Faszination der Bühne
20. Juli 2009 - 20:04
1748
Nach nur vier Jahren Bauzeit und fernab der europäischen Zentren und Handelswege entstand in Bayreuth eines der beeindruckensten Opernhäuser Europas: das Markgräfliche Opernhaus. Am 14. Mai 1748 gab Markgräfin Wilhelmine ihrer großen Begeisterung durch einen Brief an ihren Bruder, Friedrich den Großen, Ausdruck und lobte den italienischen Theaterbaumeister Guiseppe Galli-Bibiena als einen unübertroffenen Meister seines Faches, da er ihrer Meinung nach beim Innenausbau eine vollkommene Symbiose aus dem italienischen und französischen Stil geschaffen hatte.
Bis zu 80 Kulissenwechsel waren in jedem Stück nötig
Doch nicht nur das Theater, sondern auch die Illusion auf der Bühne sollte perfekt sein - die adeligen Gäste wollten schließlich aufs Angenehmste unterhalten werden. Und so verwundert es nicht, wenn bei Aufführungen, die durchaus vier Stunden Zeit in Anspruch nehmen konnten, bis zu 80 Kulissenwechsel nötig waren. Die etwa 30 Bühnenarbeiter, die auch für Soundeffekte wie Donner, Wind und Regen zuständig waren, hatten einen wirklich kraftzehrenden und schweißtreibenden Job.
1962
Doch mit den Jahrhunderten änderte sich auch die Technik und die barocke Bühnentechnik wurden obsolet. Im Jahr 1962 wurde sie schließlich komplett entfernt und die moderne menschenersetzende Technik hielt auch in diesem Bereich Einzug. Die «Modernisierer» hatten jedoch vergessen, die wertvollen alten Geräte zu dokumentieren.
1995
Um diesen Missstand zu beheben, gründete Klaus-Dieter Reus, Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde am GCE, eine Arbeitsgruppe, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, herauszufinden, wie die diversen Effektmaschinen bzw. Bühnen konstruiert waren. Dazu waren viele Exkursionen durch ganz Europa notwendig. Mit der Zeit führten diese Reisen nicht nur dazu, die barocke Bühnentechnik zu erforschen und diese maßstabsgetreu nachzubauen, sondern auch zur Bildung eines internationalen Netzwerks von 28 Theatern in sieben Ländern, die sich der alten Technik verschrieben hatten.
2009
Nach den vielen Jahren und vielen Reisen – nach 15 Jahren um genau zu sein - ist pünktlich zum Jubliäumsjahr der Markgräfin Wilhelmine – Bayreuth begeht das Jubiläum ihres 250. Todestages und 300. Geburtstages – die Wanderausstellung, die unter anderem bereits in Ludwigsburg, Karlsruhe, Kopenhagen und Stockholm, zu sehen war, wieder an den Ort ihres Ursprungs zurückgekehrt. Doch bis zur Ausstellungseröffnung im Markgräflichen Opernhaus ist noch einiges zu tun. Und so ist es kein Wunder, dass wieder Späne fallen im Gymnasium Christian-Ernestinum. Experte Klaus-Dieter Reus, Kunstlehrerin Carla Schmidhuber und elf geschickte und engagierte Schüler des Arbeitskreises «Theatergeschichte» sägen, hobeln und schleifen ohne Unterlass. Figurinen werden mit viel Geschicklichkeit zusammengesetzt, Kulissen mit großer Geduld und Sorgsamkeit bemalt und aufwendige Kostüme des Barocks und Rokoko geschneidert. Außerdem gilt es, die 50 erklärenden Ausstellungstafeln zu verfassen, zu layouten und anschließend zu laminieren, noch so manche bedruckte Stoffbahn aufzuspannen und alles Stück für Stück gerade noch rechtzeitig zum Ausstellungsort zu bringen.
Am 10. Juli 2009 gegen 11.00 Uhr nehmen nacheinander alle geladenen Ehrengäste, darunter Oberbürgermeister Michael Hohl mit Ehefrau Hannelore, die Landtagsabgeordneten Christoph Rabenstein und Anneliese Fischer, sowie Schulleiter Rainhard Kreutzer und etliche andere im Parkett und in den oberen Rängen Platz. Neben dem Bayerischen Rundfunk, und den Lokalzeitungen, sind natürlich auch wir eingeladen, um von diesem wohl einmaligen Ereignis zu berichten.
Durch sein außergewöhnliches Engagement hat Klaus-Dieter Reus bewahrt, was sonst vielleicht in Vergessenheit geraten wäre.
Als Entrée gab sich das Schulorchester, unter Leitung von Reinhard Maier, die Ehre und Haydns Symphonie Nr. 39 in g-Moll zum Besten. Nachdem die letzten Klänge verstummt waren, eröffnete OB Hohl offiziell die Vernissage, die für ihn persönlich den Höhepunkt des Jubiläumsjahres darstellte. Er, wie auch die folgenden Redner, dankte allen Sponsoren, Schülern, Eltern und Lehrern - allen voran aber natürlich dem Initiator Klaus-Dieter Reus, der durch sein außergewöhnliches Engagement, seinen körperlichen Einsatz und seine unermüdlichen Recherchen bewahrt und aufgezeichnet hat, was sonst vielleicht ganz in Vergessenheit geraten wäre.
Und auch wie andere ehrenamtlich engagierte Menschen hat Klaus-Dieter Reus Visionen: Den Einbau der barocken Bühnentechnik ins Markgräfliche Opernhaus, eine barocke Akademie oder wenigstens ein Theater mit barocker Bühnentechnik am Mainauensee im Rahmen der Landesgartenschau 2016.
Die Ausstellung, die bis zum 31. August 2009 täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr zu besichtigen ist, umfasst neben Maschinen der Bühnentechnik und Bühnenmodellen, detaillierte Funktions-Perspektivzeichnungen auch wertvolle Leihgaben aus der Universitätsbibliothek Bayreuth.
Unser Redaktionsteam wünscht Ihnen, lieber Herr Reus, Glück, Gesundheit und noch viel Freude an Ihrem «Steckenpferd» und vorallem, dass mindestens eine Ihrer Visionen Wirklichkeit wird :D

Die AG Geschichtswerkstatt in Aktion.

Ein Modell in XXL.

Auf den Wasserfall ist Klaus-Dieter Reus besonders stolz.

Faszination der Bühne, Verlag C. und C. Rabenstein, ISBN 9783928683258, 16,00 €



























Eine Schande, wirklich. Da hat man mal Ehrenkarten für so eine lustige Veranstaltung und kann nicht hin ...
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