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Konquistador #008

4. Juli 2009 - 17:22

In dieser Folge unseres Konquistadors haben für euch ein Gefilde durchsegelt, das in der Netzpopkultur lange als unschiffbar galt: Klassische Musik erlebt auf Videoplattformen eine ungeheure Renaissance.

Text und Screenshots von Philipp Schmieder

Der Verfall der guten Sitten scheint ja im Internet besonders weit verbreitet zu sein, glaubt man der Bundesregierung. Insbesondere in Bezug auf klassische Musik würden wohl auch die meisten Internet-User zugeben, dass es zumindest dieser Kulturbereich nicht ins Zeitalter 2.0 geschafft habe.
Dabei liegen sie allerdings mehr als falsch, denn nirgends wird so viel gefiedelt, gesungen und geflötet wie auf den internationalen Videoplattformen - allen voran Youtube.

Denn Tausende von Amateurmusikern haben erkannt, dass sie ihre musikalische Ader nirgends so einfach und nirgends vor einem so großen Publikum ausleben können wie auf den internationalen Videoplattformen. Doch sie sind nicht die einzigen: Auch Google hat diese Entwicklung bemerkt und aus den unzähligen Musikanten ein eigenes Symphonieorchester zusammengestellt.
Am 1. Juli 2008 gab Google auf seiner Plattform Youtube bekannt, dass man das «erste kollaborative Online-Orchester» zusammenstellen wolle. Jeder konnte nun ein Video von sich beim Spielen der vom chinesischen Komponisten Tan Dun eigens komponierten «The Internet Symphony No. 1 - Eroica» hochladen und wurden anschließend von einer Jury bewertet.
Die Auserwählten wurden im April 2009 schließlich nach New York eingeladen, wo sie in der berühmten Carnegie Hall unter der Leitung Michael Tilson Thomas ihren ersten gemeinsamen Auftritt hatten.

Bisweilen ist die Musik bei Youtube natürlich nichtsdestotrotz ein zweischneidiges Schwert, denn nicht nur Hobbymusiker veröffentlichen ihre Werke freiwillig; von vielen wichtigen Werken der klassischen Musik finden sich auch Aufnahmen professioneller Künstler, die von Dritten ohne deren Genehmigung hochgeladen wurden. Den Musikhörer freut's, denn für ihn sind wunderbare Aufnahmen wie eine Aufzeichnung Dietrich Fischer-Dieskaus von Schuberts Winterreise nur einen Klick entfernt. Rechtliche Lage: Ungeklärt.

Rechtliche Lage: Ungeklärt.


Allerdings haben auch professionelle Vertreter der klassischen Musik längst erkannt, dass sie im Internet eine ungleich größere Hörerschaft finden als in den Konzertsälen der Welt. Und so bleibt es sicher spannend, die kommenden Entwicklungen diesbezüglich zu beobachten, aber eines steht fest: Klassische Musik ist im WWW so lebendig wie nie zuvor.

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Youtube stellt sein Orchester auf einer eigenen Seite vor.


Das Youtube-Orchester wurde mit stehenden Ovationen bedacht.
Montage und Fotos: cc by-nc-sa 2.0 von Stephen L Harlow

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Omg

Eroica hätte ich mir gerne angesehen bzw. angehört, aber das Video läuft nicht ruckelfrei ... schade :(

Last Spring von Grieg ... schön ... (roots Lieblingsstück? :D)

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