, Artikel auf ZEIT-Niveau zu schreiben, als Erfahrungen und Beobachtungen beim journalistischen Arbeiten zu sammeln. Ich habe nie Theaterpädagogik studiert.

Mir persönlich hat die Aufführung sehr gefallen. Schön, wenn es anderen genauso geht...

Gibt es eure werte Schülerzeitung überhaupt noch? Wenn ja, wie lange müssen wir denn noch auf die neue Ausgabe warten? Habt ihr nicht im Mai das 50-jährige Jubiläum - was wohl einzigartig sein dürfte?

Die Frage ist durchaus berechtigt, und dessen sind wir uns natürlich auch bewusst. Auch das Jubiläum blieb von uns selbstverständlich nicht unbeachtet, deswegen haben wir eine kleine Überraschung für euch geplant, so viel kann ich jetzt schon verraten.

Allerdings haben wir momentan eben auch mit mehreren Schwierigkeiten zu kämpfen, was nicht zuletzt auch redaktionelle Umstruktierungen betrifft. Das Grundgerüst für die neue Ausgabe steht dennoch bereits, theoretisch sind eigentlich nur noch Feinjustierungen notwendig. Lange sollte es also nicht mehr dauern; einen festen Zeitpunkt kann ich dir allerdings trotzdem nicht nennen, zumal wir in dieser Angelegenheit (leider) sehr flexibel sind.

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