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De Libris: Die Weltenwandler I - Der Verrat

12. Juli 2010 - 19:24

Klar lese ich auch gerne Bücher. Aber hat sich Rahel darüber Gedanken gemacht, wie viel Zeit ich dazu benötige die 535 Seiten Ihres Fantasyromans zu lesen? Sicher nicht! Deshalb schon mal vorab danke für die Geduld. Ob die Lektüre eher langweilig war oder mir das Lesen jede Menge Spaß gemacht hat? Lest doch selbst ...

Text von Pandora | Fotos von Lisa Roderer

„Es reicht!“ So sind die Begrüßungsworte auf Seite 7 des erwähnten Taschenbuches und schon ein paar Zeilen später ist es dann auch Gewissheit, denn dieses Erstlingswerk ist grottenschlecht!? Ja, nein, natürlich nicht! Vielmehr befindet man sich mittendrin im Geschehen und erlebt hautnah ein Szenario, das den meisten Eltern wie Kindern gleichermaßen nur allzu gut vertraut ist; eine lautstarke Auseinandersetzung, die bis ins kleinste Detail geschildert wird, genau so, wie sie leider jeder schon einmal so oder so ähnlich in seiner eigenen Pubertät erlebt bzw. erlebt hat und das vielleicht nicht nur einmal. Ein Streit, in dessen Verlauf viele unschöne Worte fallen, die zwar größtenteils durchaus der Wahrheit entsprechen, doch leider kein Gehör finden, weil vor lauter Zorn und Wut einerseites und Frustration andererseits, sie ihre nützliche Wirkung gänzlich verfehlen und nur noch eines vermögen, nämlich zu verletzen ... Als Leser bleibt man nicht außenvor, sondern fühlt sich derart involviert, dass man am liebsten eingreifen möchte, was natürlich nicht möglich ist, außer man würde das Buch zuschlagen oder schnell weiterlesen. Ich habe mich für das Letzere entschieden und erfahre daher die Gründe der Konflikts: Kate, die Protagonistin der Geschichte, fühlt sich als Hochbegabte ihren total unfähigen und überforderten Eltern nicht nur um ein Vielfaches überlegen, sondern sie sagt und tut auch was sie will. Die Alltagsprobleme drehen sich wieder mal ums liebe Geld, die Arbeitslosigkeit des Vaters und seinen übermäßigen Alkoholkonsum, alle Familienmitglieder sind hoffnungslos überfordert und eine Lösung der Probleme scheitert auch dieses Mal kläglich an der Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit der Eltern und der unbändigen Wut des Sprösslings und endet mit einem harten Schlag der flachen väterlichen Hand in Kates Gesicht. Kopflos, haltlos und zornig verlässt die Hauptakteurin des Romans das Elternhaus, dieses Mal endgültig, da ist sie sich ganz sicher.

Zuflucht und Ruhe sucht sie im Stadtpark. Doch findet sie dort weder das eine noch das andere, denn sie stößt dort auf einen Jüngling mit Schwert, der sie barsch auffordert, ihren Namen zu nennen und ihm zu folgen. Sie hasten durch den Park bis vor ihnen ein Loch, ein graues Rechteck mit abgerundeten Ecken, sichtbar wird und Dan – so heißt der Fremde – sie ziemlich unfreundlich aber überzeugend dazu auffordert nach ihm hineinzuspringen. Sie tut es und landet kurze Zeit später mit ihm im weichen Gras von Artanien ...

Zur Autorin:

Mit 14 Jahren hatte Rahel Abebe eine erste Idee für diesen Roman. Im Moment studiert sie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ob eine Fortsetzung in absehbarer Zeit folgen wird, steht noch nicht fest.

Fazit – Alles wird gut?!

Wie man es von einem Fantasyroman nicht anders erwartet hätte, führt unsere unstete Heldin von nun an ein Leben in zwei Welten, in der einen kommt sie an eine neue Schule mit neuen Mitschülern und neuen Problemen und in der anderen? Lernt sie ihre Priesterin kennen, die sie ausbildet, kommt in eine neue Schule mit neuen Mitschülern und neuen Problemen … Klingt langweilig? Sorry, aber das hätte nur die Autorin selbst verhindern können. Denn in der ersten Hälfte des Buches schildert sie bis ins allerkleinste Detail wie Kate den Alltag in der realen Welt und in der Fantasiewelt – dort vergeht die Zeit um ein Vielfaches schneller, wie leider auch die dazugehörigen Kapitel - meistert. Prinzipiell ist gegen ein stinknormales teilweise langweiliges und leider auch klischeehaftes Teenagerleben nichts einzuwenden, aber muss dieser Teil wirklich über 50 % des Buches einnehmen? Meine eigentliche Enttäuschung beruht allerdings auf der Schilderung der Zaubererwelt, denn dort hätte sie niemals an Worten sparen dürfen, denn ich hätte sie mir um so vieles bunter, fantasiereicher und detailverliebter gewünscht. Selbst der Speiseplan der Kids ob hier oder dort hat nichts besonderes oder gar exotisches: Bratkartoffeln, Spiegelei, Spinat, Schnitzel, etc., alles was man halt so isst in unserer kleinen bayerischen Teenagerwelt. Wenn ich auch zugeben muss, dass ich die wiederholte Erwähnung von Bratkartoffeln mit Spiegelei (Lieblingsessen der Autorin?) gegen Ende sogar als komisch empfand.

Gut, ich habe das Buch nur einmal gelesen, aber es gibt ein paar Ungereimtheiten auf die ich hinweisen möchte: Wie soll beispielsweise ein Leser verstehen können, dass einer der größten und ältesten Zauberer des Landes schwere Sessel selbst und ohne Hilfsmittel mit eigener Muskelkraft durch sein Zimmer schleppen muss? Könnte er das nicht einfacher bewerkstelligen? Und warum behandelt eine hervorragende Priesterin eine Kranke bzw. fast Sterbende solange mit Kräutern, bis sie quasi im letzten Moment damit beginnt in den Gedanken und Gefühlen ihrer Patientin zu lesen, um sie endlich zu heilen? Wieso sollte sie soviel wertvolle Zeit verschwenden? Wer soll nachvollziehen können, wozu ein Weltenwandler drei Jahre Ausbildung inklusive einer anspruchsvollen und auch lebensgefährlichen Prüfung absolviert, wenn das Geheimnis seiner „Macht“ ein magischer Gegenstand ist, den jeder X-beliebige auf dem Flohmarkt hätte kaufen können? Gerne räume ich ein, durch die ganzen gelben Klebezettel, die ich um Fehler zu markieren verklebt habe (Schelte an die Lektoren!) etwas abgelenkt und unkonzentriert gewesen zu sein, aber sollte ich tatsächlich Wesentliches überlesen haben und so zu diesen Fehlschlüssen gelangt sein? Gut, vielleicht sollte ich bei Gelegenheit die Passagen nochmal durchgehen.

Am Ende wird alles gut? Nicht für die Heldin, aber sehr wohl für den Leser und unsere Autorin. Etwa im letzten Drittel des Buches ist Kate in der Zaubererwelt erwachsen geworden, hat ihre Prüfung zum Weltenwandler erfolgreich bestanden und kann ihre gewonnenen Fähigkeiten, ihre Kraft und ihren Mut auch in der realen Welt einsetzen. Sie ist innerhalb weniger Tage physisch wie emotional sichtlich gereift. Und da sind wir bei der Stärke und der Besonderheit dieses Romans, denn als Leser spürt man sehr genau, dass dieses Buch in vielen Etappen entstanden ist, was auch am zunehmend gereifteren und wesentlich ausdrucksvollerem Duktus spürbar bzw. lesbar ist und schon deshalb perfekt zur „schnellalternden“ Heldin passt. Gegen Ende habe ich wirklich gerne in diesem Taschenbuch gelesen, auch wenn der Schluss sehr sehr traurig ist … Ob es sich wirklich lohnt, auf einen weiteren Teil zu warten? Selbstverständlich! Und von meiner Kritik sollte sich Rahel keineswegs entmutigen lassen, ich hoffe sehr, sie bewirkt eher das Gegenteil ;-)

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Rahel Abebe


Rahel Abebe: Die Weltenwandler I - Der Verrat, Papierfresserchen-Verlag, Softcover, 535 Seiten, 15,90 €, ISBN: 978 3 940367 98 3

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Hallo,

ich muss schon sagen, dass ich überrascht war, wie ausführlich deine Kritik geworden ist! Danke für deine Mühe und vor allem für dein Interesse! Danke für die dir aufgefallenen Ungereimtheiten XD … Es folgen meine Interpretationen^^

Zum Ersten: Magie zeichnet Magier aus, logisch, dir ist jedoch sicherlich aufgefallen, dass diese eher selten Gebrauch von ihr nehmen und mehr wie normale Menschen handeln. Es ist eben kein Harry Potter, Magie ist in meinem Roman etwas Tiefgründigeres und Mentales und wird tendenziell selten für banale Dinge wie Stühle verschieben benutzt wird. Ferner eignete sich meiner Meinung nach die Stelle so ganz gut, um die Figur zu charakterisieren wie sie ist, ohne Maske, ohne Hokuspokus. Mir ging es nie um reinen Eskapismus in einer fiktiven Welt. Mir geht es immer um den Menschen an sich.

Zum Zweiten: Erst einmal meine Bewunderung! Dass dir solche Sachen auffallen! Ich habe gar kein Recht darauf etwas zu erwidern, weil du es so für dich rezipiert hast und es deine persönliche Erkenntnis ist die zählt und nicht meine Interpretation (wie überhaupt, weshalb hier meine Auslegungen eigentlich total unsinnig sind). In diesem Fall ist meine "Erklärung" zu schlecht nachzuvollziehen, was im Endeffekt bedeutet, dass du absolut Recht hast und ich schweigen sollte!

Zum Dritten: *lol*, das hast du schön ausgedrückt^^ Aber das stimmt so nicht ... Das mit dem Dämonentöter auf dem Flohmarkt ist völlig unabhängig von den Kräften der Schüler, die sich natürlich entwickeln in ihrer Ausbildung. Wie hast du diese Parallele gezogen? Diese Dämonentöter-Geschichte mit Paul hat eine noch zu erzählende Vorgeschichte … Und das ist die stärkste Schwäche meines Romans; es gibt so viele Dinge, die man erst wirklich versteht, wenn man die Fortsetzungen kennt. Und das ist schlecht.

Ich hoffe, dass das nicht als Rechtfertigung ankommt, ich wollte dir nur einen kurzen Einblick in meine Denkweise geben ;-)

Was ich aber wirklich sehr traurig fand und finde, ist, wie du erwähntest, dass das Lektorat sehr mangelhaft war. Das ist für mich persönlich eine Katastrophe, weil ich Rechtschreibfehler hasse …

Rahel

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