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Ausgegraben #003

27. April 2009 - 23:58

Weiter geht es mit «Ausgegraben», diesmal mit den Rätseln, vor die ein alter Farbstoff der Maya die Forscher bis heute stellt und dem einzigartigen Fund eines römischen Schlachtfelds im heutigen Niedersachsen.

Text von Karl Oßwald

Heute mal etwas über die Maya. Dieses geheimnisvolle Volk existiert seit mindestens 4000 Jahren, ihre Hochkultur ist jedoch im 16. Jahrhundert untergegangen. Verschiedene Maya-Sprachen werden aber bis heute in Mittelamerika gesprochen. Sehr charakteristisch für ihre Kunst ist das sogenannte Maya-Blau. Es handelt sich dabei um eine hellblaue Farbe, die Witterungseinflüssen, Hitze, und sogar Säuren und Basen gegenüber ungemein resistent ist. Im Jahr 1931 wurde der Farbstoff wiederentdeckt. Hergestellt wird er aus Palygorskit, einem Mineral, das u. a. in Nord- und Mittelamerika in bestimmten Tonarten zu finden ist. Dieses Mineral wird mit dem Farbstoff, der aus der verschiedenen Pflanzen, u. a. Añil, gewonnen werden kann, sowie Copal, einem Baumharz, erhitzt. Interessanterweise werden alle drei Stoffe auch als Heilmittel eingesetzt. Es ist also anzunehmen, dass der Farbstoff eine große symbolische Bedeutung hatte. Vermutlich auch als Symbol für das Wasser bzw. den Regen, der in der auf Landwirtschaft basierenden Wirtschaft der Maya sehr wichtig war. Außerdem wurden die Menschen, die dem Regengott Chaak geopfert wurden, vorher mit dieser Farbe bemalt.
Jetzt hat man untersucht, wo überall im Umkreis von Uxmal auf Yucatán - einer wichtigen archäologischen Stätte - Palygorskit-Ton vorkommt. Dadurch kann jetzt bei allen Proben, die man vom Maya-Blau findet, festgestellt werden, ob sie aus der Umgebung von Uxmal stammen. In Zukunft wird man wohl noch mehr Vorkommen untersuchen und so die alten Handelswege und die kulturelle Bedeutung des Farbstoffs besser verstehen können.

Im Sommer 2008 wurden am Harzrand Spuren einer Schlacht zwischen Römern und Germanen gefunden, die dort in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts stattfand. Die Fundsituation ist geradezu einzigartig: Offensichtlich vollkommen ungestört hat das Schlachtfeld die letzten 1800 Jahre im Wald gelegen. Nach der Entdeckung wurde es sofort von der Öffentlichkeit abgeschirmt, um keine Raubgräber anzulocken. Erst im Dezember wurde die Entdeckung öffentlich. Die nahezu einzigartige Fundsituation lässt viele Schlüsse zu. So kann man zum Beispiel schon jetzt, obwohl sich das Schlachtfeld über eine Länge von 2000 Metern erstreckt, ziemlich genau sagen, welcher Route der römische Trupp folgte. Im Laufe der nächsten Jahre wird der Fundort Stück für Stück freigelegt werden. Ich bin schon ziemlich gespannt, was wohl noch zu Tage treten wird. Erstaunlich ist der Ort, vor allem im Bezug auf die Zeit, ohnehin: Über 200 Jahre nach der Varusschlacht und dann auch noch im Osten des heutigen Niedersachsen, also tief in Germanien. Tastsächlich berichten Quellen von solchen Militärexpeditionen. Bis jetzt gab es allerdings keine archäologischen Beweise.

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Foto mit freundlicher Genehmigung von Constantino Reyes

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