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Ausgegraben #006

18. Mai 2009 - 23:26

Auch und gerade in der Welt der Archäologie geschehen gar verwunderliche Dinge - wo sonst würde man ein Haar in 200.000-Jahre Hinterlassenschaften von Hyänen suchen und finden? Dies, das Geheimnis des sardonischen Lächelns, das Homer beschrieb und vieles mehr in der neuen Folge von Ausgegraben.

Text von Karl Oßwald

In Südafrika hat man 40 menschliche Haare gefunden. Das besondere daran? Sie sind etwa 200.000 Jahre alt. Das bisher älteste bekannte Haar ist 9.000 Jahre alt und stammt von einer Mumie aus Chile. Ein wenig makaber ist allerdings die Fundsituation: die Haare konnten die Zeit eingeschlossen in einem Koprolith überdauern. Bei einem Koprolithen - zu deutsch «Kotstein» - handelt es sich um versteinerte Exkremente. Offensichtlich hat also ein Rudel Hyänen damals den bereits verstorbenen aufgefressen (denn Hyänen sind Aasfresser). Nähere Untersuchungen werden vermutlich Aufschluss darüber geben, von welcher Menschenart das Haar stammt - in Frage kommen vor allem der sog. «Homo heidelbergensis» sowie der moderne Mensch, der Homo sapiens. Es wäre aber durchaus auch möglich, dass es sich um eine bis dato unbekannte Menschenart handelt. Man wird vermutlich auch die Haarfarbe sowie den Gesundheitszustand feststellen können.
telegraph.co.uk: 200.000-Jahre-alte Menschenhaare in Kot gefunden [en]

Die nächste Meldung ist besonders interessant für die Altgriechen unter uns. Wer einmal Homer gelesen hat, dem bleibt sicherlich seine bilderreiche Sprache im Gedächtnis. Eines dieser Bilder ist das «sardonische Lachen», das ein Lachen über den eigenen Schmerz oder das eigene Unglück ausdrückt. Angeblich gab es bei den Sardonen, der punischen Bevölkerung Sardiniens, den Brauch, dass zum Tode verurteilte ein Gift trinken mussten, dass sie im Moment des Todes lächeln ließ.
Tatsächlich hat man bei der Pflanze «Oenanthe fistulosa», die auf Sardinien sehr häufig vorkommt (auf deutsch unter anderem als röhriger Wasserfenchel bekannt), entdeckt, dass ein Giftstoff der Pflanze tatsächlich Gesichtsmuskeln kontrahieren lässt und somit eine Art Lächeln erzwingt. Jetzt wird untersucht, ob man die Pflanze vielleicht als Heilmittel verwenden kann. Es wäre unter anderem denkbar, dass damit gelähmte Gesichtspartien geheilt werden können.
ANSA.it: Sarden enträtseln das «sardonische Lächeln» [en]

Eine neue Untersuchung hat (mal wieder) bewiesen, dass die Neandertaler alles andere als auf den Kopf gefallen waren. Der niederländische Forscher Gerrit Dusseldorp hat die Essensreste verschiedener Lagerstätten untersucht und dabei herausgefunden, dass die Neandertaler in warmen Waldgebieten eher Einzelgänger, in kälteren und weniger stark bewaldeten Gebieten eher Herdentiere, die schwerer zu erlegen sind, erbeutet haben. Die Herdentiere traten in den nördlichen Steppen nämlich massenweise auf und waren somit leichter zu finden als Einzelgänger. Offensichtlich war der Neandertaler also - anders, als das Klischee es nahelegt - in der Lage, sich an die Umstände anzupassen und Strategien zu entwickeln, einzelne Tiere von der Herde zu isolieren. Um eine solche Jagd zu koordinieren, müssen sie nicht nur gute Strategen gewesen sein, sondern auch über gute Kommunikationsmethoden verfügt haben.
ScienceDaily: Neandertaler waren hervorragende und furchtlose Jäger [en]

In den Niederlanden hat man nördlich von Amsterdam bei Enkhuizen eine 3.000 Jahre alte Siedlung aus der Bronzezeit gefunden. Das ist vor allem deshalb überraschend, weil man bisher dachte, dass man damals nicht in der Lage war, auf dem dortigen Feutchboden zu siedeln. Man hat allerdings einfach um die Häuser herum Abflussgräben angelegt, die sich heute dunkel gegen den restlichen Boden abzeichnen. Die Menschen lebten dort vor allem von Getreideanbau, Viehzucht und Fischfang.

RNW: Bronzezeit-Menschen siedelten im feuchten Norden. [en]

Bei Zăvoi im Kreis Caraş-Severin im Südwesten Rumäniens sind rumänische Archäologen auf einen Palast des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus - besser bekannt als Trajan - gestoßen. Unter ihm erreichte das römische Reich seine größte Ausdehung, er eroberte unter anderem das Dakerreich. Dort ließ er bereits im Jahr 101 - vier Jahre vor der vollständigen Unterwerfung der Daker - besagten Palast errichten. Man erhofft sich jetzt neue Erkenntnisse über die dakoromanische Kultur.
newKerala.com: Kaiser Trajans Palast in Rumänien entdeckt [en]
Duniyalive.com: Kaiser Trajans Palast in Rumänien entdeckt [en

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Moderne Kopie einer Homer-Statue in der Münchener Glyptothek.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Bibi Saint-Pol


So könnten die Neandertaler ausgesehen haben - gar nicht so viel anders als wir. Rekonstruktion des «Musée national de préhistoire» in Frankreich.
Foto: cc by-sa 3.0 V. Mourre

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