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Ausgegraben #004

6. Mai 2009 - 19:54

Eine neue Woche, eine neue Folge von Ausgegraben, diesmal mit besonders vielen Meldungen aus der Welt der Archäologie. So wurde beispielsweise bei Mageburg ein römisches Kastell entdeckt, im Elsass eine Totenstadt ausgegraben und auf der ägyptischen Halbinsel Sinai gleich vier Tempel entdeckt.

Text von Karl Oßwald

Auf dem Sinai wurden gleich vier ägyptische Tempel entdeckt. Alle lagen entlang des sogenannten Horuswegs, einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen Ägypten und Asien. Durchaus möglich, dass es beabsichtigt war, auf diese Weise Fremde gleich bei der Einreise zu beeindrucken. Mehr dazu in den Links.

In Entzheim bei Straßburg wurde die bisher größte bekannte Nekropole im ganzen Elsass ausgegraben. Die meisten Gräber stammen aus der Großgarchtner Kultur, aus der Zeit zwischen 4700 und 4500 v. Chr., aber manche sind sogar schon um 5400 v. Chr. entstanden. Alle Gräber stammen somit aus der Jungsteinzeit. Die Menschen waren in dieser Zeit bereits sesshaft, bauten Häuser und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Auch Keramik kam im großen Stil auf, aber Metallverarbeitung war noch unbekannt. Viele Fragen zu dieser Nekropole sind noch ungeklärt und werden - wenn überhaupt - erst im Laufe der nächsten Jahre bei der genauen Untersuchung der Funde geklärt werden können. Seltsam ist zum Beispiel, dass manche Gräber nach Nordwesten, andere nach Südosten ausgerichtet sind. Auch Urnen, in denen anscheinend menschliche Knochen gesammelt wurden, sowie eine relativ große Zahl an Kindesbestattungen müssen noch genauer untersucht werden.

Neues gibt es auch bezüglich der sogenannten Indus-Schrift (siehe Bild). 2500 bis 1900 v. Chr. wurde sie von der Indus- oder Harappa-Kultur, der frühesten Hochkultur auf dem indischen Subkontinent, verwendet. Angebracht wurden die Symbole u. a. auf kleinen Tontäfelchen. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich um eine Schrift handelt oder es lediglich Symbole mit z. B. kultischer Bedeutung sind. Wenn es eine Schrift ist, könnte es sich um eine Bilderschrift oder eine Silbenschrift, vielleicht auch eine Mischung aus beidem, handeln. Aufgrund der relativ kurzen Inschriften, aber einer großen Vielfalt an Symbolen ging man bisher davon aus, dass es sich gar nicht um eine Schrift handelt. Einer neuen Untersuchung zufolge weisen die Inschriften doch gewisse Merkmale einer Sprache auf. Eine Entzifferung ist bisher aber nicht gelungen und dürfte auch kaum möglich sein, da die Inschriften wie gesagt sehr kurz sind und man nicht weiß, um was für eine Sprache es sich handelt und welcher Sprachfamilie sie angehörte und ob es überhaupt verwandte Sprachen gibt, die heute noch bekannt sind.

In London hat man unterdessen in einem römischen Grab eine komplette Glasschale gefunden. Obwohl sie in viele kleine Stücke zerbrochen war, fehlte kein einziges. So war es möglich, die Schale wieder komplett zusammenzusetzen. Die Verzierung besteht aus unzähligen winzigen Blüten, daher auch der Name für diese Art von Glas: Millefiori - Tausend Blumen. Nach nahezu zwei Jahrtausenden glänzt das großartige Stück Handwerkskunst noch immer wie neu.

Bei Magdeburg hat man eine ca. 800 Jahre älteres Kastell aus der Zeit Karls des Großen nachgewiesen. Bisher war es nur aus schriftlichen Überlieferungen bekannt. Errichtet wurde es wohl als Stützpunkt für Militärkampagnen gegen slawische Stämme, die zu dieser Zeit östlich der Elbe siedelten.

In China - genauer gesagt bei Xuchang in der zentralen Provinz Henan - hat man die bisher älteste Plastik Chinas gefunden, mit einem stolzen Alter von 12.000 bis 15.000 Jahren. Es handelt sich dabei um eine Vogeldarstellung, die aus Hirschgeweih gefertigt war. Der Fuß ist so zurechtgeschnitzt, dass die 2,1*1,2*0,6 cm kleine Figur wohl stehen konnte. Genauso wie z. B. die berühmten Tierfiguren aus der schwäbischen Vogelherd-Höhle - unter ihnen die Mammutfigur, die 2007 gefunden wurde - stammen die Figuren aus der Altsteinzeit, auch wenn die Plastiken aus der Vogelsteinhöhle noch mal gut 15.000 Jahre älter sind.

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Tafeln mit Tiersymbolen und Zeichen der Indus-Schrift
Foto: GNU Free Documentation License, Version 1.2, Wikimedia Commons

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