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Unheil!

10. April 2009 - 11:00

Genau ein Jahr ist es her, dass die Heim-und-Herd-Band von dein.gs, Üebermutter, ihr Debütalbum veröffentlicht hat. Grund genug, sich das Album «Unheil!» noch einmal anzusehen.

Ein Gastbeitrag von Pandora

Leider wird jedem Audiophilen ziemlich schnell klar, dass es sich dabei um nichts anderes, als um eine schlecht gelungene Symbiose aus rammsteinigen Gitarrenriffs und rollenden Nina-Hagen-Passagen handelt. Wieder einmal wird überdeutlich, wie findige Musikproduzenten künstlich eine Indentifikationsfigur - denn die Band reduziert sich per se auf die zugegeben stimmgewaltige Frontfrau Luci van Org - erschaffen. Hier wurde anders als beim Prinzip LaFee - die die für Einzelkinder fehlende, große Schwester mimen soll – eine bizarre, langsam alternde Pseudo-Metall-Üebermutter in neoangehauchtem BDMS-Outfit mit sinngemäßen Image geboren. Die Frage ist nur, wie lange Luci van Org dieser Rolle treu bleiben kann, hat sie doch bisher nicht allzu viel Durchhaltevermögen bewiesen.

Exemplarisch – wenn auch fiktiv - für eine Rezension, wie man sie im Stern, der es sich in seiner «Bestseller der Woche»-Rubrik anscheinend zum Ziel gemacht hat, alles was der Mainstream gerne liest, sieht oder hört buchstäblich zu zerreißen. Keine Sorge, einen Platz in den Top Ten wird es für Üebermutter nicht geben – es sei denn, sie lernt, wie man das neue Public-Viewing-Süchtige und mit der Bierflasche in der Hand nichtsdenkende Weltvolk effektiv einlullt - denn das Album «Unheil!» ist nicht mal annähernd Mainstream-Musik. Bei jedem einzelnen Stück handelt es sich vielmehr um einen eigenen in sich stimmigen Teil eines vollkommenen Ganzen. Eine jede Komposition perfekt zusammengestellt aus rockiger bis melancholisch anmutender, sorgfältig abgestimmter Musik und Effekten, gepaart mit herrlich zynischen, satirischen, witzigen und intelligenten Texten, die gewollt vielfältige Interpretationen zulassen. Gerade deshalb kann die Unheilsband nicht mit Rammstein, o. a. – wie bei vielen Fans und Kritikern geschehen – in einer Schublade landen, denn Frontfrau Luci van Org macht mir nicht den Eindruck, in irgendeine Schublade passen zu wollen. Hat sie in ihrem bisherigen Leben doch öfters bereits bewiesen, dass sie nur so vor Kreativität und Wandlungsfähigkeit strotzt. Sie ist eben ein echtes Multitalent.

Fazit

Mein ganz persönliches Resümee ist, dass ich nach jahrelanger musikalischer Abstinenz, meine Ohren wieder für Neues geöffnet habe. Es gibt endlich wieder Musik für die es sich zu hören lohnt. Vielen Dank dafür. Das Artwork der CD ist herrlich provokant und die Musik geht mit den tiefgründigen Texten voll schwarzen Humors eine perfekte Symbiose ein.
Wer reinhören oder -sehen möchte, kann sich auf der MySpace-Seite der Band oder hier und bei YouTube die Videos zum Album ansehen. Und Ohren auf!
Bewertung

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«Unheil!», das Debütalbum der Üebermutter sprüht geradezu vor Genialität.


Im aktuellen Video zum Song «Wein mir ein Meer» spart Üebermutter nicht an Gesellschafts- und Konsumkritik.


Insbesondere die Vergänglichkeit der Menschheit wird im Video thematisiert.


... und man nimmt sich selbst auch nicht aus.

Kommentar Hinzufügen

Es ist wieder Layout-Zeit und ergo Zeit für Üebermutter. Laut.

obwohl ich bisher nicht das Gefühl habe. Im Übrigen steh ich nicht so sehr auf «Wein mir ein Meer», sondern eher auf «Krieg» ;-) Kannst du die Alarmsirenen schon hören?

;D

Auch du bekommst nicht immer, was du willst.

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