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Konquistador #004

9. April 2009 - 16:08

Für unseren «Konquistador» durchsegeln wir regelmäßig das Netz auf der Suche nach den großen unbekannten Web-Schätzen. Diesmal: Die Aufstellung der beiden großen Parteien im Superwahljahr 2009

Text von Philipp Schmieder

Bei den meisten deutschen Parteien hat sich spätestens mit Barack Obamas Multimedia-Wahlkampf die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Internet als Wahlkampfmedium immer wichtiger wird und so haben sich SPD, CDU/CSU, Grüne & Co. auf vielen Social-Networking-Seiten häuslich eingerichtet und bieten natürlich auch selbst mehr oder weniger umfangreiche Internetauftritte. Wir wollen uns für diese Ausgabe des Konquistadors jedoch auf SPD und CDU beschränken.

CDU

Beginnen wir mit der CDU, die von allen deutschen Parteien den ältesten Eintrag beim Internet Archive aufzuweisen hat, nämlich vom Oktober 1996. Da das Internet Archive aber erst 1996 seine Arbeit aufnahm ist es durchaus möglich, dass bereits vorher eine Internetpräsenz existierte.
Mit cdu.de bietet die CDU ein angemessenes Internetportal, das den Besucher mit einem großen Aufmacherbild und den eingebundenen Videos des CDU-Youtube-Channels «CDUTV», der interessante Einblicke in die Partei ermöglicht, begeistern will. Wirklich relevante Informationen sind aber vergleichsweise verborgen; das Parteiprogramm für die Europawahl 2009 befindet sich zwar auf der Startseite, aber nur als umständlicher 17-Seiten-PDF-Download.
Weitere Informationen kann man der Seite nur entlocken, wenn man oben in der vermeintlichen Brotkrümelnavigationsleiste die doch recht klein gehaltenen Links anklickt. Tut man das, wechselt die Seite aber plötzlich ihr Layout vollständig, offeriert nun aber auch mehr Informationen wie beispielsweise aktuelle Meldungen, allerdings ohne ein durchdachtes Bedienkonzept, was den suchenden User leicht verwirren kann.
Hat man sich ein bisschen durch die Seite geklickt, findet man das so genannte Politik A-Z der CDU, in der die Partei übersichtlich über ihre Standpunkte zu einzelnen Themen Aufschluss gibt. Das Parteiprogramm findet sich etwas versteckt ganz unten in der rechten Seitenleiste.
Das eigentlich Herzstück der Web-Kampagne der CDU ist aber das Portal TeAM Deutschland (das groß geschriebene «AM» soll wohl eine kreative Einwebung von «Angela Merkel» sein). Diese Seite (die beim Betreten unverständlicherweise ein Passwort anfordert) ist die Zentrale einer Propagandaarmee von Freiwilligen, die sich dort registrieren können und dann über verschiedene Kanäle Werbung für die Partei und Angela Merkel machen sollen. Aktuell zählt das TeAM nach eigenen Angaben 6722 Mitglieder, die über Gruppen bei Facebook, StudiVZ, MySpace und sogar im SchuelerVZ das volle Social-Networking-Spektrum abdecken sollen. Außerdem bietet TeAM Deutschland einen Fotostream bei Flickr (Die Fotos dort sind allerdings nicht zur freien Verwendung, etwa durch eine Creative-Commons-Lizenz freigegeben) und ein Microblog bei Twitter.
Das TeAM spricht dabei explizit Menschen ohne Parteibuch an, die sich aber trotzdem dafür engagieren wollen, dass «Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt». Dabei setzt man allerdings eher weniger auf Inhalte, denn auf den den Gruppen- und Coolnesseffekt. Auf der Seite finden sich sodann auch prominente Gesichter wie Lother Späth, die allerdings nur ausgesprochen kurzes Statements abgeben: «Krisenzeiten erfordern kühlen Kopf und klare Linie, deshalb unterstütze ich Angela Merkel.». Auch das Video «Darum bin ich im TeAM Deutschland» gibt nicht sehr viel mehr Informationen.
Neben der TeAM-Facebook-Gruppe gibt es dort auch eine offizielle CDU-Gruppe, die jedoch ein wenig lieblos daher kommt; wichtige CDUler scheinen sich dort ohnehin nicht zu finden.
Prominente CDU-Politiker, die direkt ansprechbar sind, findet man in den Sozialen Netzwerken oder bei Twitter nicht, jedoch einige Landesverbände der Jungen Union und MdBs.

SPD

Die SPD bietet seit dem Website-Relaunch zum Jahreswechsel ein optisch überraschend ansprechendes und modernes Partei-Portal unter spd.de, das im Gegensatz zur CDU-Seite übrigens komplett standardkonformes XHTML verwendet. Auf den ersten Blick ist der Aufbau ähnlich wie beim CDU-Portal, jedoch wirken die Funktionen und die Navigation hier durchdachter, sodass man über die Navigationsbuttons an der Seite tatsächlich neue Inhalte im großen Content-Kasten ansehen kann. Manche Links führen dann aber inkonsistenterweise doch zu einem Portal in anderem Layout. Dieses ist jedoch mithilfe einer großen Navigationsleiste (die auch auf der Startseite eingeblendet werden kann) im Kopfbereich ausgesprochen übersichtlich gehalten. So findet man beispielsweise rasch eine angenehm zu lesende Zusammenfassung der wichtigsten Punkte des SPD-Parteiprogramms sowie die kompletten Programm-PDFs zum Herunterladen.
Bereits auf der Startseite verweist die SPD auf ihre offiziellen Präsenzen bei Youtube, Flickr (auch hier keine freien Lizenzen, dafür aber hochwertigere Fotos), Facebook und Twitter.
Die Aufritte in diesen sozialen Netzwerken sind durchaus bemerkenswert, da sie im Rahmen der jeweiligen Portale sehr professionell gestaltet und konsequent und regelmäßig verwendet werden. Interessanterweise haben auch alle prominenten SPD-Politiker eigene, von der SPD-Facebook-Seite verlinkte Facebook-Profile.
So findet man dort neben Peer Steinbrück, Franz Müntefering und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil, der von seinem Blackberry aus auch einen eigenen Tweet führt, während die Profilseiten der anderen wohl eher von Dritten gepflegt werden. Dennoch kommen so die Politikern den Bürgern ein ganzes Stück näher, denn direkte Kontaktaufnahme ist so ja trotzdem möglich - und Hubertus Heil beantwortet bisweilen auch Fragen bei Twitter.
Neben der offiziellen Website hat die SPD auch noch das Wahlkampfportal wahlkampf09.de in Petto. Dort finden sich wie auch bei der CDU Unterstützer mit Statements, warum sie die SPD wählen werden. Diese Kommentare fallen aber ausführlicher aus als bei der CDU. Momentan gibt es dort 7348 Unterstützer. Außerdem bietet das Portal regelmäßig Artikel in verschiedenen Kategorien zu aktuellen Themen aus Sicht der SPD.

Fazit

Beide Parteien haben sich durchaus Mühe gegeben, die Wähler über das nun nicht mehr ganz so neue Medium Internet anzusprechen. Allerdings hat die SPD klar die Nase vorn, dadurch dass sie die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke konsequenter nutzt, ihre Politiker mit in die Webkampagnen einbindet und offenbar in die offizielle Parteiwebsite mehr Aufwand investiert hat als die Konservativen.
Kein Wunder also, dass auch die Gruppen in den sozialen Netzwerken sowie die Kampagnenwebsiten der SPD deutlich mehr Mitglieder zählen.

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Die CDU-Website präsentiert sich recht aufgeräumt, versteckt aber relevante Inhalte


Das CDU-Kampagnenportal TeAM Deutschland präsentiert eine sinnlose Loginaufforderung beim Betreten der Seite.


Die Facebook-Seite von TeAM Deutschland ist ein wenig lieblos gestaltet.


Die SPD hat ihr Webportal zum Jahreswechsel einem aufwendigen Relaunch unterzogen.


Kanäle wie soziale Netzwerke (hier Facebook) werden von offizieller Seite aus rege genutzt.


Die Kampagnenwebsite der SPD offeriert neben den Statements der Unterstützer auch Artikel zu aktuellen Themen.

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Zeug gibts... Da geht doch glatt die Tagesschau bei uns klauen.
http://www.tagesschau.de/inland/wahlkampfimnetz100.html

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