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Diànyǐngyuàn: Wo die wilden Kerle wohnen

19. Dezember 2009 - 20:55

Als «Where the wild things are» 1970 in Kopenhagen mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet wurde, war das Bilderbuch schon längst ein großer Erfolg und mit vielen weiteren Preisen bedacht worden. Der Autor Maurice Sendak forderte damals, es solle «mehr ernsthafte Bücher für Kinder geben. Es ist erniedrigend für Kinder, wenn man so schreibt wie für Idioten.» In dieser Woche ist die Verfilmung des Klassikers in die deutschen Kinos gekommen.

Text von Philipp Schmieder | Fotos: Warner Bros. Entertainment

Die Geschichte ist schnell umrissen, schließlich hat die Vorlage von «Wo die wilden Kerle wohnen» ja lediglich 40 Seiten: Max (im Film brillant gespielt von seinem Namensvetter Max Records) fühlt sich von seiner Familie nicht verstanden und ungerecht behandelt. Eines Abends streitet er sich mit seiner Mutter (Catherine Keener) und wird ohne Abendessen ins Bett geschickt. Doch statt schlafen zu gehen, rennt Max aus dem Haus, weg, möglichst weit weg - bis er schließlich ein Boot findet. Mit diesem Boot segelt er über ein Meer und erreicht nach einer stürmischen Fahrt eine Insel, die von riesigen, pelzigen, spitzzahnigen Wesen, den wilden Kerlen, bewohnt wird. Da die aber alles was sie nicht kennen für gewöhnlich auffressen, macht sich Max kurzerhand zu ihrem König und lebt fortan mit ihnen. Doch die Monsterwelt ist keine glückliche Welt ...

Max hat von Anfang an keine wirkliche Chance.


Schon das Buch rief besorgte Eltern auf den Plan, die das Buch zu «düster» fanden, doch der Film geht ein ganzes Stück weiter und stellt die wilden Kerle gar tieftraurig-melancholisch dar.
Zunächst, so scheint es, kann der kleine Max die Monotonie, die die wilden Kerle fesselt, tatsächlich besiegen und bringt sie zum Lachen und Spielen (Max' Ausspruch «Lasst uns Lärm machen» ist im Englischen schon quasi zum geflügelten Wort geworden). Doch Max, der als ohnmächtiger König David gegen die allumfassende Trauer ankämpfen muss, hat von Anfang an keine wirkliche Chance. Und so tun sich nach und nach immer größere Probleme innerhalb der Monstergemeinschaft, was Max immer verzweifelter werden lässt.

Der an der südaustralischen Küste gedrehte Film verwendet, was heutzutage ja geradezu selten vorkommt, vergleichsweise wenige Computeranimationen; die wilden Kerle etwa wurden tatsächlich von Schauspielern mit riesigen Kostümen gespielt, lediglich ihre Gesichtszüge wurden nachträglich am Rechner bearbeitet, was die Figuren ungewöhnlich realistisch erscheinen lässt:

Fast könnte man meinen, es mit einem Indie-Film zu tun zu haben.


«Das sieht echt aus, weil die Vorlage ein echtes Bild ist», erklärt Daniel Jeannette, der für die visuellen Effekte des Films verantwortlich war. Auch ansonsten geht es teils ungewöhnlich zu, denn statt aufwendiger Kamerafahrten setzt Regisseur Spike Jonze vor allem auf Handkameras, weil er und sein Team «das Gefühl vermitteln wollen, dass wir den Film mit Max' Augen sehen».
Und wirklich: Der Film zeigt authentische und wunderschöne Bilder aus einer Traumwelt, die jedoch in einer unüberwindbaren Traurigkeit gefangen ist, ein verschleiertes Utopia.
Fast könnte man meinen, es mit einem Indie-Film zu tun zu haben, doch der Eindruck täuscht freilich - laut BoxOfficeMojo.com hatte die Produktion ein Budget von 100 Millionen US-Dollar.

Fazit

«Wo die wilden Kerle wohnen» ist lediglich die Adaption eines Kinderbuchs, kein Film für Kinder, sondern einer über Kinder. Er ist auf der einen Seite nachdenklich, auf der anderen Seite spielerisch, wie ein Kind eben. Zwar ist die Handlung nicht sonderlich umfangreich - äußerlich passiert in dem Film nicht viel. Doch auf der emotionalen und inneren Handlungsebene spielt die Produktion ihre Stärke aus.
All dies wird begleitet von wunderbaren Bildern und gipfelt schließlich in gleich zwei wirklich anrührenden Enden. «Wo die wilden Kerle wohnen» ist uneingeschränkt empfehlenswert für jeden, der nicht immer nur fröhliche Filmproduktionen sehen möchte, sondern gerne emotionalere Kost ohne viel Handlungsballast genießt.
Bewertung

Wermutstropfen

Ein Wermutstropfen, der nur indirekt mit dem Film zusammenhängt und hier deshalb auch erst nach dem Fazit erwähnt werden soll ist leider der Kinosaal, in dem der Film im Bayreuther Cineplex gezeigt wird. Im «Kino 5» fand die Premiere und auch die weiteren Vorführungen statt. Dort herrschen regelrecht katastrophale Bedingungen, die dem Filmgenuss nachhaltig schaden: Nicht nur das Kontrastverhältnis der Projektion lässt sehr zu wünschen übrig, sodass die vielen dunklen Szenen des Films nur schwer zu erkennen sind und fast verschwimmen, auch die Bildqualität ist augenscheinlich miserabel und ganz und gar nicht das, was man sich von einem Kino erwartet - an den Rändern franst das Bild noch dazu aus, während auf der unteren Bildmitte ein großer Lichtfleck prangt. Auch Ton- und Bildstörungen sorgen beim Cineasten nicht gerade für Freude. Schade.

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Max im Wolfsschlafanzug streitet sich mit seiner Mutter


Zunächst sieht es bei den wilden Kerlen gut aus für Max.


KW ist selten fröhlich.


Max verrät Alexander, dem kleinsten der wilden Kerle, dass er eigentlich kein echter König ist.

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