De Libris: Der Kaiser von China
18. März 2009 - 23:58
Keith Stapperpfennig hat einen albernen Namen, so albern, dass seine Freundin Franziska, die er eigentlich heiraten will und die bis vor kurzem seine Großmutter war, ihn lieber Kapunkt nennt. Doch das ist nicht Keiths Hauptproblem, denn Keith hat seinem Großvater versprochen, mit ihm nach China zu fliegen und das Reisegeld, das seine Geschwister gestellt haben, um nicht selbst mitfliegen zu müssen, leider im Kasino verloren. Außerdem will er gar nicht nach China und der Großvater ist tot.
Und da Keith den Geschwistern nun Rechenschaft schuldig ist, beginnt er nun, in Briefen an sie, sein ganz eigenes China zu erfinden. Er beschreibt in seinen Briefen ein liebenswertes, verrücktes China und zeichnet unbewusst ein beinahe gnädiges Bild des Großvaters, schließlich ist es ja sein letztes. Und spätestens als Keith sich eine angebliche Liebschaft des Großvaters mit der stärksten Frau der Welt, die vor langer Zeit aus China nach Deutschland gekommen war, ausdenkt und die nun ... aber halt, hier soll nicht die ganze Geschichte erzählt werden, denn das würde eine Menge an Lesespaß vorwegnehmen.
Der Autor
Tilman Rammstedt wurde 1975 in Bielefeld geboren und studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an mehreren Universitäten. Bereits sein erstes, 2003 erschienenes Buch «Erledigungen vor der Feier. Erzählungen.» begeisterte die Kritiker und brachte ihm einige Auszeichnungen ein.
Für sein neuestes Buch «Der Kaiser von China» erhielt Rammstedt im Jahr 2008 unter anderem den Ingeborg-Bachmann-Preis und den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis.
Fazit
«Der Kaiser von China» ist genau das richtige Buch für den Frühlingsanfang. Mit einer Tasse grünem Tee serviert sind die etwa 190 Seiten voll Humor, Ironie und tragikomischen Elementen rasch verschlungen und fühlen sich dabei so weich an wie sanft in einer Frühlingsbrise wogendes chinesisches Zitronengras. Die Sprache passt sehr gut zur Story. Der Autor vollbringt das Kunststück, einen Satz ab und an über eine viertel Seite oder mehr gehen zu lassen, ohne ihn unverständlich, ohne ihn zu seinem Bandwurmsatz zu machen. Die Gedanken und Wörter sprudeln im wahrsten Sinne aus Keith heraus, der im Buch als Ich-Erzähler fungiert und immer wieder zwischen der Realität und seiner Briefwelt, Vergangenheit und Gegenwart hin und her wechselt.
Gut, Rammstedt gibt selbst zu, alle wahren Begebenheiten einem Reiseführer entnommen zu haben, aber wen stört das schon?

Als kleiner Vorgeschmack auf das Buch ist dieses Video, in dem der Autor eine fiktive chinesische Übersetzung seines Buchs (natürlich nicht nur mit Anspielungen auf die dortige Zensur) anpreist, durchaus sehenswert.











Oder wie kann man ernsthaft zu so einem Fazit kommen? Wer sich die Mühe macht, den Auszug aus dem Buch (Link!) zu lesen, will eigentlich gar nicht mehr lesen, denn dort steht, was der Verfasser dieses Artikels anscheinend nach dem Genuss der vielen weiteren heiteren Seiten vergessen hat: Der Typ hat das Geld seiner Geschwister verzockt, sein Großvater ist verstorben und die Reise nach China wollte er mit dem verhassten Greis eh nie antreten. Wochenlang versteckt er sich unter seinem Schreibtisch und schreibt Briefe aus "China" in denen er eine Lüge nach der anderen erzählt. Und auch wenn sie vor Fantasie nur so sprühen, sie bleiben eine Lüge! Und Keith hat ganz sicher mehrere psychische Probleme und bräuchte dringend ärztliche Hilfe (im RL).
Ganz sicher, dass du grünen Tee getrunken hast?
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