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Diànyǐngyuàn: Horst Schlämmer - Isch kandidiere

20. August 2009 - 23:12

Wohl kein Film hat in der jüngeren Vergangenheit im Vorfeld so viel Aufsehen erregt wie Hape Kerkelings - Pardon - Horst Schlämmers Politkomödie «Isch kandidiere». Heute ist er, nachdem er vor drei Tagen in Berlin Premiere gefeiert hat, endlich bundesweit gestartet.

Text von Philipp Schmieder | Fotos: Constantin Film Verleih GmbH

Da veröffentlichte der Stern eine Umfrage, derzufolge sich 18 % der Deutschen vorstellen könnten, Schlämmer bei der Bundestagswahl ihre Stimme zu geben und auch im Internet zeigt sich eine überwältigende Resonanz: Horst Schlämmer ließ Angela Merkel etwa bei Facebook weit hinter sich und hat dort mehr als dreimal so viele Fans.

Vor dem Film

Das Marketing war überragend - so überragend, dass Hajo Schumacher vom Springer-Blatt «Berliner Morgenpost» gar einen offenen Brief an Horst Schlämmer schrieb, in dem er ihm vorwirft, kein ernsthafter Politiker zu sein, sich als «Zecke am Allerwertesten der Demokratie» an letzterer gütlich zu tun. Das Problem: Schumacher vergaß neben seinem Sinn für Humor offenbar auch, dass Horst Schlämmer in Wirklichkeit natürlich nur eine von Hape Kerkeling gespielte Figur ist - niemand, an den man offene Briefe schreibt. Insbesondere dieser Vorfall zeigt die gesellschaftliche Brisanz von «Isch wähle», die den Film so interessant macht. Machen könnte ...

Grevenbroich is eine Stadt mit Herz. Wenn de so in die Weite der rheinischen Landschaft schaust und den Braunkohle-Tage-Abbau so siehst und dat Heizkraftwerk so im Sonnenuntergang vor sich hin dampft ... könnte ich weinen ... Horst Schlämmer über Grevenbroich

Im Film

Realität und Fiktion verschmelzen in ungewöhnlicher Art und Weise: Ein Effekt, der vor allem durch die über zwanzig Gastauftritte von Prominenten erzielt wird. Einige wie Schauspielerin Alexandra Kamp spielen sich dabei zwar selbst, jedoch mit fiktiven Charakterzügen (Kamp etwa als lüsterner Carla-Bruni-Verschnitt). Andere wie die ZDF-Moderatoren Theo Koll und Norman Odenthal spielen ebenfalls sich selbst, jedoch lediglich in fiktiven Situationen. Und wieder andere, etwa Grünen-Vorsitzender Chem Özdemir und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers werden lediglich mit fiktiven Behauptungen konfrontiert, haben aber kein Drehbuch und müssen «als sie selbst» reagieren. Doch reicht das für einen guten Film?

Die Handlung

Die Handlung ist rasch erzählt: Horst Schlämmer fühlt sich unwohl und gemobbt in seiner Position als stellvertretender Chefredakteur des Grevenbroicher Tageblatts und fasst, angestachelt von Alexandra Kamp, in die er sich verliebt, mehr oder weniger freiwillig den Plan, mit seiner Partei HSP (Horst-Schlämmer-Partei) Bundeskanzler zu werden.

Es beginnt ein Wahlkampf, in dem Schlämmer nicht nur «diesen anderen, den Steinmeier» aus dem Rennen wirft, sondern sich auch Tipps bei der CDU-Konkurrenz holt und Sondierungsgespräche mit Grünen-Chef Özdemir führt. Höhepunkt ist ein Kanzlerkandidatenduell Angela Merkel - Horst Schlämmer (beide gespielt von Hape Kerkeling), in dem der von «Rücken» und «Kreislauf» geplagte Grevenbroicher schließlich einen Trumpf zieht: Der Bundeshase ...

批评 (Bewertung)

Der Film wird den hohen Erwartungen alles andere als gerecht. Nachdem der Film noch durchaus vielversprechend beginnt und Schlämmers Alltag beim Grevenbroicher Tageblatt überaus unterhaltsam schildert, beginnt «Isch kandidiere» nach einiger Zeit die Luft auszugehen. Die improvisierten Szenen mit realen Politikern verlaufen zumeist sehr gesittet; Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer schafft es nicht, die Politprofis aus der Reserve zu locken und die Gespräche mit ihnen wirklich unterhaltsam zu führen - er bleibt, aus Respekt wohl, zu brav.
Insgesamt gelingt es Kerkeling und seinem Lebensgefährten Angelo Colagrossi, der die Regie führt, nicht, aus Improvisation und Drehbuch (auch wenn das Drehbuch zum Teil erst während der Dreharbeiten entstand) eine kinotaugliche Emulsion werden zu lassen.
Während des Films gibt es immer wieder Hoffnungsschimmer, etwa wenn Schlämmer unangekündigt die Moderatoren von AstroTV und HSE24 während einer Sendung besucht, Schlagersängerin Uschi Blum (Hape Kerkeling) eines ihrer Lieder zum Besten gibt oder Gisela (ebenfalls Hape Kerkeling) bei Domian anruft und dort Werbung für die HSP zu machen versucht. Doch über weite Strecken vergisst der Film, ganz Hajo-Schumacher-like, dass er eigentlich eine Komödie und keine Reality-TV-Sendung ist. Die schlechte schauspielerische Leistung von Schlämmers Assistent Ulle (Simon Gosejohann) und die übertrieben affektierte Spielweise von Alexandra Kamp verbessern den mauen Gesamteindruck nicht gerade.

Fazit

Ein Flop, der aber großes Potential gehabt hätte und auch einige (wenige) gute Lacher zu bieten hat. Es gibt sicher viele deutlich schlechtere Komödien, «Horst Schlämmer - Isch wähle» ist Komikmeister Hape Kerkeling jedoch unwürdig. So. Weisse Bescheid.
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Wahlplakat, Filmplakat oder beides? Werbung für «Isch kandidiere»


Bei einem Interview lernt Schlämmer Alexandra Kamp kennen, die ihn schließlich dazu überredet, als Kanzlerkandidat anzutreten.


Der Rapper Bushido unterstützt Schlämmers Wahlkampf mit einem eigens geschriebenen Song.


Horst Schlämmer präsentiert den Bundeshasen.


Zur Premiere des Films kamen auch Schlämmers Wunschpartner für eine Koalition.


Am Ende des Films hat auch noch Michael Schumacher einen Gastauftritt. Musste das sein?

Kommentar Hinzufügen

Ich habe mir den Film gleich am Donnerstag angesehen. Es war teilweise recht amüsant, jedoch wurden meine Erwartungen untertroffen, da der Trailer schon fast den ganzen Film umfasste.

scheint sich nicht wirklich zu lohnen - was ich mir schon vorher gedacht habe - denn wer so viel werbung macht, hat meistens nichts zu bieten.^^ Und die Promis erklären sich ganz leicht, ist praktisch die zu "Fleisch" gewordene Version von "Wetten, dass". Top oder Flop? Ist denk ich in diesem Fall keine Frage!

Humor ist wenn man trotzdem lacht ...

Vielleicht sollte der Film ein paar Nichtwähler dazu bringen ihr Kreuzchen zu machen (Weisse Bescheid: die Bildzeitungsleser halt) ^_^

hab ich den Stern abbestellt! Als Sternleser müsste man sich ja glatt für diese Umfrage schämen. Sternleser sind anscheinend noch dümmer als Bildleser.^^

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