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Spieletipp 10/09: Machinarium

31. Oktober 2009 - 23:59

Im Oktober werden die Tage kürzer und dunkler. Was würde da besser passen als unser Spieletipp, der zugleich düster und heiter daherkommt? Das Adventure Machinarium ist ein bezauberndes Rätselspiel für lange Herbstabende.

Text und Screenshots von Philipp Schmieder

Mit «Machinarium» haben die tschechischen Entwickler von Amanita Design gleich einen Volltreffer gelandet. Das Adventure begeistert sofort mir seinen ungewöhnlichen handgezeichneten Grafiken, dem sympathischen Hauptcharakter und der stimmungsvollen Atmosphäre.
Zu Beginn des Spiels muss man sich seinen Helden ersteinmal zusammenbauen, denn aufgrund von unglücklichen Umständen findet er sich in seine Einzelteile zerlegt auf einem Schrottplatz - er ist: Ein Roboter.

Doch wie es sich für ein gutes Spiel gehört, weicht Machinarium in einigen Punkten von den bekannten Grundprinzipien ab.

Zurück in der Roboterstadt liegt dort einiges im Argen: Eine Gruppe von Banditenbots haben mehrere Geiseln genommen, die Stadt verwüstet und einen Sprengstoffanschlag geplant. Auch wenn der namenlose Held nach seiner Rückkehr von diesen Ganoven zunächst selbst eingesperrt wird: Es ist sein Job, die Stadt von ihnen zu befreien.
Dabei ist Machinarium ein ganz klassisches Point-and-Click-Adventure der alten Schule: Der Spieler lässt die Spielfigur per Mausklick in den virtuellen Räumen herumwandern und sie dort mit Gegenständen und anderen Charakteren interagieren und manche Gegenstände können ins Inventar aufgenommen werden und andernorts eingesetzt werden - so weit, so bekannt. Doch wie es sich für ein gutes Spiel gehört, weicht Machinarium in einigen Punkten von den bekannten Grundprinzipien ab. Zum einen verzichtet das Spiel der tschechischen Indie-Entwickler gänzlich auf Textdialoge zwischen den Charakteren und greift hierfür auf kleine Comics zurück, um die Roboter ohne Sprache sprechen zu lassen.
Zum anderen können nicht einfach beliebige Objekte aktiviert und verwendet werden; anders als bei den meisten Point-and-Click-Spielen muss der Spieler sich mit seiner Figur in der Nähe dieser Gegenstände befinden, was dem Spiel eine ganze weitere Dimension beschwert, denn der Roboter kann seinen Körper ausfahren und zusammenschieben, um so höher oder tiefer Gelegenes erreichen zu können.

Wir fanden, man bräuchte dazu etwas «Warmes» mit einem eindeutig menschlichen Touch, als Kontrast zu dieser Roboterwelt
Jakub Dvorsky, Entwickler


Machinarium kann insbesondere bei der Spielatmosphäre punkten: Die Charaktere und Hintergründe sind handgezeichnet und wirken somit im Kontrast zu den eigentlich rein technischen Robotern angenehm menschlich und authentisch. Auch die Hintergrundmusik ergänzt diesen besonderen Stil und erschafft so eine ungewöhnliche robohumane Atmosphäre.

Die Entwickler

Machinarium wurde vom im Jahr 2003 gegründeten, tschechischen Studio Amanita Designs entwickelt - wir haben mit Jakub Dvorsky von Amanita über das Spiel gesprochen.

Was war die ursprüngliche Idee hinter Machinarium? Was sollte an diesem Spiel besonders werden?
Jakob Dvorsky Zuallererst stand die Entscheidung, dass wir ein richtiges Abenteuerspiel, das etwas anders und komplexer als unsere bisherigen Flash-Spiele sein sollte - und eben nicht nur ein Minispiel. Dann hatten wir die Idee mit einem Roboter als Held, der in einer Roboterwelt lebt. Wir fanden, man bräuchte dazu etwas «Warmes» mit einem eindeutig menschlichen Touch, als Kontrast zu dieser Roboterwelt - und so haben wir uns dann für handgezeichnete Hintergründe entschieden. Diese Hintergründe werden eingescannt und am Computer lediglich nachbearbeitet. Auch die Animationen haben wir Bild für Bild größtenteils handgezeichnet und für die Musik und die Soundeffekte haben wir eine Menge echter Instrumente verwendet.
Große Computerspielefirmen machen sich ständig Sorgen um illegale Kopien - glaubt ihr, dass unabhängige Spieleentwickler - die das gewisse authentische Etwas haben - eher eine Zukunft haben? Geben die Spieler ihr Geld lieber aus, wenn es nicht einfach nur an große Unternehmen geht?
Ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass die Kopierschutzmaßnahmen ohnehin nutzlos sind, da jedes Spiel gecrackt wird und dann schließlich auf irgendeiner Torrentseite kostenlos heruntergeladen werden kann. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass manche Leute ein kopiertes Spiel spielen und es ihnen dann so sehr gefällt, dass sie uns unterstützen wollen und es schließlich doch kaufen.
Viele Leute verstehen, dass sie, wenn sie vom gleichen Entwickler noch ein Spiel wollen, diesen unterstützen müssen. Mit Filmen ist es im Prinzip das gleiche - viele Leute laden Filme kostenlos herunter und schauen sie auf ihrem Computer, aber wenn ihnen der Film besonders gut gefällt, gehen sie ins Kino oder kaufen ihn auf DVD.

Fazit

Machinarium ist ein sehr gelungenes Adventure mit einer besonderen Atmosphäre, die Spieler jeden Alters in ihren Bann zieht. Eine spielens- und liebenswerte Geschichte von einen kleinen Roboter, witzig und spannend zugleich. Völlig zu Recht hat das Spiel beim Independend Games Festival den Preis für die beste grafische Gestaltung erhalten.
Bewertung

Machinarium ist auf der Seite der Entwickler als Downloadversion für Linux, Windows und Mac für 20$ (etwa 13 Euro) inklusive dem Spielsoundtrack als MP3s zu erwerben. Außerdem ist im regulären Handel für ca. 60 Euro eine CD mit der Windows- und Mac-Version erhältlich.

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Die Rätsel in Machinarium sind zum Teil Interaktion mit der Umgebung und anderen Charakteren.


Zum Teil sind die Rätsel aber auch aufgemacht wie Minispiele oder klassische Logikrätsel.


Die Szenarien sind abwechslungsreich und detailliert gestaltet, die Lösung nicht immer leicht zu finden.


Doch bevor man verzweifelt, kann man das ins Spiel integrierte Lösungsbuch zu Rate ziehen.

Kommentar Hinzufügen

Das Spiel ist wirklich toll und hat einen gewissen Sucht-Faktor.
Hatte mir anfangs vorgenommen, das Lösungsbuch nicht zu Rate zu ziehen, aber bei manchen Rätseln war es dann doch sehr tricky, die Lösung alleine rauszufinden ...

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