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De Libris: Tartufo

12. Juli 2009 - 21:11

Dass Tiere ebensogut Kriminalfälle lösen können wie Menschen, ist spätestens seit dem Bestseller «Glennkill» der Autorin Leonie Swann bekannt, und auch die Zahl der dieser Gruppe angehörenden Romane ist seit dem Erfolg dieses Buches sprunghaft angestiegen. Und so ist auch der Protagonist von «Tartufo» kein Mensch ...

Text von Andreas Gebauer

Dabei sind die dieser relativ jungen Gattung der Tierkriminalliteratur zugrundeliegenden Muster keineswegs neu: Sowohl der Kriminalroman als auch die Fabel sind bereits altbekannte Literaturformen.
Seit dem Jahr 2007 ist dieser vielversprechende Markt nun wieder um einen weiteren Vertreter bereichert: Wolfgang Zdrals Roman «Tartufo» – und inzwischen auch dem Nachfolger «Tartufo mortale».
Doch «Tartufo» unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht deutlich von «Glennkill» – während in «Glennkill» Schafe die Ermittlungsarbeit übernehmen, fällt in «Tartufo» diese Rolle Leonardo zu. Und Leonardo ist ein Trüffelschwein. Als Solches ist es vielleicht nicht zwangsläufig besser zum Ermitteln geeignet, doch bietet es gerade für den Leser einige äußerst bequeme Vorzüge, weiß es doch nicht nur aufgrund seiner Berufung die gehobene Küche sehr zu schätzen, sondern hat eine mindestens ebenso große Schwäche für italienischen Barolo. Mit diesen überaus menschlichen Eigenschaften gelingt es Zdral, eine äußerst enge Bindung zwischen Leser und dem Protagonisten zu schaffen, die für ein Buch dieser Art natürlicherweise eher untypisch ist. Und trotz all dieser kleinen Schwächen ist das Schwein – wie sollte es anders sein – mit einer hervorragenden Spürnase ausgestattet, und damit dem von Hormonen gequälten, dauerverliebten Kommissar bei weitem überlegen.

Ein witziges, leichtes, verrücktes und unglaublich appetitanregendes Buch


Die Handlung setzt am vielleicht tragischsten Tag des Protagonisten ein: An dem Tag, als sein Besitzer Matteo, mit dem liebenswerten Trüffelschwein durch eine jahrelange gemeinsame Arbeit verbunden, tot aufgefunden wird. Im Gegensatz zur Polizei sind dem borstigen Ermittler allerdings bereits von Beginn an zwei Umstände klar: Erstens kann der Tod kein Unfall gewesen sein, und zweitens wird der zuständge Kommissar, der dies erst mit einigen Tagen Verzögerung feststellt, kaum in der Lage sein, den Fall zu lösen. Dieser hat sich nämlich Hals über Kopf in die Ehefrau des Erben und Sohnes des Opfers verliebt.
Bevor sich das Schwein jedoch an die Lösung des Falles machen kann, muss es mit noch einigen deutlich ernsteren Problemen kämpfen: Seine bloße Existenz steht auf dem Spiel. Der neue Besitzer des Hofs, Paolo, ist nicht in der Lage, die Trüffelsuche fortzusetzen, ohne Matteos wie einen Augapfel gehütete Trüffelkarte zu finden. Und eben diese ist seit seinem Tod verschollen… Dadurch droht Leonardo, in die Arbeitslosigkeit abzurutschen, und ist wehrlos der stetig anschwellenden Wut Paolos ausgeliefert – einer Wut, die schließlich darin mündet, dass Paolo das Schwein umbringen und damit dem Roman ein vorzeitiges Ende bereiten will.
Es beginnt eine lange und komplizierte Schnitzeljagd, in der das Schwein gemeinsam mit seinen tierischen Freunden versucht, anhand der kryptischen, für den Fall seines Todes hinterlassenen Hinweise Matteos als Erster an die Karte zu kommen. Einige Tode später – auch der neue Besitzer Paolo ist inzwischen in tragischen Umständen, wenn auch von keinem beweint, unter kräftiger Beihilfe Leonardos verstorben – schließt sich der Kreis, und das Versteck der Karte im Stall des alten Hofgebäudes Matteos wird gefunden. Auch der Mörder, dessen heimliches Ziel die Karte war, ist nun auf einmal in Reichweite. Doch wieder beweist das menschliche Rechtssystem seine Schwächen, und der Mörder kommt aufgrund der zweifelhaften Beweislage frei. Ein letztes Mal müssen Leonardo und seine Freunde in die Ereignisse eingreifen und der Gerechtigkeit den Weg ebnen ...

Zum Autor

Der in Nürnberg geborene Wolfgang Zdral liest selbst leidenschaftlich Krimis, ist Italienfan und natürlich Hobbykoch mit Herz und Seele. Zadral hat Kommunikationswissenschaften, Politik und Volkswirtschaft studiert und später die Deutsche Journalistenschule in München besucht. Er schrieb für verschiedene Zeitungen und machte später beim Radio Karriere. Die in Tartufo so wichtigen Trüffel lernte er bei seinen zahlreichen Italienreisen kennen und schätzen.
Heute lebt Zdral in München.

Fazit

Jedem, der «Glennkill» kennt und mag, wird dieses witzige, leichte, verrückte und unglaublich appetitanregende Buch gefallen. Und allen Anderen auch.
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Wolfgang Zdral: Tartufo, Heyne, ISBN 978-3-453-43344-1, 352 Seiten, 8,95€

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