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Ausgegraben #005

14. Mai 2009 - 18:23

Auch in dieser Folge geht es wieder um archäologische Entdeckungen in aller Welt. Diese Woche wurde nbeispielsweise ein bislang unbekanntes Grab aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. in Ägypten und das Wrack eines Wikingerschiffs in einem schwedischen See gefunden.

Text von Karl Oßwald

Wieder einmal eine Sensation aus Ägypten. In der Nähe der Lahun-Pyramide, die im 19. Jahrhundert v. Chr. unter Sesotrit II. aus Lehmziegeln erbaut wurde, hat man ein Grab aus der zweiten Dynastie - dem frühen 3. Jahrtausend v. Chr. - entdeckt. In einem hölzernen Sarg fanden sich die Überreste eines 40 bis 49 Jahre alten Mannes, der wohl eine hohe Position hatte. Da zu dieser Zeit noch keine Mumifizierung betrieben wurde, ist der Körper - für ägyptische Verhältnisse - schlecht erhalten. Das trockene Wüstenklima hat aber doch einiges konserviert.

Unterdessen wurden 24 ca. 2000 Jahre alte Skelette, die Anfang der 1990er Jahre im Römerlager in Haltern am See entdeckt wurden, mit der sog. Sauerstoff-Strontium-Isotopenanalyse untersucht. Genauer gesagt, ihr Zahnschmelz wurde untersucht - mit überraschenden Ergebnissen. Die 24 Skelette wurden in einem Töpferofen gefunden. Sie alle stammen von Männern zwischen 20 und 50 Jahren, auch ein Hund wurde gefunden. Die Untersuchung des Zahnschmelzes belegt jetzt, dass es sich um Germanen handelte: Während sechs der Männer aus der näheren Region stammte, waren die anderen aus dem Schwarzwald oder Böhmen. Es ist wohl anzunehmen, dass sie versuchten, das Römerlager zu stürmen, scheiterten, und von ihren Gegnern im Töpferofen „entsorgt“ wurden. Da es sich aber um so wenige handelt, ist wiederum anzunehmen, dass die Besatzung reduziert war. Ein voll besetztes Römerlager anzugreifen wäre der schiere Wahnsinn gewesen. Das die Besatzung reduziert war, deutet wiederum darauf hin, dass der Angriff nach der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr., in den Jahren 10-16, erfolgte. Das Lager wurde also nicht, wie bisher angenommen, noch im Jahr der Varusschlacht aufgegeben, sondern erst ein wenig später.

Auch aus der Altsteinzeit gibt es interessante Entdeckungen, diese Woche sogar zwei.
In Marokko hat man die bisher älteste Perle der Menschheit gefunden. Hergestellt aus Muschelschalen, wurden die ältesten Exemplare jetzt auf ein stolzes Alter von 110.000 Jahren datiert.
In Slowenien wurde eine Speerspitze aus der Altsteinzeit gefunden. An sich nicht so sensationell - man kennt massenweise Gerätschaften aus dieser Zeit. Sensationell ist aber das Material: Das Gerät besteht aus Eibenholz. Durch den Vergleich mit steinernen Speerspitzen wurde der Fund auf 30.000 bis 50.000 Jahre geschätzt, eine radiometrische Untersuchung in Oxford brachte Gewissheit: 38.000 bis 45.000 Jahre wird der Speer wohl schon in der Erde gelegen haben.
Im Schwabenländle gibt es schon wieder einen Sensationsfund: Im «Hohlen Fels», einer Höhle beim Achtal, in deren Nähe schon allerlei zu großer Bekanntheit gelangte Funde gemacht wurden, so etwa der berühmte Löwenmensch oder die Mammutplastik, die vor 3 Jahren durch die Presse ging, hat man jetzt die älteste bekannte Menschenfigur gefunden: Sie weist ein stolzes Alter von 35.000 Jahren auf. Genauer gesagt handelt es sich um eine Frauendarstellung, die an andere Frauendarstellungen aus der Altsteinzeit, wie z. B. die Venus von Willendorf, erinnert. Die etwa 6 Zentimeter hohe Statuette diente offensichtlich als Anhänger, wie Abreibungen sowie vor allem eine Öse, die statt eines Kopfes angebracht wurde, nahelegen. Bilder des Sensationsfundes gibt es in den Links.

In Schweden hat man im Vänern - den größten der schwedischen Seen - ein 20 Meter langes Wrack eines Schiffes aus der Wikingerzeit gefunden. Details sind noch nicht bekannt, aber ich bin mir sicher, dass das Schiff wichtigen neue Erkenntnisse bringen wird.

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Die Pyramide von Sesotrit II.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Jon Bodsworth

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