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Ausgegraben #007

27. Mai 2009 - 22:29

Die lange gesuchte Verbindung zwischen Mensch und Affe ist das Fossil «Ida», entgegen derartiger Sensationsmeldungen wohl doch nicht. Interessant ist Ida aber allemal. Doch auch diese Woche gibt etliche Nachrichten aus der Welt der Archäologie: Von antiken Kampfesspuren in China und der vor 5000 Jahren wohl doch nicht ganz so freidlichen Schweiz über neue Datierungsmethoden bishin zu neuen Funden in Ägypten - all das gibt es in dieser Ausgabe von Ausgegraben.

Text von Karl Oßwald

An den Universitäten Manchester und Edinburgh wurde eine Methode entwickelt, Keramik zu datieren. Bisher war eine naturwissenschaftliche Altersbestimmung wenn überhaupt nur bei organischen Objekten möglich. Aber, wie man jetzt herausgefunden hat, lagert unglasierte Keramik Feuchtigkeit aus der Umgebung ein, und zwar gleichmäßig und ziemlich unabhängig von der Umgebung. Ein Stück Ton wird so mit der Zeit immer schwerer. Die neue Methode ist überraschend einfach: Man wiegt die Scherbe mit einer hochpräzisen Waage und erhitzt sie danach auf 500°C. So entzieht man ihr die gesamte Feuchtigkeit. Indem man sie erneut wiegt, stellt man fest, wie viel Wasser sie eingelagert hatte. Danach wird ermittelt, wie viel Feuchtigkeit das Artefakt in einem bestimmten Zeitraum aufnimmt und kann somit das Alter sehr genau berechnen: Nur maximal 20 Jahre Abweichung haben bisherige Tests mit Scherben, deren Alter bekannt war, ergeben.
Das Verfahren hört übrigens auf den schönen Namen «Rehydroxylationsdatierung».
Links:
archaeologie-online.de: Mit Wasser und Feuer Keramik datieren

In China hat man auf einer alten Heerstraße mindestens 2000 Jahre alte Spuren eines Kampfes gefunden. Und zwar in Form von Fußabdrücken, die die Zeiten überdauert haben. Zhang Zaiming vom archäologischen Institut der Provinz Shaanxi hat daraus den Kampfablauf rekonstruiert: Während einige Männer die Angreifer aufhielten, sind offensichtlich einige Frauen mit ihren Kindern geflohen.
Links:
china.org.cn: Mystery footprints restore warring scene [en]

In der Schweiz - genauer gesagt bei der Gemeinde Sutz-Lattrigen am Bielersee - ist man auf eine 5000 Jahre alte Pfahlbausiedlung gestoßen. Das besondere an dieser Anlage (man hat am - bzw. wie in diesem Falle im - Bielersee mehrere vergleichbare gefunden) ist die Verteidigungsanlage. Aus dieser Gegend sind die ältesten bisher bekannten Anlagen gut 1500 Jahre jünger. Die bloße Existenz der Anlage deutet auf kriegerische Zeiten hin. Wir dürfen gespannt sein, was dort noch für Erkenntnisse gewonnen werden können.
Links:
epoc-magazin.de: Älteste Pfahlbausiedlung mit Verteidigungsanlage

Kaum eine Woche vergeht ohne eine Sensationsmeldung aus Ägypten. So auch diesmal: Aus der dunklen Epoche der Fremdherrschaft der Hyksos im 17. Jahrhundert v. Chr. in Nordägypten hat man neue Erkenntnisse gewonnen. So weiß man jetzt zum Beispiel, wo die Hyksos herkamen, nämlich aus der nördlichen Levante, dem heutigen Syrien und Libanon. Das hat die Untersuchung eines neu entdeckten Palastes ergeben, der den Hyksos zugeordnet werden kann. Er passt genau zu den syrischen Palästen jener Zeit. Außerdem hat man dort das älteste bisher aus Ägypten bekannte Bruchstück einer Keilschrifttafel in einem Brunnenschacht gefunden. Die akkadische Inschrift lässt sich, obwohl nur ein Wort eindeutig zu erkennen ist, auf die letzten 50 Jahre des altbabylonischen Reiches, das 1550 v. Chr. endete, datieren.
Links:
epoc-magazin.de: Älteste Keilschrift aus Ägypten
DiePresse.com: Archäologie: Älteste Keilschrift aus Ägypten

Ein kleiner Exkurs in die Paläontologie. Manchmal überschneiden sich Archäologie und Paläontologie, aber diese Meldung ist ganz klar paläontologischer Natur. 1983 wurde in der Grube Messel das Fossil eines Primaten gefunden. Warum ich das jetzt schreibe? Leider haben vor 26 Jahren die Privatsammler, die es geborgen haben, offensichtlich nicht die Bedeutung ihres Fundes erkannt. Das 47 Millionen Jahre alte Fossil ist sehr gut erhalten, sogar Fellreste und den Mageninhalt kann man erkennen. Jørn Hurum, der das Fossil ausführlich untersuchte, ihm den Namen «Ida» (nach seiner Tochter); die Spezies heißt darwinius masillae. Hurum nimmt an, dass es sich dabei um einen frühen Vorfahren aller heute lebenden Primaten handelt. Es gibt allerdings auch die Meinung, dass Ida nur eine «entfernte Verwandte» ist.
Links:
faz.net: Ist «Tante Ida» der Vorfahr von Mensch und Affe?
guardian.co.uk: Fossil Ida: she's 47m years old – and she's our link to animal life [en]
Why Ida fossil is not the missing link [en]

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Das Fossil «Tante Ida» macht 26 Jahre nach seiner Entdeckung Schlagzeilen.
Foto: cc by-sa 2.5 von Jens L. Franzen, Philip D. Gingerich, Jörg Habersetzer1, Jørn H. Hurum, Wighart von Koenigswald, B. Holly Smith

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