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Spieletipp 08/09: Munchkin

29. August 2009 - 1:21

Der Monat und die Ferien neigen sich dem Ende zu - höchste Zeit also für einen neuen Spieletipp, um vor Schulbeginn noch etwas Spaß zu haben - mit Munchkin, unserem Spieletipp im August, der ganz anders ist als die bisherigen Spieletipps - und doch in ihrer Tradition steht ...

Text von Philipp Schmieder | Bilder mit freundlicher Genehmigung von Pegasus Spiele

Dungeons & Dragons ist heute für viele vor allem eines: Ein Synonym für das klassische Rollenspiel am Computer. Dabei wird gerne vergessen, dass «D&D» ursprünglich als Actionfiguren-Spiel konzipiert war und zumindest in den USA auch immer noch als solches vertrieben wird - womit wir beim außergewöhnlichen Punkt wären: Auf vielfachen Leserwunsch gibt es in dieser Ausgabe des Spieletipps ein «analoges Spiel», eines zum in die Hand nehmen, zum mit sich herumtragen und zum in den Schrank stellen.

Töte die Monster, klau den Schatz, erstich deine KumpelDas Motto von Munchkin

Aber keine Angst, wir wollen wir uns freilich nicht allzu weit vom Rechner (bildlich gesprochen, natürlich) entfernen oder uns gar mit Actionfiguren herumschlagen, denn Munchkin ist ein Rollenspiel wie es im Buche steht - und gleichzeitig eine große Parodie auf das Genre. Bereits der Name entstammt (auch wenn er ursprünglich aus dem «Zauberer von Oz» entnommen ist) dem Rollenspieler-Jargon: Ein Munchkin ist dort jemand, der den eigentlichen Aspekt eines Rollenspiels, das Schlüpfen in eine andere Rolle eben, verkennt und lediglich spielt, um vom Punktestand her besser zu sein als seine Mitspieler. Mit einem Augenzwinkern hat Munchkin so nicht nur den Namen, sondern auch das Spielprinzip von dieser Rollenspielunsitte.

Spielablauf

Zunächst beginnen alle Spieler mit einem menschlichen Charakter der Stufe eins und einigen Handkarten. Derjenige Spieler, der zuerst die Stufe zehn erreicht, gewinnt das Spiel - aber bis dahin ist es ein weiter Weg und je nachdem wie viele Spieler mitspielen, kann ein Munchkin-Spiel schonmal eine volle Stunde und mehr in Anspruch nehmen. Denn wie es sich für ein Rollenspiel gehört, muss der Spieler seinen Charakter gut ausbauen, um im Spiel reüssieren zu können.
Ist ein Spieler am Zug, so «betritt er einen Raum», deckt also eine Tür-Karte auf. Je nachdem, was die Karte nun zeigt, muss der Spieler entweder gegen ein Monster kämpfen oder kann er seinem Charakter neue Merkmale verpassen (etwa Klassen wie «Zauberer» und «Dieb» sowie Rassen wie «Gnom» und «Zwerg», die alle jeweils bestimmte Sonderfertigkeiten besitzen). Im schlechtesten Fall kann er aber auch Opfer eines Fluchs werden und so beispielsweise ausgelegte Upgrades oder auch Handkarten verlieren.
Der Kampf gegen Monster verläuft nach einem einfachen Prinzip: Das Monster hat eine bestimmte Stufe, die auf der Karte angegeben ist. Der Spieler muss nun mit seiner Stufe und den Boni, die er in Form von Schatz-Karten hat, und eventuell unter Zuhilfename seiner klassen- und rassenspezifischen Fähigkeiten, diese Stufe übertreffen. Dabei kann er auch andere Spieler um Mithilfe bitten, denn ein besiegtes Monster lässt nicht nur den siegreichen Spieler eine Stufe aufsteigen, sondern hinterlässt auch Schatz-Karten, die dann unter den Helfern aufgeteilt werden können. Gelingt es nicht, ein Monster zu besiegen, so sind auf jeder Monster-Karte «Schlimme Dinge» aufgeführt, mit denen dann zu rechnen ist - im schlechtesten Fall verliert man alle Schätze und Stufen.
Das wiederum ist für die Mitspieler, die ja auch Gegner sind, eine gute Gelegenheit, unliebsame Anwärter auf Stufe zehn aus dem Rennen zu kicken, denn mit den richtigen Bonus-Karten kann man auch Monster verstärken, sodass dem Kämpfenden keine Chance bleibt.

Die Idee

Bevor Munchkin im Jahr 2001 erschien, hatte sich Zeichner John Kovalic als Illustrator des satirischen Buchs «The Munchkin's Guide To Powergaming» bereits mit der eingangs erwähnten Munchkin-Problematik befasst. Offenbar fand er Gefallen daran und entwickelte schließlich zusammen mit Steve Jackson das Kartenspiel Munchkin. Da das Spiel, das gleich nach dem Erscheinen mit diversen Preisen bedacht worden war, über die Maßen erfolgreich war, entstanden im Laufe der Zeit mehrere Erweiterungspakete, die das Spiel jeweils um einen ganzen Satz neuer Karten (teils auch um neue Spielkonzepte) erweitern. Demnächst erscheint das sechste Add-On «Durchgeknallte Dungeons», wobei die zusätzlichen Themenerweiterungen wie Piraten-, Cthulhu- und Halloween-Munchkin noch garnicht eingerechnet sind.

Fazit

Munchkin ist ein Spiel, das sich selbst nicht ernst nimmt und dadurch eine Menge Spaß macht. Wer wollte nicht schon immer mal als Ork-Barde mit einem «affengeilen Helm» und einer Mithril-Rüstung bewaffnet, unterstützt von «Yuppie-Wasser»-trinkenden Elfen eine große laufende Nase besiegen?
Für die Monitor-süchtigen unter uns mag es kaum zu glauben sein, aber es ist wahr: Auch nicht-virtuelle Spiele können großartig sein - Munchkin gehört definitiv dazu.
Bewertung

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Munchkin ist eine gelungene Parodie auf das Rollenspiel-Genre.


Mit verrückten Karten ist das Spiel immer wieder für Überraschungen gut.


Bei einer längeren Partie können sich schon eine ganze Menge Karten vor den Spielern ansammeln.

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