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Konquistador #005

1. Mai 2009 - 23:49

Für unseren «Konquistador» durchsegeln wir regelmäßig das Netz auf der Suche nach den großen unbekannten Web-Schätzen. Diesmal: Drei der interessantesten und lesenswertesten Deutschen Weblogs.

Text und Screenshots von Philipp Schmieder

Was dereinst die Blogs waren, sind nun die Microblogging-Platformen: amateurhafte Webangebote, vermeintlich ohne tieferen Sinn. Weblogs dagegen haben sich mittlerweile längst in der Medienwelt etabliert.
Doch das Angebot an Blogs ist schier unendlich, täglich entstehen neue, verschwinden alte. Gerade Blogs zu Themen wie «Geld Sparen» liegen zur Zeit im Trend und schießen wie Champignons auf einer schönen Sommerwiese.
Doch es gibt sie noch, die echten, authentischen Blogs, wahre Schatzkisten im Internet, die es auf jeden Fall wert sind, gelesen zu werden. Wir stellen euch drei der besten deutschsprachigen Blogs vor.

Bestatterweblog

Beim Bestatterwenblog ist der Name Programm: Es handelt sich also um das Blog eines Bestatters, der unter den Spitznamen «Tom» oder «Undertaker» anonym bleiben will. Ein verständlicher Wunsch, denn etlichen Kunden und Mitarbeitern würde so einiges, was Tom da schreibt, nicht sonderlich gefallen.
In diesem Blog geht es nämlich neben Fragen zum Thema Tod und Bestattung auch und vor allem um die zahlreichen teils unglaublichen Geschichten, die Tom in seinem Beruf erlebt.
Jedoch handelt es sich beim Bestatterweblog nicht um ein plattes Ich-hasse-meine-Kunden-Blog; der anonyme Undertaker bewegt sich bei seinen nahezu täglich erscheinenden Geschichten stets zwischen großartigem Humor und echter Betroffenheit.
So findet man neben Anekdoten aus Toms Leben und Geschichten mit wiederkehrenden Charakteren wie der schrecklichen Birnbaumer-Nüsselschweif und dem nervigen Nachbarn Nasweis-Lästig, tief bewegende Geschichten wie die von der jungen Witwe Daniela, die ihren Mann früh verlor und schließlich in Toms Bestattungshaus einen Suizidversuch unternahm.
Viele der Geschichten sind auf mehrere Posts aufgeteilt, besonders erwähnenswert ist hier die 23-teilige Geschichte «Olugulade», in der es um ein kenianisches Kind geht, das Tom aufgrund tragischer Umstände vorübergehend adoptieren muss, was ihm jedoch viel Ärger mit der Birnbaumer-Nüsselschweif einbringen sollte ...
Die Blogeinträge sind durchweg in einer ungewöhnlich kreativen und angenehm lesbaren Sprache verfasst, weshalb man sich leicht, wie bei einem guten Buch, für ein paar Stunden im Bestatterblog verlieren kann.

Spreeblick

Das mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete Blog Spreeblick.com ist eines der etabliertesten deutschen Weblogs und beschäftigt sich mit einem breiten Themenspektrum aus Kultur, Medien und Politik.
Dabei schreiben 13 verschiedene Autoren höchst unterschiedlich geartete Artikel: Von kurz gehaltenen Linkempfehlungen bishin zu ausführlichen Artikeln wie dem aktuellen Aufmacher zum Thema Straßengewalt oder diesem Artikel zu den obskuren Geschäftspraktiken von Jamba, mit dem das Blog Ende 2004 deutschlandweit bekannt wurde.
Der Mediendesigner und Gründer von Spreeblick, Johnny Haeusler, gründete im Jahr 2005 in Kooperation mit anderen Blogs die Spreeblick Verlag KG, den ersten deutschen Verlag speziell für Weblogs. Ziel der KG ist es nach eigenen Angaben, Blogs zu finanzieren, indem man sie etwa durch gemeinsames Vermarkten von Werbefläche unterstützt, allerdings sind etliche der verlagseigenen Blogs momentan nicht erreichbar.

fefe

Fefes Blog, das Weblog des IT-Spezialisten Felix von Leitner, ist eine eine echte Koryphäe in der deutschen Blogosphäre. Leitner berichtet knapp und mit einem herrlich pessimistischen, teils zynischen und satirischen Blick über Aktuelles aus dem Weltpolitikgeschehen und der Welt der Technik.
Als Anhänger freier Software und langjähriger CCC-Spreche fokussiert von Leitner besonders freiheitliche Themen: Er kritisiert Politiker mit mangelnder Medienkompetenz, berichtet über obskure Missverständnisse und schreibt von aktuellen Problematiken wie der Zensur - nicht nur in Deutschland.
Unzählige Blogger verweisen am Ende vieler ihrer Blogposts kryptisch mit «via fefe» auf die ursprüngliche Quelle ihrer Nachricht. Fefe ist ein Phänomen - und das, obwohl das Blog optisch ausgesprochen minimalistisch ist; sogar noch minimalistischer als hier auf dem Screenshot zu sehen. Glücklicherweise bietet das Blog nämlich die Möglichkeit, verschiedene Designs zu aktivieren - ansonsten erscheint es nur als reiner, unformatierter Text.

Hey, wo ist Bildblog?

Natürlich gibt es noch viele viele andere Blogs - insbesondere auch bekanntere. Nur: Warum sollten wir sie euch vorstellen, wenn man sie ohnehin schon kennt? Der «Vollständigkeit» halber hier also noch drei weitere bekannte Blogs:

  • BILDblog berichtet über die Patzer der BILD und neuerdings auch über Fehler in anderen Medien
  • Das Design Tagebuch ist die beste Anlaufstelle für alle, die sich für Design und Grafik interessieren.
  • blog.tagesschau.de ist das Blog der Tagesschau-Onlineredaktion. Hier finden sich interessante Einblicke in die Arbeit der Tagesschaujournalisten und die Medienwelt.
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Im Bestatterweblog erzählt Undertakter Tom von den alltäglichen Unglaublichkeiten seines Metiers und klärt über Tod und Bestattung auf.


Die Gründer von Spreeblick gründeten einen Verlag, um die Seite zu finanzieren. Das Weblog besticht durch eine große Themenvielfalt.


Fefes Blog ist ein echtes Phänomen in der deutschen Bloggerszene und gibt sich sehr minimalistisch. Hier mit aktiviertem Design.