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Home - Wir und unser Planet

7. Juni 2009 - 19:59

Wir haben alle ein Rendezvous mit dem Planeten - so die Botschaft, mit der ein in der Filmgeschichte einmaliger Auftakt angekündigt wurde, der Auftakt der Dokumentation «Home», die am vergangenen Freitag zeitgleich auf allen Kontinenten im Kino, im Fernsehen, Internet und öffentlichen kostenlosen Vorführungen gezeigt wurde.

Text von Philipp Schmieder | Fotos: © ELZEVIR FILMS/EUROPACORP

Home, das jüngste Projekt des international für seine Fotografien aus der Luft und sein Umweltengagement geachteten französischen Fotografen Yann Arthus-Bertrand, sollte mehr als nur ein Film werden - Home sollte im Rahmen des Earth Days ein weltweites Event werden: Der Film wurde zu seinem Erscheinungsdatum am vergangen Freitag in über fünfzig Ländern weltweit gleichzeitig vorgestellt, wurde auf öffentlichen Plätzen vorgeführt und wird seitdem in etlichen Ländern (in Deutschland hat sich bisher noch kein Verleih gefunden) auch im Kino gezeigt und ist auf DVD erhätlich. Außerdem ist kostenlos im Internet zu sehen.
Doch ist der Film, der vom Luxusunternehmen PPR (Gucci, Yves Saint Laurent, Puma), das in Frankreich über seine Vertriebsfirma Fnac die DVD zum Film auch für vergünstigte 4,99€ anbietet, die ganze Aufregung wert?

Ouverture

Home beginnt dort, wo das Leben auf der Erde seinen Ursprung nahm und zeigt beeindruckende Aufnahmen von Vulkanlandschaften, dem ureigenen Gesicht unseres Planeten. Von Beginn an wird betont, dass «alles verknüpft» ist: Tiere und Pflanzen ergänzen sich, können nur miteinander existieren und sind allesamt auf den untrennbaren Wasser- und Luftkreislauf angewiesen. Denn alles auf der Erde ist ein ewiger Kreislauf, ein Kreislauf, der aber auch gefährlich ins Wanken kommen kann, wenn er von uns, den Homines Sapientes, gestört wird.

Crescendo

Der gerademal 10.000 Jahre alte moderne Mensch kommt in Home schließlich nach einer guten Viertelstunde ins Spiel und schnell wird klar, auch wenn zunächst noch Bilder einer heilen Welt, in der die Menschen noch alle als Bauern lebten, gezeigt werden, dass etwas mit ebendiesen Menschen nicht in Ordnung ist.

In fünfzig Jahren wurde die Erde radikaler verändert als von allen vorherigen Generationen davor.

Der Film nimmt Fahrt auf und zeigt die Veränderungen, die durch die Entdeckung des Öls entstanden sind, mit dramatischen Zahlen und Bildern: In den letzten sechzig Jahren hat ist die Weltbevölkerung dreimal größer geworden. Mehr als 2 Milliarden Menschen sind in die Städte gezogen, ehemalige Fischerdörfer wurden zu Millionenstädten.

Tremolo

Im nun folgenden Hauptteil des Films wird, weiterhin stets mithilfe beeindruckender Luftaufnahmen, auf die Einflüsse des Menschen auf die Natur, unsere Natur, hingewiesen:
Von der industriellen Wasserverschwendung, die nicht nur dazu führt, dass einst reißende Flüsse wie der Jordan und der Colorado nicht mehr das Meer erreichen, sondern ganze Ökosysteme zerstören; mit dem fehlenden Wasser des Jordans sinkt etwa der Wasserspiegel des Toten Meers um jährlich über einen Meter.
Auch die oft verschwiegene Tatsache, dass der Amazonas hauptsächlich deshalb gerodet wird, um dort Futter für Tiere zur Fleischproduktion anzubauen wird aufgenommen: «Der Wald wird zu Fleisch gemacht».
Auf der ganzen Welt werden erschreckende Umweltzerstörungen gezeigt: der Ölsandabbau in Kanada wurde wohl noch nie in solch beeindruckenden Bildern gezeigt, gigantische Monokulturen, Gewächshauskolonien auf ausgetrocknetem Boden, das Schmelzen der Polkappen, Erosion, die Zerstörung der Gletscher - die Liste ließe sich lange fortsetzen - und Home tut das auch. Doch tut der Film das mit einer bisher ungesehenen und ungehörten Eindringlichkeit; er zeigt all diese Phänomene, von denen jeder schon gehört hat, mit Bildern aus der Realität. Er zeigt eine beängstigende Gegenwart, die beängstigender ist als jeder Zeitungsartikel über die fortschreitende Klimaerwärmung.

1 von 4 Säugetieren, 1 von 8 Vögeln, 1 von 3 Amphibien ist von der Ausrottung bedroht


Von dieser menschengemachten Klimaerwärmung, aber auch von den anderen Zerstörungen, die unsere Spezies auf der Erde vornimmt, werden nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch wir selbst in nächster Zukunft betroffen sein: 2050 soll es bereits mindestens 200 Millionen Flüchtlinge geben, die ihre Heimat aufgrund der Klimaveränderung verlassen mussten.

Diminuendo

Doch der Film endet nicht pessimistisch, denn, so Bertrand: «Es ist zu spät, um Pessimist zu sein». Und so wird in den letzten Minuten von Home gezeigt, was bereits heute schon getan wird, um die Entwicklungen, die wir in Gang gesetzt haben, zu stoppen.
Nein, Home endet nicht pessimistisch sondern ermutigend: Wir haben die Technik, unseren Energiebedarf aus erneuerbaren Energien zu decken, wir haben als Verbraucher die Möglichkeit, auf Nahrungsmittel zu verzichten, die die Welt zerstören, die Natur bietet genügend Resourcen für alle Menschen - wenn man sie weise einsetzt - und genau das sollen und müssen wir tun, den wir haben die Verantwortung für das, was mit unserem Planeten geschieht:

Es liegt an uns zu sagen, was als nächstes getan wird. An uns allen.

Wermutstropfen PPR?

Obwohl François-Henri Pinnault, der Chef von PPR, in einem Interview sagte, es sei egal, ob sein Unternehmen für die Beteiligung an Home gelobt oder gescholten werde, gibt es kritische Stimmen, die den Luxuskonzern bezichtigen, durch den Film nur die eigene Weste weiß waschen zu wollen.
Pinnault versucht diesen Vorwurf zu entkräften: Es ist wirklich einfach: Wenn Unternehmen wie unseres nicht handeln, sehe ich keine Möglichkeit, das Problem [der Umweltzerstörung und des Klimawandels] zu lösen. Worauf es ankommt ist, dass der Film gemacht wurde von von so vielen Leuten wie möglich gesehen wird.
Ob es notwendig war, im Vorspann die Logos der PPR-Tochterfirmen zu zeigen? Vielleicht nicht. Aber durch das Sponsoring des viele Millionen Euro teuren Films wurde der Film schließlich überhaupt möglich gemacht.

Fazit

Home ist ein beeindruckender Film. Er zeigt nie gesehene Bilder und führt gleichzeitig hochdramatisch, aber stets im Rahmen der Realität, vor Augen, wie wir unseren einzigen Planeten zerstören und misshandeln. Die Aufnahmen sind unterlegt mit einem emotionalen Soundtrack, der die Tragweite der vom Voiceover gemachten Aussagen hervorragend unterlegt.
Inwiefern die Aufforderung des Films, selbst etwas zu tun, von den angestrebten 100 Millionen Zuschauern umgesetzt werden wird, bleibt abzuwarten, aber sehr viel mehr als einen Anstoß geben kann ein Film ohnehin nicht.
Vielleicht auch gerade deshalb ist Home unbedingt sehenswert und hat sein Ziel schließlich bereits erfüllt, so Regisseur Bertrand, wenn er auch nur eine kleine Veränderung in den Köpfen und Herzen seiner Zuschauer bewirken kann.
Bewertung

Home ist bis zum kommenden in einem eigenes eingerichteten Youtube-Channel in DVD-Qualität anzusehen. Die Youtube-Version hat eine englische Tonspur mit deutschen Untertiteln; die auf DVD verfügbare Version hat auch eine deutsche Tonspur.

Update

Home ist offenbar nicht nur, wie ursprünglich angekündigt bis zum 14.06.2009 online zu sehen, sondern dauerhaft.

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Home zeigt Bilder, die geradezu surreal erscheinen, wie diese heiße Quelle im Yellowstone, in der sich noch heute die Algen finden, die zu Beginn der Erdgeschichte den lebensnotwendigen Sauerstoff produzierten.


Home zeigt Bilder, die dem Zuschauer sagen wollen: «Das ist dein Planet. Dein Zuhause.»


Doch Home zeigt auch - zeigt vor allem - was wir aus diesem Zuhause gemacht haben.


Fotograf Bertrand will alle Einkünfte aus dem Film in seine Umweltschutzstiftung fließen lassen.
Foto: Tanguy Thuaud

Kommentar Hinzufügen

Los, schaut dem Film an - bis Sonntag habt ihr noch die Gelegenheit dazu. Es lohnt sich wirklich.

Jetzt komm ich ins zweifeln ... Ob das die Fünftklässler nicht überfordert? Kann man so kleinen, unwissenden und abgeschirmt von der Realität lebenden Menschenkindern (-> nicht meine persönliche Meinung) wirklich zumuten, einen derartigen Film anzusehen (FSK 0) und sie bitten, ihre Lebengewohnheiten und die ihrer Familien - für unser aller Wohl - etwas zu ändern? BTW: Keiner verlangt absolute Askese!

(OMG, hoffentlich ist meine Kritik auf rotem Grund auch nicht zu politisch -> eventuelle Beschwerden wegen der Farbe an root)

Ob man das kann ist nicht die Frage. Man muss es!

der film is laaaangweilig......*schnarch*

Den Film und damit die Problematik von Umweltzerstörung und Klimawandel als «laaaangweilig» zu bezeichnen ist ja wohl das Dummdreisteste, das ich je in einem Kommentar hier gelesen habe.

Erste Konsequenz, «grünen Strom» von Naturstrom bestellt - ganz nach dem Motto «Atomausstieg selber machen». 100 % öko (ohne Zertifikate) und das für nur 23,00 Euro mehr im Jahr :D

Sehr löblich, aber zumindest bei uns in Seybo kostet Naturstrom sogar 1 Cent weniger pro kWh ;)
Habt ihr auch gleich den 20€-BioBio-Gutschein mitgenommen?

Jetzt will ich einfach mal hoffen, dass ihr wirklich «grünen» Strom bezieht. Im übrigen ist unser grüner Strom um 0,58 ct/kWh billiger als der Atom- und Kohlestrom von BEW, doch ist die monatliche Grundgebühr dafür etwas teurer, was dann im Jahr zu ca. 23 Euro Mehrpreis führt. Ist aber nicht schlimm, hat man doch die Gewissheit weder Atom- noch Kohlestrom zu beziehen und ist somit in Zukunft gänzlich unschuldig, wenn es um das Thema neue AKWs und Kohlekraftwerke bzw. Entsorgung von Atommüll geht.

Aber es ist schon klar, dass wir hier nicht von RECS-Zertifikaten reden, oder? BioBio-Gutschein haben wir nicht mitgenommen, der Umstieg war ein Tag intensivster Recherche im Internet und etwas Überzeugungsarbeit :D

Infos zu RECS-Zertifikaten auch hier: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26671/1.html

Als nächstes wäre zu klären, wie man CO2-frei heizt. Dazu später ...

Mhja, ich meine natürlich echten Ökostrom ohne RECS-Zertifikate vom Anbieter Naturstrom ;)
Wenn du mit Strom heizt, ist das logischerweise CO2-frei ;) Allerdings ist das recht verschwenderisch ... Frau Reisner in ihrem Pasivhaus weiß näheres dazu, wie man ressourcenschonend heizt ...

Da sind wir dann ja beim selben Energieversorger. Wenn alles klappt, brauchen wir ja nicht mal auf Stromheizung (Infrarot) umzusteigen, weil Naturstrom demnächst vielleicht auch Biogas anbietet. Dann wäre im Punkto Heizung auch alles im grünen Bereich :D

Dass man mit Strom verschwenderisch heizt, ist allerdings ein sehr hartnäckiges Vorurteil! Die Vergleiche Strom/Gas fallen eindeutig (Ersparnis von bis zu 50 %) für Strom aus - vom Wegfall der CO2-Belastung mal ganz abgesehen. Info hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Infrarotheizung aber das hast du sicherlich eh immer dabei :P

Zum Thema Passivhaus: Auch dort ist oft eine Elektroheizung verbaut :D Und mal nix gegen Altbauten ... Auch dort kann man gut wohnen und leben und zwar auch umweltverträglich ;o) Aber eines heißt das auf jeden Fall: Weg von fossilen Brennstoffen und tschüß gemütlicher Schwedenofen :P

der film ist tota interessant! ich weiß gar nix warum man sich so aufregt... die bilder sind einfach faszinierend!!! es ist ein schönes spiegelbild!!! guckt ihn euch an!!!

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